Ladies Night in Istanbul © AFP/Getty Images

Die Spieler von Manisaspor wunderten sich. Wenn sie in den vergangenen Jahren das Şükrü Saracoğlu Stadion von Fenerbahçe Istanbul betraten, wurden sie stets ausgepfiffen, beschimpft, angefeindet. Wie jede Gästemannschaft. So etwas gehört eigentlich dazu, im türkischen Erstliga-Fußball.

Am Dienstagabend aber wurden die Gäste mit Applaus begrüßt. Vor dem Spiel warfen sie zusammen mit den Gastgebern Blumensträuße auf die Tribünen . "Wir konnten es erst gar nicht glauben", sagte Manisaspors Mittelfeldspieler Ömer Aysan nach dem Spiel. "Es war so eine lustige und angenehme Atmosphäre."

Auf den Rängen, wo sonst testosterongeladene türkische Fußballfans stehen, saßen diesmal nur Frauen und Kinder. Männliche Fans mussten draußen bleiben, so hatte es der türkische Fußballverband entschieden.

Der türkische Fußball steckt augenblicklich in der Krise. In den vergangenen Wochen wurden 30 Spieler und Funktionäre verhaftet. Sie sollen Spiele manipuliert haben. Fenerbahçe steht im Mittelpunkt dieser Ermittlungen, der Klubchef Aziz Yıldırım sitzt im Gefängnis .

Zudem haben die türkischen Erstligavereine Probleme mit ihren Fans. Weil sich ihre meist männlichen Anhänger nicht benehmen können, müssen die Clubs ihre Heimspiele zur Strafe regelmäßig vor leeren Rängen austragen. Im Juli stürmten Fenerbahçe-Hooligans nach einem Testspiel gegen den ukrainischen Meister Schachtjor Donezk das Spielfeld. Sie attackierten unter anderem Journalisten, denen sie vorwarfen, zu kritisch aber den Wettskandal berichtet zu haben.

Auf diesen Zwischenfall reagierte der Verband zunächst wie üblich und bestrafte Fenerbahçe mit zwei sogenannten Geisterspielen, Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit also. Dann aber kam den Verantwortlichen eine Idee: Weil Spiele vor leeren Rängen doch sehr trist wirken, sollten nur die männlichen Fans draußen bleiben. Frauen und Kinder dagegen durften kostenlos ins Stadion.

Etwas skeptisch ließ Fenerbahçe 10.000 Tickets drucken. Als viele Frauen bereits am Vormittag des Spieltages in langen Schlangen vor den Tageskassen standen, mussten hektisch Zehntausende Tickets nachgedruckt werden. Am Ende waren 41.663 Frauen und Kinder im Stadion.

"Diesen Tag werde ich nie vergessen", sagt Fenerbahçes Kapitän, der Brasilianer Alex de Sousa. Yasemin Mercil, weibliches Vorstandsmitglied von Fenerbahçe spricht von einem "historischen Tag". Einige Frauen brachten ihre Babys samt Fenerbahçe-Strampelanzug mit ins Rund. Alle sangen mit, auch wenn es höher klang als gewöhnlich.

Türkischen Medienberichten zufolge soll mindestens ein Mann aufgeflogen sein. Er hatte versucht, sich in Frauenkleidern ins Stadion zu schmuggeln.