ZEIT ONLINE: Herr Kind, Sie haben seit fünf Jahren für eine Änderung der 50+1-Regelung gekämpft. Haben Sie Ihr Ziel nun erreicht?

Martin Kind: Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben nunmehr die notwendige Rechts- und Planungssicherheit für alle deutschen Fußballvereine und für unsere zukünftige Arbeit bei Hannover 96.

ZEIT ONLINE: Die DFL hat nach dem Urteil des Schiedsgerichtes eine Pressemitteilung veröffentlicht. Die Klarheit, die Sie ansprechen, kann man da nicht rauslesen.

Kind: Hier widerspreche ich. Das Rechtsurteil ist eindeutig.

ZEIT ONLINE: Die 50+1-Regelung besagte bisher, dass ein Investor nicht die Mehrheit eines Fußballclubs übernehmen darf. Das ändert sich nun?

Kind: Ja, wenn der Investor sich zuvor 20 Jahre in einem Fußballverein wirtschaftlich engagiert hat, kann er die Mehrheit übernehmen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet das für Sie in Hannover? Sie sind Geschäftsführer des Vereins und mit Ihrem Unternehmen auch Investor – bereits seit 20 Jahren?

Kind: Nein, erst seit 1997.

ZEIT ONLINE: Sie müssen also noch sechs Jahre warten, bis Sie als Sponsor zum Beispiel offiziell entscheiden können, welche Personen im Verein welche Positionen besetzen?

Kind: Nach 20 Jahren hat der Hauptaktionär die volle Entscheidungskompetenz, personell und wirtschaftlich.

ZEIT ONLINE: Was machen Sie in den nächsten sechs Jahren?

Kind: Wir werden Gespräche führen. Es gibt vermögende Bürger in der Region Hannover, die sich für die Stadt und den Fußballverein verantwortlich fühlen. Bisher war es so, dass diese Personen durch die Rechtslage darin gehindert waren, sich für Hannover 96 einzusetzen. Jetzt hat sich das geändert. Hannover 96 wird von der Änderung der 50+1-Regel profitieren.

ZEIT ONLINE: Neben den Personalentscheidungen: Welche wesentlichen Entscheidungen darf ein Investor zukünftig bei einem Verein wie Hannover 96 treffen?

Kind: Erstens: Der Eigentümer bestimmt den Geschäftsführer des Fußballunternehmens. Zweitens: Er genehmigt den Etat. Drittens: Er trifft Investitionsentscheidungen.

ZEIT ONLINE: Können Sie das konkretisieren, was sind Investitionsentscheidungen für einen Fußballverein?

Kind: Der Eigentümer kann beispielsweise festlegen, dass ein Verein mindestens fünf Spieler verpflichten soll, die nicht teurer als sechs Millionen Euro sind.

ZEIT ONLINE: Das ist ein positives Beispiel. Es kann auch sein, dass ein Verein sich durch zu hohe Spieler-Ausgaben verschuldet. Solche Beispiele gibt es in England oder Spanien, wo es keine 50+1-Regel gibt.

Kind: Wir werden in Deutschland in den nächsten Jahren sicher keine kritischen Verhältnisse bekommen.