Mitten in Berlin ist man endlich raus aus der Stadt. Keine Bäume oder Häuser behindern die Sicht. Radelt man in der Abendsonne über den stillgelegten Flughafen Tempelhof, kündet nur noch der Reifenabrieb auf der Startbahn von den Flugzeugen, die hier noch bis vor knapp drei Jahren gestartet sind.

Der einstige Flughafen, das Tempelhofer Feld, ist größer als der New Yorker Central Park und heute ein Abenteuerspielplatz für Sportfreaks aller Schichten und Altersklassen. Hier zeigt sich, was passiert, wenn Großstädter nicht ein bisschen, sondern richtig viel Freiraum bekommen: Sie bewegen sich. Sie entdecken, dass man auch auf Beton Windsurfen kann und dafür keinen gebräunten Alabasterkörper braucht.

Seit der Berliner Senat seinen Bürgern im Mai 2010 die Fläche zwischen Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof und Schöneberg geöffnet hat, ist sie ein Paradies für Marathonläufer, Rennradfahrer, Inlineskater, Windsurfer und Powerkiter, die auf Rollen über den Asphalt brettern. Freunde des Gartensports züchten in mehr als 200 Beeten Tomaten und Kopfsalat.

Das Undefinierte, das Vereinslose ist es, was viele Besucher am Tempelhofer Park schätzen. So auch die Tempelflieger. Sie sind stolz darauf, ihre ferngesteuerten Modellflugzeuge jenseits von Vereinszwängen über den Flugplatz zu jagen. "Ich mag diese Vereinsmeierei nicht", sagt Oskar. "Ich möchte fliegen und nicht geheime Wahlen abhalten." Ein halbes Jahr braucht man, um so starten und landen zu können, wie Oskar mit seinem Kampfjet aus Schaumstoff und ohne Bomben.

Gerade kümmert sich ein erfahrener Modellflieger um einen Anfänger. Am schwierigsten ist das Landen. Man muss gleichzeitig die Richtung halten, parallel zur Landebahn fliegen, dabei die Geschwindigkeit dosieren und bei Querwinden mit dem Seitenruder gegensteuern.

Jan scheint das Alphatier einer Gruppe von Trickdrachenfliegern zu sein, die sich auch regelmäßig im Tempelhofer Park treffen. Er ist Anfang dreißig, hat einen Dreitagebart, trägt einen Strohhut und nichts auf seinem Oberkörper. "Das ist halt ein richtiges Hobby, kein Kinderkram. Man ist in der Natur, kommt aber auch ordentlich ins Schwitzen", sagt Jan.