Corny Littmann "Eine Gehälterdebatte im Fußball ist überfällig"
Das Geschäft um den Fußball hat astronomische Ausmaße angenommen. Der Fußball solle sich mäßigen, sagt unser Kolumnist Corny Littmann im Alles-außer-Fußball-Gespräch.
© Andreas Rentz/Getty Images

Der ehemalige Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann
ZEIT ONLINE: Herr Littmann, in Spanien hat ein 24-jähriger Profi seine Karriere mit der Begründung beendet, dass es im Fußball nur um Geld geht.
Corny Littmann: Respekt, vielleicht stößt er eine Gehälterdebatte an. Überfällig wäre sie längst. Mancherorts hat dieses Business astronomische Ausmaße angenommen, nach Oben scheint es keine Grenze zu geben. Es profitieren Einzelne: Spieler, Funktionäre, aber auch Berater.
ZEIT ONLINE: In der Primera Division bestreikten Fußballer den ersten Spieltag, weil sie kein Gehalt bekommen hatten. Dürfen wir mit Fußballprofis Mitleid haben?
Littmann: Wir dürfen mit allen Arbeitnehmern mitfühlen, deren Arbeitgeber vertraglichen Pflichten nicht nachkommen. In Spanien beobachten wir zudem eine krasse Spaltung im Profifußball, es gibt eine Dreiklassengesellschaft: Barcelona und Madrid sind die Oberschicht, nur sie haben eine Meisterchance. Darunter ist eine Mittelschicht von rund zehn Vereinen. Der Rest kämpft ums Überleben. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auseinander. Das ist eine Parallele zur wirtschaftlichen Lage in diesem Land. Wie zu vielen anderen Ländern, darunter auch EU-Staaten. Vielleicht springt ja Merkel ein.
- Alles Außer Fußball
Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.
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Die Gespräche mit Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger, Andreas Beck und Corny Littmann stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.
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ZEIT ONLINE: Sollte Spaniens Fußball umverteilen?
Littmann: Vielleicht sollte das Fernsehgeld anders verteilt werden, damit die Liga wieder spannender wird. Das größte Problem nicht nur im spanischen Fußball ist die Maßlosigkeit, die um sich greift. Ich denke an England, Italien, auch Russland. Dem muss man einen Riegel vorschieben. Gerade in diesen Zeiten, in denen in London Häuser brennen und in Madrid Jugendliche gegen den Papstbesuch auf die Straße gehen. Das mögen anarchistische Aktionen gewesen sein, dennoch haben wir es mit einem sozialen Aufstand zu tun.
ZEIT ONLINE: Erkennen Sie darin eine Gefahr für den Fußball?
Littmann: Keine direkte, der Fußball darf sich immer mehr erlauben. Gesamtwirtschaftlich sind seine Umsätze ohnehin Peanuts. Wo Gewalt und Krawall als nächstes aufbrechen, ist nicht vorherzusagen. Im Fußball spiegeln sich seit langer Zeit Tendenzen der Globalisierung und Entwicklungen in der EU. Der Fußball sollte sich wie die Politik von der reinen Wachstumsideologie verabschieden.
- Datum 26.08.2011 - 14:55 Uhr
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- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE
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Endlich jemand der das Thema anpackt. Ich plädiere schon seit Jahren für drastische Kürzungen im Fussballbereich. Man muß den Verfechter - Hoeness, Rummenigge und Konsorten den Garaus machen, denn sie überdrehen das Maß!!!! Fussball ist eine Nebensache und sollte auch eine bleiben. Was hier betrieben wird ist Raffgier ohne Ende!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
diese summen werden erwirtschaftet, fans kaufen die merchandisingkacke und schauen pay tv ...
wer soll die gewinne denn bekommen? man könnte die karten billiger machen aber die sind z.b. in dland schon billiger als irgendwo sonst- auch in den nachwuchs wird investiert...
wenn diese gewinne doch da sind und, wie in dland halbwegs, solide gewitschaftet wird--- wohin denn mit dem geld wenn nicht an die spieler?
.. werden diese Zahlen erwirtschaftet?" sollte die Frage sein.
Doch nur, weil man in nahezu jedem Verein nach der absoluten Profitmaximierung sucht und dabei sich selbst, den Verein und den Sport verkauft.
Warum nur, muß man die Rechte auf seinen Stadionnamen abtreten und gibt damit gleichzeitig ein Stück seiner eigenen Identität auf? Warum gibt es keine Live-Übertragungen im Öffentlich-Rechtlichen, wo sie weitaus mehr Publikum erreichen würden, als auf den Pay-TV-Sendern? Warum erzählt mir bei jedem Heimspiel ein Fabrikant für Heizungssysteme wie viele Zuschauer im Stadion sind?
Sport sollte (fast) immer Wettbewerb sein. Inzwischen sind wir aber in nahezu jedem Profisport so weit gekommen, daß sich dieser Wettbewerb fast ausschließlich nach dem Kontostand richtet.
Zum einen schadet das dem Sport selber - der ureigene Wettbewerbsgedanke geht peu á peu verloren, Fans verlieren das Interesse an diesem Ausverkauf; zum anderen schadet der Sport damit auch unmittelbar der Gesellschaft, der er schon immer als Vorbild gedient hat. Der "Charakter der Mannschaft", wie von Hr. Littmann so schön beschrieben, wird doch durch die Vereine toleriert und letzten Endes selber geformt.
Ich kann persönlich mit Fußball wenig anfangen, warum sollen meine Steuern für die Bespaßung der Fußballfans ausgegeben werden?
.. werden diese Zahlen erwirtschaftet?" sollte die Frage sein.
Doch nur, weil man in nahezu jedem Verein nach der absoluten Profitmaximierung sucht und dabei sich selbst, den Verein und den Sport verkauft.
Warum nur, muß man die Rechte auf seinen Stadionnamen abtreten und gibt damit gleichzeitig ein Stück seiner eigenen Identität auf? Warum gibt es keine Live-Übertragungen im Öffentlich-Rechtlichen, wo sie weitaus mehr Publikum erreichen würden, als auf den Pay-TV-Sendern? Warum erzählt mir bei jedem Heimspiel ein Fabrikant für Heizungssysteme wie viele Zuschauer im Stadion sind?
Sport sollte (fast) immer Wettbewerb sein. Inzwischen sind wir aber in nahezu jedem Profisport so weit gekommen, daß sich dieser Wettbewerb fast ausschließlich nach dem Kontostand richtet.
Zum einen schadet das dem Sport selber - der ureigene Wettbewerbsgedanke geht peu á peu verloren, Fans verlieren das Interesse an diesem Ausverkauf; zum anderen schadet der Sport damit auch unmittelbar der Gesellschaft, der er schon immer als Vorbild gedient hat. Der "Charakter der Mannschaft", wie von Hr. Littmann so schön beschrieben, wird doch durch die Vereine toleriert und letzten Endes selber geformt.
Ich kann persönlich mit Fußball wenig anfangen, warum sollen meine Steuern für die Bespaßung der Fußballfans ausgegeben werden?
Jeder Verein sollte seinen Spielern zahlen dürfen, was sie wirtschaftlich in der lLage sind zu zahlen. Die Lizenzierung der Vereine ist ja an die Zahlungsfähigkeit geknüpft.
Es kann aber nicht sein, dass der Steuerzahler allgemein am Bau und Erhalt von Fußballstadien beteiligt wird und für die Sicherheitskosten aufkommen muss, die ein Verein mit seinem Geschäftsziel, über Fußballspiele Gewinne zu generieren, verursacht. Diese Kosten müssten in die Kalkulation mit einbezogen werden. Die Gehälter der Fußballspieler würden durch die geringeren Gewinne auf natürliche Weise sinken.
Dem Kommentar kann ich nur zustimmen. Wenn im Fußball genug Geld erwirtschaftet wird, damit alle Spieler ein paar Millionen verdienen können, freut mich das.
Es kann aber nicht sein, dass die Einnahmen aus exorbitant hohen Fensehgeldern und gesparten Kosten für Stadien, Polizeiaufgebote etc. bestehen, die dann die Allgmeinheit übernimmt. Das trifft natürlich auf "Sport"arten wie Raddoping genauso zu. Man sieht ja an der Leichtathletik, dass der SPort plötzlich nicht mehr interessant und die Leistungen der Athleten mittelmäßig werden, sobald keine großen Gelder mehr fließen.
Dem Kommentar kann ich nur zustimmen. Wenn im Fußball genug Geld erwirtschaftet wird, damit alle Spieler ein paar Millionen verdienen können, freut mich das.
Es kann aber nicht sein, dass die Einnahmen aus exorbitant hohen Fensehgeldern und gesparten Kosten für Stadien, Polizeiaufgebote etc. bestehen, die dann die Allgmeinheit übernimmt. Das trifft natürlich auf "Sport"arten wie Raddoping genauso zu. Man sieht ja an der Leichtathletik, dass der SPort plötzlich nicht mehr interessant und die Leistungen der Athleten mittelmäßig werden, sobald keine großen Gelder mehr fließen.
...vielleicht im ortlichen Sportverein, ja. Da ist das Ganze sicherlich noch ein Sport. Aber je weiter man zur Spitze des Fußballs kommt, desto weniger dreht sich das Ganze um den Sport an sich. Klar betätigt sich ein Phillip Lahm noch körperlich, aber denkt mal an die Führungsebene eines Topvereins. In meinen Augen geht es da nur noch um Kommerz. Und utopische Beträge an Geld werden umgewälzt. Wie kann es sein, dass ein Fußballspieler um Welten (das spottet schon jeder Dimension) mehr verdient als das Oberhaupt des Landes?
In meinen Augen müssten Ärzte mehr verdienen als irgendwelche Sportler.
Zumindest in Deutschland. Werbung macht Google, Facebook und Konsorten reich, aber ein Fussballer/Verein darf nicht davon profitieren ?
In Spanien, England und Italien findet der selbe Exzess statt den sich die Wirtschaft weltweit leistet, es bilden sich Blasen der Überbewertung die irgednwann platzen. In Deutschland sind wir weit davon entfernt.
Solang eman sich nicht daran beteiligt ist man auch sicher.
Wenn die Bundesliga bald die letze Liga ist in der Gehälter auch bezahlt werden ( weil VOR der Saison die Finanzen geklärt sein müssen) dann schauen hier immer mehr zu.
In der Buli sollte man froh über deutsche Vereinsmeyerei froh sein.
Exzess und Pump gibts schon genug.
.. werden diese Zahlen erwirtschaftet?" sollte die Frage sein.
Doch nur, weil man in nahezu jedem Verein nach der absoluten Profitmaximierung sucht und dabei sich selbst, den Verein und den Sport verkauft.
Warum nur, muß man die Rechte auf seinen Stadionnamen abtreten und gibt damit gleichzeitig ein Stück seiner eigenen Identität auf? Warum gibt es keine Live-Übertragungen im Öffentlich-Rechtlichen, wo sie weitaus mehr Publikum erreichen würden, als auf den Pay-TV-Sendern? Warum erzählt mir bei jedem Heimspiel ein Fabrikant für Heizungssysteme wie viele Zuschauer im Stadion sind?
Sport sollte (fast) immer Wettbewerb sein. Inzwischen sind wir aber in nahezu jedem Profisport so weit gekommen, daß sich dieser Wettbewerb fast ausschließlich nach dem Kontostand richtet.
Zum einen schadet das dem Sport selber - der ureigene Wettbewerbsgedanke geht peu á peu verloren, Fans verlieren das Interesse an diesem Ausverkauf; zum anderen schadet der Sport damit auch unmittelbar der Gesellschaft, der er schon immer als Vorbild gedient hat. Der "Charakter der Mannschaft", wie von Hr. Littmann so schön beschrieben, wird doch durch die Vereine toleriert und letzten Endes selber geformt.
ja auch nicht dass das gut ist. aber für fussballvereine gelten diesselben regeln wie für jede firma...
wie sollte das anders sein?
darauf wollte ich bloß hinaus, dass folgt einerlei systemlogik, so einfach, so klar...
und ja, leider
ja auch nicht dass das gut ist. aber für fussballvereine gelten diesselben regeln wie für jede firma...
wie sollte das anders sein?
darauf wollte ich bloß hinaus, dass folgt einerlei systemlogik, so einfach, so klar...
und ja, leider
Durch die Übertragungen der Fußballspiele im Fernsehen wird viel Geld verdient, ebenso durch die vollen Stadien. Wer soll denn das ganze Geld bekommen, dass im Fußball verdient wird ? Sollen es die Vereine behalten ? Oder sollen die Fernsehanstalten riesige Gewinne durch Werbung bei Fussballbereichterstattung machen und die Spieler nichts davon abbekommen ?
Das wäre schlicht unfair. Im Fußball wird so viel Geld verdient, da sollen die Spieler auch einen fairen Anteil an diesen Umsätzen erhalten. Insofern haben sie ein Recht darauf, viel Geld zu bekommen.
Das ändert aber nichts daran, dass die Verschuldung der Vereine im Fußball ungesund ist und dringend eingedämmt werden muß. Das ist zum Teil Wettbewerbsverzerrung, was da passiert. Wenn ich daran denke, wieviel Geld Wolfsburg in den letzten Jahren verschwendet hat, wird mir übel...
Ich kann persönlich mit Fußball wenig anfangen, warum sollen meine Steuern für die Bespaßung der Fußballfans ausgegeben werden?
mal auf die Idee gekommen, dass Vereine und Spieler ebenfalls Steuern zahlen? Und bei den (teils irrsinnigen) Summen die da im Spiel sind, wird es nicht wenig sein was der Staat einnimmt.
Mal andersrum:
Ich weiß ja nicht wo Ihre Interessen liegen. Mal angenommen Sie gehen gerne ins Theater. Warum sollen meine Steuern für die Bespaßung von Theater-Fans ausgegeben werden?
Nichts gegen Theater. Ich will aber ausdrücken, dass so eine Argumentation niemanden weiter hilft.
"Das Geld sollte z.B. an den Staat gehen"
Das tut es. Es gab mal eine Aufschlüsselung vor einigen Jahren, als der HSV akut abstiegsgefährdet war, was der Stadt Hamburg an Einnahmeverlusten drohen würde.
Ich persönlich interessiere mich auch nicht sonderlich für Fußball, sehe es aber wie viele hier. Wer soll das Geld sonst kriegen, wenn nicht die, die es erwirtschaften? Ich teile die Ansicht, dass man nicht mehr ausgeben sollte als man einnimmt. Wäre dies der Fall und würde dass die Auflage der Verbände sein, würde es sich von selbst regulieren.
mal auf die Idee gekommen, dass Vereine und Spieler ebenfalls Steuern zahlen? Und bei den (teils irrsinnigen) Summen die da im Spiel sind, wird es nicht wenig sein was der Staat einnimmt.
Mal andersrum:
Ich weiß ja nicht wo Ihre Interessen liegen. Mal angenommen Sie gehen gerne ins Theater. Warum sollen meine Steuern für die Bespaßung von Theater-Fans ausgegeben werden?
Nichts gegen Theater. Ich will aber ausdrücken, dass so eine Argumentation niemanden weiter hilft.
"Das Geld sollte z.B. an den Staat gehen"
Das tut es. Es gab mal eine Aufschlüsselung vor einigen Jahren, als der HSV akut abstiegsgefährdet war, was der Stadt Hamburg an Einnahmeverlusten drohen würde.
Ich persönlich interessiere mich auch nicht sonderlich für Fußball, sehe es aber wie viele hier. Wer soll das Geld sonst kriegen, wenn nicht die, die es erwirtschaften? Ich teile die Ansicht, dass man nicht mehr ausgeben sollte als man einnimmt. Wäre dies der Fall und würde dass die Auflage der Verbände sein, würde es sich von selbst regulieren.
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