Akustik-Attacke der TSG HoffenheimDas Dilemma des Retortenvereins

Dass ein Schallgerät den Job der Fans übernimmt, war keine gute Idee. Die TSG Hoffenheim hat mit ihrer Akustik-Attacke ihren Ruf als Retorten-Fußballverein bestätigt. von 

Fans der TSG Hoffenheim im Spiel gegen den BVB

Fans der TSG Hoffenheim im Spiel gegen den BVB  |  © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Um ihr Image zu verbessern, haben die Hoffenheimer vieles versucht. Sie haben junge sympathische Spieler gekauft. Sie haben sich eines der modernsten Stadien Deutschlands gebaut. Für diese Saison haben sie einen Trainer verpflichtet , der zuvor in Hamburg so beliebt wie Helmut Schmidt und Heidi Kabel zusammen war.

Für die Fanarbeit haben sie sich sogar etwas ganz Neues einfallen lassen. Ein Vereinsmitarbeiter baute vor dem Heimspiel gegen Dortmund einen tischgroßen braunen Lautsprecher vor den BVB-Fans auf. Die Töne des Schallgerätes erinnerten an das Raumschiff Enterprise. Es war der Versuch, erstmals gegnerische Fans mithilfe der Technik mundtot zu machen .

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Neben dem Spiel auf dem Rasen geht es im Stadion auch darum, dass die Anhänger des einen Teams lauter sind als die des anderen. Die TSG Hoffenheim hat nicht sehr viele eigene Fans. Vermutlich wollte der Verein das Problem mit dem Schallgerät lösen. Gelungen ist das nicht.

Hoffenheims Akustik-Attacke ist mit oder ohne Duldung der Verantwortlichen zu einem PR-Desaster geworden. Dass ein technisches Gerät den Job der eigenen Fans übernimmt, war keine gute Idee. Das Dilemma des Retortenfußballvereins aus Hoffenheim besteht darin, dass er nun erst Recht als Retortenfußballverein wahrgenommen wird.

Erst durch Hopps Geld wuchs die TSG Hoffenheim innerhalb weniger Jahre von einem Amateurverein zu einem Bundesligisten. Unter den meisten Fußballfans ist der Mäzen deshalb seit Jahren unbeliebt. Er verkörpert den Hass der Fans auf die Kommerzialisierung ihres Sports.

Des Ansehens wegen betonen die Verantwortlichen der TSG stets das 1899 in ihrem Vereinsnamen. Das Gründungsjahr 1899 soll für einen mehr als hundert Jahre gewachsenen Traditionsverein stehen. Vor 20 Jahren, bevor der SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp Geld in den Club investierte, war der Verein jedoch höchstens fußballinteressierten Sinsheimern ein Begriff. Der Unterschied zwischen gewolltem Image und Wirklichkeit fällt erstens auf und verhindert zweitens, dass Fußballfans Sympathien mit dem Hopp-Verein entwickeln.

Das zur Akustik-Attacke passendste Wort sprach Hopp selbst aus. "Ultrapeinlich" sagte er und behauptete, die Verantwortlichen des Vereins hätten vom Einsatz des Schallgerätes nichts gewusst. Viele Fans werden ihm das nicht glauben. Weil in der Vergangenheit nur wenige Vereins-Entscheidungen ohne Hopp gefällt wurden. Und weil das Schallgerät in der vergangenen Saison bereits mehrmals eingesetzt wurde.
 

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Leserkommentare
  1. ...noch echte Problem!

    (kopfschütteln)

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    Warum wird aud diesem ereigniss so ein Bohey gemacht. Was bezwecken die Medien damit? Was Herr Hopp getan hat würde sich "jeder" Sportverein wünschen. Dies jetzt seit Jahren an den Pranger zu stellen, ist reinste Heuchelei. Es ist un die Worte von Herrn Hopp zu verwenden : Megapeinlich!!!

  2. aber ich finds cool das es möglich, sich mit Geld soweit aufzubauen. Jetzt fehlt nur noch ein 2ter Club der Hoffenheim in der selben Situation konkurieren kann.

  3. Warum wird aud diesem ereigniss so ein Bohey gemacht. Was bezwecken die Medien damit? Was Herr Hopp getan hat würde sich "jeder" Sportverein wünschen. Dies jetzt seit Jahren an den Pranger zu stellen, ist reinste Heuchelei. Es ist un die Worte von Herrn Hopp zu verwenden : Megapeinlich!!!

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Das sind..."
    • hardius
    • 16. August 2011 18:53 Uhr

    Irgendein Vereinsmitglied baut ebenmalso einen Lautsprecher auf, muß diesen von irgendwo steuern und mit akustischen Geräuschen versorgen? Einfach so? Da hätte jemand auch eine Bombe hinschieben können!
    Wer hier an eine Einzelperson glaubt, läßt sich einfach nur verarschen!

    9 Leserempfehlungen
    • henry06
    • 16. August 2011 18:56 Uhr

    Ich interessier mich ja jetzt nicht wirklich für Fussball - aber ob nun ein Fan mit irgendwelchen Tröten (wie hießen die Dinger? Vuvuzelas?) den anderen das Trommelfell kaputt macht oder mit so nem Fiepton - wo ist der Unterschied? Ist doch beides gleich bescheuert!?

    mfg henry

    2 Leserempfehlungen
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    "Ich interessier mich ja jetzt nicht wirklich für Fussball"

    Dann sollte man es vielleicht bei Themen belassen, über die man auch halbwegs Ahnung hat?

    • snm81
    • 16. August 2011 19:11 Uhr

    wasserwerfer gegen fans die den bayern die lederhosen ausziehen wollen?

    8 Leserempfehlungen
    • bayert
    • 16. August 2011 19:13 Uhr

    für Hoffenheim gespielt. Es werden auch keine teuren Stars gekauft und ein funktionierendes Nachwuchskonzept ist auch vorhanden.

    P.S.: Ich ärgere mich über Vereine, die von Kommunen mit Steuergeld (direkt oder indirekt) unterstützt werden. Spontan fällt mir S04 oder der 1.FCK ein (gibt sicher weitere Vereine).

    9 Leserempfehlungen
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    so möchte ich sie an die Olympiade 1972 in Münschen erinnern, wo der FC Bayern ein Stadion mit 73.000 Plätzen zur Verfügung gestellt wurde. Was meinen sie wer das Stadion bezahlt hat??? Mit diesem Stadion wurden erst die Erfolge, auch finanzieller Art, vor allem derer, möglich!!! Gewiss haben die verantwortlichen Herren Neudecker und Schwan, dann das Beste daraus gemacht. Keine Frage!!! Hätte so was damals auch dem FC Borussia Mönchengladbach zur Verfügung gestanden, wer weiß wie dann der Club heute dastehen würde???

    "Es werden auch keine teuren Stars gekauft und ein funktionierendes Nachwuchskonzept ist auch vorhanden"

    Genau, es werden eigentlich nur lokale junge Talente aus dem Kraichgau aufgebaut. Zum Beispiel so einer wie Ryan Babel, Demba Ba oder Obasi. Leute, die Geschichte vom "Projekt Hoffenheim", das ausschließlich auf regionale Talente setzt ist ein (Propaganda-)Märchen.
    Und das "funktionierende Nachwuchskonzept" funktioniert so gut, dass die Hoffenheimer Scouts bei vielen anderen Clubs inszwischen Hausverbot haben, weil ihre Anwerbungsversuche so aggressiv sind und sie unentwegt mit Herrn Hopps Kohle rumwedeln.
    Wirklich alles rosig da im Kraichgau.

    @bayert

    Als die TSG ihren Siegeszug durch 3. und 2. Liga marschiert ist, haben sie Ablösesummen gezahlt, die die meisten Erstligisten in den Schatten stellten. Im aktuellen Profikader befindet sich meines Wissens nicht ein selbst ausgebildeter Profi. Dass die Hoffenheimer Nachwuchsarbeit nachhaltig funktioniert, muss also noch in den kommenden Jahren nachgewiesen werden (Bitte an der Stelle keine Hinweise auf die Erfolge der TSG-Jugendmannschaften!).

    Dies nur mal eine kleines Geraderücken des so oft propagierten Hoffenheimer Systems. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in Hoffenheim in Zukunft was entstehen mag - allein, dies muss eben erst die Zukunft zeigen.

    • Maori
    • 17. August 2011 14:19 Uhr

    Mir wäre es mehr als peinlich, einen solchen Schwachsinn auch nur ansatzweise in Worte zu fassen. Wie schon erwähnt, hat die TSG sehr wohl jede Menge extrem teure Spieler gekauft und ist in der zweiten Liga mit einem Millionen-Sturm aufgelaufen. Es ist schon abenteuerlich, als gekränkter Fan auf Schalke oder Lautern loszugehen, die für ihre Regionen jahrzehntelang enorm viel getan haben. Was hat denn der Verein TSG 1899 Hoffenheim für seine Region getan, was nicht von Herrn Hopp (dessen Arbeit ich durchaus schätze) kommt? Und rechtfertigt das alles so eine peinliche Trötenaktion? Ich bitte Sie.

    • zacc
    • 16. August 2011 19:28 Uhr

    Ich bin zwar selbst Fußballfans aber verstehe viele von meiner Sorte nicht.

    Erst wird sich bei der Frauen-WM beschwert der Fußball wäre ja nicht anzugucken und dann wenn es um die Bundesliga geht schaut man auf einmal lieber dem Tabellenkellergekrebse mancher Traditionsclubs zu anstatt sich einfach mal darüber zu freuen was Hoffenheim, besonders in seiner Aufstiegssaison, fußballerisch abgeliefert hat - das war nämlich allererste Sahne.
    Wenn die Mannschaft einfach nur aus einigen alternden Fußballmillionären bestünde, könnte ich die Kritik besser verstehen. Aber die Erfinder der TSG haben stattdessen mit jungen Talenten und frischem Fußball mindestens für eine Saison lang ganz neuen Wind in die Liga gebracht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dietmar Hopp | Helmut Schmidt | Hoffenheim | TSG 1899 Hoffenheim | Heidi Kabel | Saison
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