Eine zerknüllte Dose des RB-Leipzig-Sponsors auf dem Rasen im Zentralstadion Leipzig © Jan Woitas, dpa

Es gibt eine Wahrheit, die viele Fußballfans nicht wahrhaben wollen: Geld schießt Tore . Martin Kind, Präsident, Geschäftsführer, Sponsor, kurz, der Alleinherrscher über Hannover 96, verbreitet diese Wahrheit seit Jahren. Er will mehr Geld , damit 96 auch mal einen Titel holt. Beliebter hat sich der Unternehmer mit diesem Ansinnen nicht gemacht.

Seit Dienstag kann Kind auf mehr Geld, mehr Tore hoffen. Seiner Klage wurde stattgegeben, die 50+1-Regel wurde aufgeweicht. Die Tür für Investoren, die die Mehrheit in einem Fußballclub anstreben, wurde mehr als nur ein Stück weit aufgestoßen. Fußballromantiker und Kommerzkritiker mögen nun aufschreien, doch die Entscheidung des Schiedsgerichtes sorgt für mehr Gerechtigkeit. Weil es keine Ausnahmen, dafür aber mehr Transparenz gibt.

Mag sein, dass die Änderung der 50+1-Regel Verhältnisse wie im englischen oder spanischen Fußball begünstigt. Aufzuhalten ist diese Entwicklung aber ohnehin nicht. In der Praxis war die 50+1-Regel eine Illusion. Auch in Deutschland gibt es längst Investoren, die dank ihres Geldes Fußballvereine lenken.

Bei Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg wurde das vom DFB geduldet. Bayer und VW gaben und geben Geld und bestimmen, was damit geschieht. Der Werksclub darf seinen Geldgeber sogar im Namen tragen.

Die Illusion der 50+1-Regel verdeutlicht am offensichtlichsten der Retortenverein 1899 Hoffenheim. Offiziell hält der Großinvestor Dietmar Hopp dort nicht die Mehrheit am Fußballverein. Offiziell hat nur der Fußballclub die Entscheidungshoheit über die Personalien. Offiziell.

Inoffiziell weiß jeder, der sich mit dem Verein beschäftigt, dass Hopp das Sagen hat: Stadionneubau, Struktur der Jugendabteilung, vielleicht sogar die Schallattacke : Der Geldgeber fällt alle wichtigen Entscheidungen. In der vorigen Spielzeit soll er dafür gesorgt haben, dass der Trainer Ralf Rangnick entlassen und der Spieler Luis Gustavo verkauft wurde.

Ein weiteres Beispiel ist RB Leipzig . Formal kann man dem Verein, der von Dietrich Mateschitz erfunden wurde, nichts vorwerfen. Doch schon der Blick auf die Vereinswebsite zeigt, dass ein Brausehersteller hinter dem Club steht, der mehr als die PR-Arbeit koordiniert.

Martin Kind hat die gleichen Ziele wie Dietmar Hopp oder Dietrich Mateschitz. Sein Verein soll reicher werden, damit er erfolgreicher Fußball spielt. Anders als Hopp und Mateschitz wollte sich Kind jedoch nicht eines seltsamen Konstrukts behelfen, sondern auf legalem Weg seinen Verein unterstützen. Er hat Erfolg gehabt und für alle eine fairere Lösung erstritten.