Bundesliga-Rückschau Die große Philipp-Lahm-PR-Show geht weiter

Wer steht bald vor Lahms Tür? Wie viel Unschuld steckt in Mario Götze? Wer erfüllte das Berlin-Klischee? C. Spiller beantwortet die wichtigsten Fragen des 4. Spieltags.

Erzählt von sich: Philipp Lahm

Erzählt von sich: Philipp Lahm

Wer spielte wie gegen wen?

Hertha BSC – VfB Stuttgart 1:0 (0:0)
Hamburger SV – 1. FC Köln 3:4 (1:1)
1. FC Nürnberg – FC Augsburg 1:0 (0:0)
SC Freiburg – VfL Wolfsburg 3:0 (2:0)
1. FC Kaiserslautern – Bayern München 0:3 (0:1)
1899 Hoffenheim – Werder Bremen 1:2 (1:1)
Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 0:0
Hannover 96 – FSV Mainz 1:1 (1:1)
Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

"Das war kein Spiel für jemanden, der einen Herzschrittmacher hat", sagte Kölns Trainer Stale Solbakken nach dem 4:3 seines Teams in Hamburg. Ein Satz, der einem normalerweise nur ein Gähnen entlockt: zu oft gehört. In Solbakkens Fall aber handelt es sich um einen klaren Fall von hochwertigem norwegischen Humor. Der Trainer mit dem blankpolierten Schädel trägt einen Herzschrittmacher, seit er vor einigen Jahren beim Training einen Herzstillstand erlitt. Wie es um die Herzgesundheit des Hamburger Trainers, Michael Oenning bestellt ist, weiß wohl nur sein Kardiologe. Ein leichtes Unwohlsein wird Oenning aber sicher durch die Länderspielpause begleiten, ist der HSV doch auf dem besten Weg in die Zweite Liga. Die Erfolglosigkeit ist dabei nicht nur dem Trainer Michael Oenning anzukreiden. Auch der neue Sportchef Frank Arnesen ist bisher nicht durch sonderlich viel Kreativität auffällig geworden. Gleich vier Spieler lotste er von seinem ehemaligen Verein FC Chelsea nach Hamburg. Überzeugt hat noch keiner. Was macht man da? Genau, noch einen Chelsea-Verteidiger holen nach dem alten Sonnencreme-Motto: Viel hilft viel. Gegen Köln, die auch nicht mit der breitesten aller Brüste in Hamburg anreisten, spielte trotzdem nur ein ehemaliger Londoner. Spieler, die nur auf der Bank sitzen, muss man nicht unbedingt bei Chelsea kaufen, wird im Norden schon gelästert.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Das Wortpaar Sommer und Berlin passte in diesem Jahr in etwa so gut zusammen wie HSV und Erfolg. Am Freitag aber war es einmal heiß in Berlin. Zum ersten Mal seit dem 5. Juni zeigten die Thermometer mehr als 30 Grad an. Grund genug, in einen der zahlreichen Seen zu hüpfen, an seiner Arschbomben-Technik im Freibad zu feilen oder wenigstens die blassen Füße in der Spree baumeln zu lassen. 52.232 Menschen quetschten sich abends dennoch ins Berliner Olympiastadion. Sie wollten schauen, was ihr Fußballverein tut. Und sie wollten mitansehen, was von der Babbelei ihres Trainers übrig blieb. Herthas Coach Markus Babbel hatte sich zuvor in einer Stuttgarter Zeitung als Hobby-Ethnologe über den Berliner an sich geäußert: "Er ist laut, redet viel, will viel – aber getan wird oft erst mal wenig." Am Freitagabend waren es vor allem seine Männer auf dem Fußballplatz, die das Berlin-Klischee bedienten. Die Hertha-Spieler waren laut, redeten viel, wollten ein bisschen, taten aber wahrlich nicht übermäßig viel. Am Ende war es der einberlinerte Raffael Caetano de Araújo, der die Hertha erlösen musste. Der ist sehr leise, tut aber viel. Und stammt aus Fortaleza, Brasilien: 30 Grad, jeden Tag.

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Wie verlief das Top-Spiel?

ZEIT ONLINE twittert ein Topspiel des jeweiligen Spieltages live. Stefan Helmer von den Clubfans United hat für uns die Partie Nürnberg gegen Augsburg im Stadion verfolgt. Hier seine fünf schönsten Tweets. Alle Beiträge zum Spiel können Sie hier nachlesen.

zeitonlinesport Wollscheid. Jogi, ruf mal an! #fcn #fca
zeitonlinesport So langsam bekommen die Angriffsbemühungen des #fcn einen hauch von Gruseligkeit.
zeitonlinesport Aber Augsburg ist mit seinen Kontern kein Stück besser. #fcn #fca
zeitonlinesport Stellenausschreibung: Kreativer Mann im Mittelfeld mit viel Ideen und Torriecher. Bitte melden beim #fcn.
zeitonlinesport Alexander Esswein mit dem 1:0 für den #fcn. Witzig dabei, durch einen Konter

Wer stand im Blickpunkt?

Natürlich wieder einmal der Literat und Linksverteidiger Philipp Lahm. In Kaiserslautern machte er eines seiner besten Spiele seit Langem, trotz oder wegen des Wirbels um sein Buch. Abseits des Spielefeldes machte er eine unglückliche Figur. Seine halbherzigen Entschuldigungen am Samstag ("Es tut mir leid, wie manches dargestellt wurde."), führte er durch ein Interview mit dem Fachblatt Bild am Sonntag einen Tag später ad absurdum ("Ich würde es wieder tun."). Am Montag ging die große Philipp-Lahm-PR-Show weiter. Die Bild legte einen neuen Buchauszug vor, in dem sich der Nationalspieler gegen Gerüchte wehrt, er sei homosexuell. "Ich bin nicht schwul. Ich bin mit meiner Frau Claudia nicht nur zum Schein verheiratet, und ich habe keinen Freund in Köln, mit dem ich in Wahrheit zusammenlebe", diktierte Lahm seinem Ghostwriter in den Block. Er berichtet auch davon, wie einmal ein Mann vor seiner Tür stand und ihm seine Liebe gestand. "Ich schmeiße die Tür zu und drehe den Schlüssel um. Mein Herz klopft heftig. 'Gehen Sie weg', sage ich durch die geschlossene Tür, 'oder ich hole sofort die Polizei.'" Den Verkaufszahlen der Bild und des Lahm-Buches werden solche Details sicher gut tun. Falls demnächst wieder jemand unangemeldet vor Philipp Lahms Tür steht, ist es übrigens nicht unmöglich, dass es sich um Michael Ballack handelt. Der sucht jemanden zum Socken waschen, seine Frau Simone ist zu Hause ausgezogen, steht in der Bild.

Leser-Kommentare
    • Benro
    • 29.08.2011 um 12:43 Uhr

    Natürlich war das Rot. Kann ja auch mal passieren, aber nachspuken und -treten passiert jetzt eher selten zufällig.
    Herrlich stimmig ist Marios neuer Justin Bieber Titel.
    Der kursierte am Wochenende auch schon in den Berliner Fußballkneipen. Passt einfach.

  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

  2. Betrifft Lahm ebenso wie Jogi Löw oder Thorsten Frings. Wie kommen solche Stichwort-Favoriten zustande? Sind es die Schwulen, die googlen und sich Gedanken machen? Sind es die Frauen oder die Fußballerkonkurrenz? [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sc

  3. Aners ist das überaus harte Einsteigen Herrn Spillers gegen den BVB, dessen Trainer und seinem besten Mann nicht zu erklären.

    Oder waren Phrasen wie
    - "Bisher vermutete man, dass der [...] noch mit seinem Teddybär schlafen geht."
    - "Justin Bieber der Bundesliga"
    - "Mitleid mit Jürgens Mario"

    gar kein bewusstes Nachtreten, sondern eher ein Verhakeln in der Rhetorik?

    Diskutieren Sie mit.

  4. Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Moderation an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/sc

    • Voce
    • 29.08.2011 um 15:21 Uhr

    trotz seiner Größe und der damit eigentlich verbundenen besseren Übersicht dennoch temporär unter Sehschwäche leidende Stark, lag diesmal mit seiner Entscheidung im Fall Götze völlig richtig. Nämlich, indem er den Spieler vom Platz stellte, konnte er ihn gleichzeitig vor weiteren bisweilen rüden Attacken der Leverkusener schützen.

    Löw wird es Stark danken, denn nun stehen zwei Länderspiele vor der Tür, und nur ein gesunder Götze nützt ihm was. Übrigens beide , Stark wie auch Löw, sind DFB Angestellte und da finde ich es äusserst nett, wenn der eine Kollege den anderen bei Bedarf unterstützt.

    ihm danken, denn nun kommen zwei Länderspiele und nur ein gesunder Götze

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Platzverweis für Götze war vollkommen richtig; das Benehmen von Klopp wieder einmal unter aller Kanone. Ich weiß nicht, wie lange der DFB sich das noch anschauen will. Bei den Schiedsrichterschulungen in der Sommerpause wurde darauf hingewiesen, dass Klopps Verhalten nicht mehr toleriert werden darf; jetzt geht der Zirkus genau so weiter. Und selbstverständlich sind die Schiedsrichter keine Angestellten des DFB. Informieren Sie sich vielleicht einmal, bevor Sie einen solchen Unsinn verzapfen.

    Der Platzverweis für Götze war vollkommen richtig; das Benehmen von Klopp wieder einmal unter aller Kanone. Ich weiß nicht, wie lange der DFB sich das noch anschauen will. Bei den Schiedsrichterschulungen in der Sommerpause wurde darauf hingewiesen, dass Klopps Verhalten nicht mehr toleriert werden darf; jetzt geht der Zirkus genau so weiter. Und selbstverständlich sind die Schiedsrichter keine Angestellten des DFB. Informieren Sie sich vielleicht einmal, bevor Sie einen solchen Unsinn verzapfen.

  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen und üben Sie Kritik konstruktiv. Danke. Die Redaktion/vn

  6. Es ist egal, ob Lahm homosexuell ist, ob er seine Frau als Alibi nahm oder nicht. Das ist alles seine Sache. Was mich stört, was er bei der Jugend mit seinem Buch auslöst.
    Eine Anleitung zum Nachtreten: "Kommt das so vor, als würden ein paar Kumpels miteinander in die Ferien fahren, um Fußball zu spielen"
    "Die Luft vibriert immer noch vor negativer Energie. Manche Spieler machen kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen andere" "Ältere Spieler scheißen junge Spieler auf dem Platz zusammen. Statt füreinander in die Bresche zu springen, zieht einer den anderen runter, lässt das falsche Wort zur falschen Gelegenheit fallen, zeigt mit demotivierender Körpersprache, dass er nicht mehr kann und, schlimmer noch, dass er nicht hundert Prozent geben will, und das reicht nicht auf diesem Niveau"
    "Für MIchael Ballack ist es hart, dass er nach seiner schweren Verletzung die Rückkehr in die Nationalelf nicht mehr geschafft hat. Persönlich tut mir das leid für Balle. Aber als Spitzenfußballer muss er genauso wie ich zur Kenntnis nehmen, wie die Mechanismen unseres Sports funktionieren. Persönliche Befindlichkeiten spielen dabei zwangsläufig eine untergeordnete Rolle."
    "Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz. Wir Spieler mussten uns selbstständig zusammentun, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten. Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. "

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