ZEIT ONLINE:Herr Rubingh, Sie sind Gründerdes Weltschachboxverbandesund Vorstand desBerliner Schachboxvereins.Was ist Schachboxen eigentlich?

Iepe Rubingh: Davon abgesehen, dass es Boxen und Schach kombiniert, ist es eine der anspruchsvollsten Kampfsportarten überhaupt.

ZEIT ONLINE:Weshalb?

Rubingh: Weil es dir alles abverlangt. Du musst höllisch aufpassen und zwar in beiden Disziplinen. Wenn du einen Fehler machst, liegst du entweder auf dem Boden oder verlierst eine Figur. Schachspielen ist nicht leicht, wenn das Adrenalin ins Blut schießt. Das Blut fließt in die Muskeln und nicht ins Gehirn. Der Puls rast, man wird schnell übermütig und muss die Aggressivität kontrollieren. Eine Grundregel ist, sich selbst zu beherrschen, bevor es der Gegner tut.  

ZEIT ONLINE: Boxer benutzen ihre Fäuste, Schachspieler ihren Kopf. Gegensätzlicher können Sportarten kaum sein, weshalb passen sie trotzdem zusammen?

Rubingh: Sowohl im Ring als auch am Brett geht es um das direkte Duell. Mit den Bauern baust du deinen Angriff auf, das ist wie abtasten mit dem Jab, der schwächeren Schlaghand. Mit dem Jab misst du die Distanz zum Gegner, versuchst ihn zu verunsichern. Dann setzt du einen Aufwärtshaken oder eine Kombination, wie beim Schach, wenn du ein taktisches Manöver fährst. Die Türme entsprechen den Geraden, die Springer den Seitwärtshaken. Je länger man den Sport betreibt, desto deutlicher werden die Analogien. Trotzdem sind Schach und Boxen extrem unterschiedlich. Der Reiz ist, den Denksport und den Kampfsport Nummer eins zusammenzuführen.

ZEIT ONLINE:Wie trainiert man Schachboxen?

Rubingh: Manchmal stellen wir die Schachbretter im Park auf einen Hügel, die Spieler sprinten hoch und dann geht’s los. Daneben unterrichten wir Theorie und machen Boxtraining auf Sparringsniveau.