Schachboxen"Einmal hatten wir Blut auf dem Schachbrett"

Schachboxerfinder Iepe Rubingh erzählt im Interview, warum er Schach und Boxen als Einheit sieht und weshalb Garri Kasparow keine Chance gegen Wladimir Klitschko hätte. von 

Nils "The Berlin Bull" Becker gegen Nick "The Showstopper Cornish" beim Schachboxduell

Nils "The Berlin Bull" Becker gegen Nick "The Showstopper Cornish" beim Schachboxduell  |  © WCBO

ZEIT ONLINE:Herr Rubingh, Sie sind Gründerdes Weltschachboxverbandesund Vorstand desBerliner Schachboxvereins.Was ist Schachboxen eigentlich?

Iepe Rubingh: Davon abgesehen, dass es Boxen und Schach kombiniert, ist es eine der anspruchsvollsten Kampfsportarten überhaupt.

ZEIT ONLINE:Weshalb?

Rubingh: Weil es dir alles abverlangt. Du musst höllisch aufpassen und zwar in beiden Disziplinen. Wenn du einen Fehler machst, liegst du entweder auf dem Boden oder verlierst eine Figur. Schachspielen ist nicht leicht, wenn das Adrenalin ins Blut schießt. Das Blut fließt in die Muskeln und nicht ins Gehirn. Der Puls rast, man wird schnell übermütig und muss die Aggressivität kontrollieren. Eine Grundregel ist, sich selbst zu beherrschen, bevor es der Gegner tut.  

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Entstehung

Der Niederländer Iepe Rubingh organisierte 2003 den ersten Schachboxschaukampf in Berlin. Rubingh, eigentlich Perfomance-Künstler, meinte es aber Ernst. Schachboxen sah und sieht er nicht als Kunstform, sondern als richtige Sportart.

2003 gründete Rubingh den Weltschachboxverband (WCBO) und den Berliner Schachbox-Verein (CBCB). Zwischen 2003 und 2011 fanden Welt- und Europameisterschaften sowie Schauwettkämpfe in drei Gewichtsklassen statt. Außer in Berlin haben sich Schachboxvereine in London, Los Angeles und Krasnoyarsk (Russland) herausgebildet.

Im November 2011 findet die Europameisterschaft im Schachboxen in Berlin statt.

Regeln

Beim Schachboxen treten zwei Kontrahenten abwechselnd im Schach und im Boxen gegeneinander an.

Los geht es mit einer Schachrunde, dann folgt eine Boxrunde und so weiter. Ein Schachboxkampf geht über maximal elf Runden, sechs Runden Schach und fünf Runden Boxen. Eine Runde Schach dauert vier Minuten, eine Runde Boxen drei Minuten.

Ein Schachboxkampf endet durch Schachmatt, K.O., Ablauf der Bedenkzeit im Schach, Disqualifikation oder Aufgabe durch den Kämpfer oder seinen Betreuer.

Fällt in einer der beiden Disziplinen eine Entscheidung, ist der Kampf sofort vorbei. Bei einer Pattsituation entscheidet die Punktwertung im Boxen. Endet dieser Vergleich auch ohne Sieger, gewinnt der Kämpfer mit den schwarzen Schachfiguren.

ZEIT ONLINE: Boxer benutzen ihre Fäuste, Schachspieler ihren Kopf. Gegensätzlicher können Sportarten kaum sein, weshalb passen sie trotzdem zusammen?

Rubingh: Sowohl im Ring als auch am Brett geht es um das direkte Duell. Mit den Bauern baust du deinen Angriff auf, das ist wie abtasten mit dem Jab, der schwächeren Schlaghand. Mit dem Jab misst du die Distanz zum Gegner, versuchst ihn zu verunsichern. Dann setzt du einen Aufwärtshaken oder eine Kombination, wie beim Schach, wenn du ein taktisches Manöver fährst. Die Türme entsprechen den Geraden, die Springer den Seitwärtshaken. Je länger man den Sport betreibt, desto deutlicher werden die Analogien. Trotzdem sind Schach und Boxen extrem unterschiedlich. Der Reiz ist, den Denksport und den Kampfsport Nummer eins zusammenzuführen.

ZEIT ONLINE:Wie trainiert man Schachboxen?

Rubingh: Manchmal stellen wir die Schachbretter im Park auf einen Hügel, die Spieler sprinten hoch und dann geht’s los. Daneben unterrichten wir Theorie und machen Boxtraining auf Sparringsniveau.  

Leserkommentare
  1. Entweder ist die Regel schlecht erklärt oder die Behauptung falsch. In einem vier Minuten-Spiel würde ich auf Kasparow setzen.

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    da ja klitschko nachdenken dürfte und das nicht als spielverzögerung gesehen werden könnte! und wenn man ein wenig schachspielen kann braucht auch kasparov bis man matt ist zwischen 25 und 35 züge.....

    es sind nicht vier Minuten, sondern 12 Minuten für jeden Spieler.
    Eine Schachrunde geht lediglich über vier Minuten.
    Auch wenn ich Kasparov den Sieg gönnen würde, weil die Klitschkos einfach mal verlieren müssen, wird er es nicht schaffen ihn matt zu setzen.

  2. Super Interview, da hat er auf jeden Fall recht, dass in beiden Sportarten das direkt Duell die Spannung ausmacht. Auch wenn es im Schach weniger sichtbar ist, es läuft ein "Krieg" zwischen den Spielern ab ;) Ich habe mich jetzt auch bei einem Schach-Boxen-Verein angemeldet [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf das Einstellen von Werbung und beachten Sie die Netiquette. Danke. Die Redaktion/vn

  3. und seit ich in Berlin dabei war, bin ich begeistert. Super Sache und nichts für Einfach-nur-drauf-hauen-Leute.

  4. da ja klitschko nachdenken dürfte und das nicht als spielverzögerung gesehen werden könnte! und wenn man ein wenig schachspielen kann braucht auch kasparov bis man matt ist zwischen 25 und 35 züge.....

  5. Dachte mir doch schon immer, dass das ein Mißverständnis sein muss, dass Schach ne Sportart ist. Sport braucht Körpereinsatz- und beherrschung auf außeralltäglichem Niveau, sonst ist Mülleimer-Transportieren oder Kopfrechnen auch ne Sportart. Wer weiß, ob nicht Schach noch irgendwann olympisch wird dank des Boxens.

  6. es sind nicht vier Minuten, sondern 12 Minuten für jeden Spieler.
    Eine Schachrunde geht lediglich über vier Minuten.
    Auch wenn ich Kasparov den Sieg gönnen würde, weil die Klitschkos einfach mal verlieren müssen, wird er es nicht schaffen ihn matt zu setzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da beide Klitschko-Brüder angeblich Schach spielen können wären sie nach diesen Regeln sichere Sieger.

  7. Da beide Klitschko-Brüder angeblich Schach spielen können wären sie nach diesen Regeln sichere Sieger.

  8. Wer beschädigt freiwillig ein Werkzeug, das er gebrauchen will? Von dieser Art des Sports profitiert nur das Boxen, das hoffähig gemacht wird. Schach wird als geistige Tätigkeit eher beschädigt.

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