Die Sache mit den Deutschen konnte Jose María del Nido nicht unbeantwortet lassen. Zu sehr hatte sie ihn gekränkt. Und so entschloss sich der Präsident des FC Sevilla zu einer ungewöhnlichen Aktion: Weil deutsche Behörden im Mai zunächst fälschlicherweise spanisches Gemüse für den Ausbruch der Ehec-Epidemie verantwortlich gemacht hatten, ist auf den Trikots des spanischen Erstligisten in dieser Saison am Ärmel eine grüne Gurke zu sehen. Darunter prangt die Aufschrift: "I love pepinos" – "Ich liebe Gurken". Die Aktion sei symbolischer Natur, "zur Verteidigung der spanischen Gurke, nachdem sie diesen Krieg mit Deutschland hatte", wie del Nido begründete.

Der Rechtsanwalt stammt aus Andalusien, der Region Spaniens, in der am meisten Gurken angebaut werden.

Das Gurken-Bild auf den Trikots des FC Sevilla © FC Sevilla

Das Schicksal will es so, dass del Nidos Mannen ihre Gurken-Trikots nun ausgerechnet in Deutschland erstmalig bei einem offiziellen Pflichtspiel präsentieren könnten; die spanische Fußballliga startet offiziell erst am kommenden Wochenende. In der Qualifikation zur Europa League tritt der FC Sevilla schon am heutigen Donnerstagabend (20.30 Uhr, live im ZDF) in Hannover an. Laut DFB- und Fifa-Regeln ist es eigentlich untersagt, politische, religiöse oder persönliche Botschaften während eines offiziellen Spiels auf dem Trikot zu zeigen. Während der Pressekonferenz vor dem Spiel war der Gurken-Protest jedoch kein Thema.

Für den FC Sevilla geht es auch um weit mehr, als nur die Ehre der einheimischen Gemüsebauern zu rächen: Die Teilnahme an der Europa League würde für den Verein die Chance erhöhen, in diesem Jahr einen Titel zu gewinnen. In der Meisterschaft rechnet nämlich niemand ernsthaft damit, dass der Titelträger nicht Real Madrid oder FC Barcelona heißen wird.

Natürlich ist die Europa League finanziell eine weitere Einnahmequelle, wobei der FC Sevilla das Geld aus dem internationalen Wettbewerb gar nicht so dringend benötigt. Im Gegensatz zu den meisten Clubs aus dem Land des Weltmeisters ist man nämlich schuldenfrei. Seit del Nido vor neun Jahren das Amt des Präsidenten übernommen hat, wird beim FC Sevilla seriös gewirtschaftet. Vor allem das eigene Nachwuchs- und Scoutingsystem verschafft dem Club immer wieder Millioneneinnahmen. Verkäufe von Entdeckungen wie Dani Alves, Sergio Ramos, Adriano oder Didier Zokora haben in den vergangenen Jahren sehr viel Geld eingebracht.

Bei Neuverpflichtungen schaut man dagegen nach kostengünstigen oder ablösefreien Spielern wie dem ehemaligen Hamburger Piotr Trochowski, der nun für Sevilla spielt und Teamkollege des früheren Schalkers Ivan Rakitic ist.

Del Nidos Personalpolitik hat den einst finanziell schwer angeschlagenen Club zwar saniert, sportlich ist der FC Sevilla in den vergangenen Spielzeiten aber etwas vom Kurs abgekommen. Vor fünf Jahren hatte es noch so ausgesehen, als könnte man zumindest vorübergehend Real Madrid oder den FC Barcelona herausfordern. Der Gewinn des Uefa-Cups 2006 und die Titelverteidigung ein Jahr später hatten Begehrlichkeiten geweckt bei den Fans. Doch außer dem spanischen Pokalsieg 2010 kam kein weiterer Titel hinzu. Ständige Trainerwechsel und der kontinuierliche Verkauf von Leistungsträgern hatten das Team zu sehr geschwächt. In der vergangenen Saison scheiterte man in der Qualifikation zur Champions League sogar am Außenseiter SC Braga – was Fans und Medien der Mannschaft besonders übel nahmen. Nun möchten die Spieler für Wiedergutmachung sorgen.

"Wir wollen oben mitspielen und uns möglichst für die Champions League qualifizieren. Vieles hängt davon ab, wie wir in die Saison starten", sagt Piotr Trochowski. Vielleicht ist es ja gerade die viel gescholtene spanische Gurke, die ihm und seinen Mannschaftskollegen in diesem Jahr Glück bringt.