Martin Kind : "Hannover wird von der Änderung der 50+1-Regel profitieren"

Martin Kind hat erstritten, dass Investoren Fußballvereine übernehmen dürfen. Im Interview erklärt Hannovers Präsident, was sein Erfolg für die Liga bedeuten könnte.
Martin Kind, Präsident von Hannover 96 © Peter Steffen/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Kind, Sie haben seit fünf Jahren für eine Änderung der 50+1-Regelung gekämpft. Haben Sie Ihr Ziel nun erreicht?

Martin Kind: Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben nunmehr die notwendige Rechts- und Planungssicherheit für alle deutschen Fußballvereine und für unsere zukünftige Arbeit bei Hannover 96.

ZEIT ONLINE: Die DFL hat nach dem Urteil des Schiedsgerichtes eine Pressemitteilung veröffentlicht. Die Klarheit, die Sie ansprechen, kann man da nicht rauslesen.

Kind: Hier widerspreche ich. Das Rechtsurteil ist eindeutig.

ZEIT ONLINE: Die 50+1-Regelung besagte bisher, dass ein Investor nicht die Mehrheit eines Fußballclubs übernehmen darf. Das ändert sich nun?

Kind: Ja, wenn der Investor sich zuvor 20 Jahre in einem Fußballverein wirtschaftlich engagiert hat, kann er die Mehrheit übernehmen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet das für Sie in Hannover? Sie sind Geschäftsführer des Vereins und mit Ihrem Unternehmen auch Investor – bereits seit 20 Jahren?

Kind: Nein, erst seit 1997.

ZEIT ONLINE: Sie müssen also noch sechs Jahre warten, bis Sie als Sponsor zum Beispiel offiziell entscheiden können, welche Personen im Verein welche Positionen besetzen?

Kind: Nach 20 Jahren hat der Hauptaktionär die volle Entscheidungskompetenz, personell und wirtschaftlich.

ZEIT ONLINE: Was machen Sie in den nächsten sechs Jahren?

Kind: Wir werden Gespräche führen. Es gibt vermögende Bürger in der Region Hannover, die sich für die Stadt und den Fußballverein verantwortlich fühlen. Bisher war es so, dass diese Personen durch die Rechtslage darin gehindert waren, sich für Hannover 96 einzusetzen. Jetzt hat sich das geändert. Hannover 96 wird von der Änderung der 50+1-Regel profitieren.

ZEIT ONLINE: Neben den Personalentscheidungen: Welche wesentlichen Entscheidungen darf ein Investor zukünftig bei einem Verein wie Hannover 96 treffen?

Kind: Erstens: Der Eigentümer bestimmt den Geschäftsführer des Fußballunternehmens. Zweitens: Er genehmigt den Etat. Drittens: Er trifft Investitionsentscheidungen.

ZEIT ONLINE: Können Sie das konkretisieren, was sind Investitionsentscheidungen für einen Fußballverein?

Kind: Der Eigentümer kann beispielsweise festlegen, dass ein Verein mindestens fünf Spieler verpflichten soll, die nicht teurer als sechs Millionen Euro sind.

ZEIT ONLINE: Das ist ein positives Beispiel. Es kann auch sein, dass ein Verein sich durch zu hohe Spieler-Ausgaben verschuldet. Solche Beispiele gibt es in England oder Spanien, wo es keine 50+1-Regel gibt.

Kind: Wir werden in Deutschland in den nächsten Jahren sicher keine kritischen Verhältnisse bekommen.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

50 + 1 - Regel

Sie ist, wenn man es genauer betrachtet, ein Papiertiger. Wie es einige Vereine schon bewiesen haben. Hoffenheim; Leverkusen; Wolfsburg, um nur einige zu nennen. Zum Glück ist es bisher noch nicht dazu gekommen, das sich ein Verein wirtschaftlich dermaßen ins Abseite manöwriert hat, das es zum Schwur kommen mußte, die Mitglieder oder der Investor. Hier liegt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential für die Vereine, egal wie sie heißen, egal wer sie am Leben hält. Hier gilt der Spruch : Sport ist die schönste Nebensache der Welt, schon längst nicht mehr!!!

ahja..

... und was hat die finanzkräftigen Fans bisher davon abgehalten den Verein zu unterstützen? Das Mitspracherecht?
Die Abhängigkeit von 1-2 Unterstützern sehe ich sehr kritisch. Was passiert mit WOB wenn VW rote Zahlen schreibt? Was mit Hoffenheim wenn das Geld von Herrn Hopp nicht mehr zur Verfügung steht.

Es steht zu befürchten das ursprünglich gut gemeinte Investitionen zum Niedergang von einigen Vereinen führen.
Wir werden sehen was passiert.

Chelsea Fans

habe doch nur davon profitiert dass es in England die 50+1 Regel nicht gibt. Vorher (vor Mr Abramovitch) war Chelsea ein Verein wie Schalke. Nur Schulden aber kein Erfolg.
Man City wird davon profitieren dass ein Scheich sein Geld nur so herumwirft. Und ManU hat es nicht geschadet dass es den Amerikanern gehoert. Ich hoere immer das Argument "ja wenn der Besitzer dann keine Lust mehr hat" dann wuerde der Verein den Bach runtergehen. Na, das kann schon sein. Aber meist ist es doch so dass die gern ihr Investment wieder haben wollen und gezwungen sind den Verein dementsprechend zu fuehren. D50+1 hat viele Vereine hier aber auch nicht davor gewahrt Schulden zu machen und falsch zu wirtschaften (Schalke, Dortmund und Stuttgart war da auch schon).

Ich haette nichts dagegen wenn ein reicher Russe den VFB kauft und wir dann mal die Champions Leauge gewinnen. Wenn er keine Lust mehr hat...Ja...dann spielen wir halt dann wieder da wo wir die meiste Zeit spielen. Zwischen dem 3ten und 15ten Platz in the Bundesliga. Und gewinnen mit Glueck alle 15 Jahre eine Meisterschaft.

Noch etwas...50+1 ist nicht dafuer verantwortlich dass in Deutschland beim Fussball Gehaelter rechtzeitig gezahlt werden im Vergleich zu Italien oder Spanien. Was dafuer verantwortlich ist die entsprechende Fuehrung des Vereins. Die sind in Deutschland eben gut. Aber das ist nicht nur im Fussball sondern in der ganzen Wirtschaft so.

Investoren hinter Toren

"Ich haette nichts dagegen wenn ein reicher Russe den VFB kauft und wir dann mal die Champions Leauge gewinnen. Wenn er keine Lust mehr hat...Ja...dann spielen wir halt dann wieder da wo wir die meiste Zeit spielen. Zwischen dem 3ten und 15ten Platz in the Bundesliga. Und gewinnen mit Glueck alle 15 Jahre eine Meisterschaft."

Chelsea hat mit Abramowitsch als Investor lediglich einmal das Finale der CL erreicht. Ich hingegen will für meinen VFB nicht den Erfolg um jeden Preis. Einen orts- und fußballfremden Besitzer könnte ich nicht ertragen.

Würde aber Mercedes den VFB übernehmen, so könnte ich damit leben.

bzgl. Manchester United

gerade bei Manchester United ist aber doch das Problem, dass die Glazers die Rückzahlung des Kredits, den sie zum Kauf des Vereins aufgenommen haben, dem Verein aufgebürdet haben. Dadurch wurde aus dem reichsten ein hochverschuldeter Club. Sicherlich spielt die Mannschaft immer noch hervorragenden und erfolgreichen Fussball, aber die Übernahme durch die Glazers hat den Verein massiv geschadet.

Glazers dem Verein geschadet? Chelsea nicht profitiert?

Inwiefern hat es dem Verein geschadet? Bitte begruenden Sie das doch einmal. Wer hat den Schaden genommen? 4 mal die Premier League gewonnen und 1 mal Champions League seit den Glazers. Und gekauft hat man den verein fuer £800m jetzt ist er 1.3 milliarden wert. Also verstehe ich nicht wenn man soche Saetze sagt ohne sie zu belegen.

Ja und?

Aber warum sie schlecht sind haben Sie doch auch nicht beantwortet. Vorher erfolgreich, nachher erfolgreich.
Das ist genau was ich sage. Es ist irrelevant wer den Verein besitzt. Sondern wie er gefuehrt wird. Und wenn er gut gefuehrt wird und zusaetzlich noch Mittel von Investoren hat kann der Verein einiges auf die Beine stellen. Siehe Man City oder Chelsea. Wo ist denn der Schaden? Die Fans haben keine gesehen. Dass die Glazers angegiftet werden...ist ja klar...die verdienen sich eine Goldene Nase aund die Fans zahlen. Aber so ist das doch mit jedem Produkt. Firma baut etwas, Kunde kauft es und ist gluecklich. Der Besitzer profitiert. So wie die vorherigen Besitzer von Glazers kauf profitiert haben. Fussball ist Geschaeft. Nur darum geht es. Wer denkt dass es anders ist muss bei den Amateuren am Sonntag zuschauen.

Schaden

Wie können Sie nicht den Schaden erkennen?
Erstmal ist da die enorme Verschuldung, verursacht durch die Glazers.
Die Fans haben keinen Schaden gesehen? Was sagen sie dann zu den steigenden Ticketpreisen? Ist das kein Schaden für die Anhänger?
Natürlich ist Fussball ein Geschäft, aber ich kann gerne drauf verzichten, dass Investoren ein Verein aufkaufen und nur Profit machen wollen. Wo es denen gar nicht um Fussball geht. Der Scheich von ManCity war ca. 2 mal im Stadion. Wow er muss ja richtig begeistert sein vom Fussball.
Fussball war ist und soll Volkssport bleiben. Ein Volkssport der bezahlbar ist für jedermann. Bei ManU kosten die Karten ab 40 Euro. Ist das noch bezahlbar? Durch die Investoren übernahme und die Verschuldung steigen die Ticketpreise. Daraus resultiert das sich viele den Gang zum Stadion nicht mehr leisten können und nur die erhabene Oberschicht sich ein Spiel anschaut. Fussball wird zu einem Event. Die Stimmung ist verloren. Ist das Fussball wie wir ihn wollen?
Schauen Sie sich 18,99 € Hoppenheim an? Ok, die Ticketpreise sind dort normal. Aber die Atmosphäre? Das hat nix mehr mit Fussball und Leidenschaft zu tun. Das sind alles nur Eventfans die vllt bei einem Tor klatschen.

...Ihnen gefällt es also...

...das am Ende die Mannschaft Meister wird, die den besten Sponsor hat? Das das Geld entscheidet wer auf dem Platz gewinnt? Wollen wir also eine spanische Liga, in der immer die gleichen Verein oben stehen? Eine Liga in der wir vor der Saison sagen wer am Ende Meister wird? Spannende Geschicht, aber was hat das ganze noch mit Sport zu tun? Wo ist hier die Leistung?
Das kann nicht Ihr Ernst sein. Schön das Sie den Fussball der Spitzenteams mögen, aber zauberhaft spielen ist nicht alles, irgendwann hat man diesen Anblick auch satt. Viel schöner finde ich es wenn "kleine" Teams aufeinmal mitmischen und neue unbekannte Stars geboren werden. Vielleicht sollten Sie mit Aktien handeln, den Begriff Sport haben Sie wohl nicht verstanden.

InvestorenVereine

Falls Investoren die Vereine übernehemen sollten, wird sicherlich mancher Verein von der Bildfläche verschwinden. Natürlich erst dann wenn sich der Investor verabschiedet. Die nötigen Fans wird es wohl nicht mehr geben um den Verein aufzufangen. In der Zukunft könnte es dazu kommen das es keine Fußballvereine mehr gibt sondern Fussball-GmbHs.