Mit einer revolutionären Idee sorgte der Verbandsligist Fortuna Köln vor drei Jahren für Furore. Es ging um die Vision von einem neuen, basisdemokratischen Fußball. Bei deinfussballclub.de (DFC) sollten die Fans die Geschicke der Fortuna bestimmen und ihren Verein in einer Internetcommunity managen. Die Medien feierten das Projekt als "Cyber-Märchen", schrieben euphorisch über klickende Co-Trainer, Schwarmintelligenz und – natürlich – Fußball 2.0.

Inzwischen ist die Weisheit der Massen Geschichte. Im Januar 2012 wird deinfussballclub.de eingestellt. "Das ist keine schöne, aber die vernünftigste Entscheidung, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Dirk Daniel Stoeveken, Initiator von deinfussballclub.de und Geschäftsführer der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH.

Ironischerweise werden die Fans, die den kommerzialisierten Kick zurückerobern wollten, ausgerechnet von einem millionenschweren Investor ausgebootet. Wie es dazu kam, ist eine lehrreiche Geschichte über das Geschäft mit dem Fußball.

Schon der Start von deinfussballclub.de verläuft holprig. Als der Schirmherr Sönke Wortmann das Projekt im Frühjahr 2008 vorstellt, soll es zunächst kostenlos sein und erst ab 30.000 Mitgliedern beitragspflichtig werden. Im Januar 2009 legt deinfussballclub.de mit nur rund 10.000 Nutzern vorzeitig los – weil die Fortuna das Geld braucht, um die Saison zu Ende zu bringen. 39,95 Euro kostet die Nutzung.

Zoff und Zwist sind fortan ständige Begleiter. Die Fans beklagen sich über subjektiv formulierte Fragen bei Abstimmungen, über nicht umgesetzte Fan-Beschlüsse und fehlende Transparenz. Als die Fans den damaligen Trainer Matthias Mink entlassen wollen, tut DFC alles, um eine Abstimmung über Mink zu verhindern.

Die Mächte und Mechanismen des Fußballgeschäfts können die basisdemokratischen Revolutionäre nie überwinden. Mit den Fan-Zahlungen allein lässt sich der sportliche Fortschritt nicht finanzieren. Den sonstigen Financiers sind Transparenz und Mitbestimmung suspekt. Sponsoren schätzen Verschwiegenheit zu Vertragsdetails. Im DFC-Forum dagegen wird gerade über die Offenlegung von Finanzzahlen immer wieder heftig gestritten.

Sascha Maurer ist DFC-Mitglied der ersten Stunde, Mitgliedsnummer 48. Er sagt: "Überall da, wo es wirklich interessant ist, hatten die Fans von Anfang an kein Mitspracherecht." "Sobald es um ernste wirtschaftliche Entscheidungen ging, hat DFC mit allen Mitteln versucht, die Fans da rauszuhalten", sagt der Fortuna-Fan Rainer Lingmann.

Als die Fortuna zwei Spieler suspendiert, pochen die Fans darauf, alle Hintergründe zu erfahren und selbst über die Suspendierung zu entscheiden. DFC lehnt ab. "Suspendierungsgründe können Sie nicht öffentlich nennen, ohne jemanden zu beschädigen", sagt Stoeveken. Auch Verhandlungen mit Spielern werden erschwert. Fortunas Präsident Klaus Ulonska sagt: "Ein guter Spieler, der wechseln will, ist nicht gewillt, über sich abstimmen zu lassen."

"Abstimmen durften wir nur über Belanglosigkeiten", sagt Maurer, "ansonsten gab es höchstens Scheinabstimmungen, bei denen die Verantwortlichen vorher schon alles klar gemacht hatten." Damit meint er besonders die Transfers, den einzigen Kernbereich, in dem die Mitglieder gefragt wurden. "Wir hatten nie die Auswahl zwischen mehreren Spielern", sagt Maurer, "es wurden immer nur die Spieler genannt, mit denen die Fortuna sich einig war, und dann durften wir das Ganze abnicken." Stattdessen durften die Fans über den Text auf dem Fan-Schal, über die Vereinshymne oder das Maskottchen entscheiden.