Katja Kraus © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Wenn Katja Kraus über das Business Profifußball redet, spürt man eine große Distanz. Das war schon zu ihrer Zeit als zweite Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV so. Als wäre sie eine Außenstehende, sprach sie damals zwar nicht abwertend, aber in einem Ton der Fremdheit über die Gepflogenheiten in der Bundesliga, den eigenen Verein nicht ausgenommen. Dabei liebt sie den Fußball.

Mit siebzehn ist sie Zuhause ausgezogen, der Fußball war für sie seitdem ein Stück Familie. Als Torfrau des FSV Frankfurt wurde sie Meister und Nationalspielerin. Mindestens genauso wichtig wie diese Titel und die Länderspielstatistik war Katja Kraus die Gemeinschaft, die eine Mannschaft im besten Fall entstehen lässt. Das Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein, die ein Abenteuer bestehen. Lagerfeuer-Gefühl nennt sie das.

Die HSV-Profis hingegen ließen nicht nur ein Mal einen Grillabend ausfallen. "Spieler sind nicht nur Mannschaftskameraden", sagt Katja Kraus, "sie sind auch Konkurrenten". Konkurrenten um einen Stammplatz, den nächsten Vertrag, die Kapitänsbinde, die Gunst der Fans, den Platz in der Nationalelf. Sie denken an sich zuerst, handeln und reden auf Kosten der anderen.

Als der Verein vor anderthalb Jahren den holländischen Altstar Ruud van Nistelrooy verpflichtete und Fans und Journalisten aus dem Häuschen waren, fühlten sich Mitspieler des Sonnenlichts beraubt. Deswegen sah sich der Vorstand zu der Bitte an van Nistelrooy gezwungen, keine Interviews zu geben. Nicht die einzige ernüchternde Erfahrung für Katja Kraus. Mit ihrem Ideal hatte der divenhafte HSV wenig zu tun, der dem Boulevard ständig Stoff liefert, sich von ihm treiben lässt, bei dem so viele mitreden.