Muskelkater Warum es sich zu leiden lohnt
Seite 2/2:

"Proteinshakes bringen nichts"

ZEIT ONLINE: Was sollte man bei Muskelkater machen: Weitertrainieren oder pausieren?

Klose: Das wird kontrovers diskutiert. Bei einem Muskelkater wird die betroffene Region mehrfach durchblutet. Das heißt: Der Muskel ist bestmöglich vom Körper versorgt. Man muss also nicht zusätzlich trainieren. Man kann aber. Die Leute fühlen sich dadurch besser, weil sich die Schmerzen nach dem Training nicht mehr so stark anfühlen. Die Reparatur des Muskels verläuft jedoch ungeachtet vom eigenen Wohlbefinden. Meine Empfehlung: Moderat trainieren, Fahrrad fahren. Wer mit gleich hoher Intensität weitertrainiert, riskiert eine stärkere Verletzung, beispielsweise einen Muskelfaserriss.

ZEIT ONLINE: Was passiert dabei?

Klose: Ein Muskelfaserriss ist ein viel größerer Schaden. Es reißen wirklich die Muskelfasern durch. Bei der Reparatur vernarbt das Gewebe. Beim Muskelkater passiert das nicht.

ZEIT ONLINE: Es heißt, Dehnen vor dem Sport hilft. Stimmt das?

Klose: Das kann man so nicht mehr stehen lassen. Wir haben Gewebearten im Körper, die müssen auf Dehnung beansprucht werden. Da ist Dehnen sicherlich sinnvoll. Untersuchungen zeigen aber auch, dass Dehnen unmittelbar vor Schnellkraftbewegungen auch negative Konsequenzen haben kann. Man kann heute nicht mehr pauschal sagen, dass Dehnung vor dem Sport Verletzungen vorbeugt. In Bezug auf den Muskelkater ist Dehnung auch eher kontraproduktiv. Sinnvoll ist eine Dehnung der verletzten Muskulatur erst nach fünf bis sieben Tagen.

ZEIT ONLINE: Welchen Effekt – außer Schmerzen – haben Massagen bei Muskelkater?

Klose: Dort, wo der Muskelkater sitzt, sollte man sich nicht massieren lassen, weil der Körper bereits für eine optimale Durchblutung des Muskels sorgt. Häufig wird die Regeneration durch Massagen sogar noch behindert. Wenn man Schmerzen in den Beinen hat, macht aber durchaus eine Rückenmassage Sinn. Dort liegt das vegetative Nervensystem, das unter anderem für die Durchblutung der Muskulatur zuständig ist.

ZEIT ONLINE: Was spricht für einen Saunagang?

Klose: Das hat in etwa denselben Effekt wie ein moderater Ausdauerlauf: Es kommt zu einer Wärmeentwicklung. Das tut einfach gut. Dass sich die Reparatur im Muskel dadurch beschleunigt, ist allerdings nicht bewiesen.

ZEIT ONLINE: Es gibt viele Haushaltsmittel gegen den Kater einer durchzechten Nacht. Gibt es auch ein Geheimmittel, das bei Muskelkater hilft?

Klose: Ein Patentrezept gibt es nicht. Nahrungsergänzungsmittel oder Proteinshakes bringen nichts. Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, ist bestens abgesichert.

ZEIT ONLINE: Haben der Kater und der Muskelkater irgendetwas gemeinsam?

Klose: Beide tun weh. Der alkoholisierte Kater hält aber nicht zwei bis drei Wochen an, Gott sei Dank!

 
Leser-Kommentare
  1. "Es heißt, Dehnen vor dem Sport hilft."

    Immer lustig, zu sehen, wie Amateurläufer und andere Amateursportler gleich am Anfang Dehnübungen machen und glauben, sich damit etwas Gutes zu tun. Genau das Gegenteil iser Fall!
    Dehnübungen sind am sinnvollsten und ungefährlichsten am Ende der eigentlichen Trainingssession: Die Muskulatur ist dann warm, weil sie gut durchblutet ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... wenn die sich dehnenden und im Recht wähnenden Anfänger glauben, Läufern, die sich nicht dehnen, überlegen zu sein, und dies durch möchtegernschlaue Blicke zum Ausdruck bringen ;-)

    • this.
    • 28.09.2011 um 17:19 Uhr

    ..nach der Belastung verstärkt Dehnen die Mikrotraumata und somit den Muskelkater, was widerrum eine verlängerte Regenerationsphase benötigt.

    Wer Wert auf Progression legt, versucht die Trainingsfrequenz hoch zu halten, das geht aber nur bei kurzen Regenerationsphasen.

    "Immer lustig, zu sehen, wie Amateurläufer und andere Amateursportler gleich am Anfang Dehnübungen machen und glauben, sich damit etwas Gutes zu tun. Genau das Gegenteil iser Fall!"

    Ja woher kommt das denn? Aus dem "Schulsport"!

    Wer von Kindesbeinen an über Jahre vor dem Sport Dehnübungen machen musste, der kriegt das nur schwer wieder raus. Wobei die Kinder instinktiv wissen, dass das Quatsch ist und in der Regel nur halbherzig mitmachen, wenn der Lehrer guckt.

    Als erwachsene Menschen machen sie die Dehnübungen dann aber mit Ernsthaftigkeit, man ist ja "seriös" geworden.

    Sport ist mit Abstand das größte Gesundheitsrisiko im Leben. Bewegung muss nämlich nicht Belastung oder Schweiß bedeuten, dass ist dann immer das Extrem. Bewegung bedeutet viel zu Fuss, Treppen steigen, nicht lange sitzen, auch mal stehen.

    Wer den ganzen Tag im Büro sitzt, zum Bäcker mit dem Auto fährt und in die Wohnung mit dem Lift und sich dann dreimal die Woche "auspowert", landet in der Regel im Krankenhaus und darf sich auf die künstliche Hüfte freuen. Im Alter agile Menschen haben nie "Sport" im heutigen Sinne gemacht, sondern gingen lange spazieren, trugen ihre Einkäufe zu Fuss nach Hause und nutzten das Rad, ohne sich dabei abzuhetzen.

    Beim Arzt trifft man zu 80% Sportopfer, 15% Alte und 4% haben ein Viren- oder Bakterienproblem, 1% eine chronische Erkrankung.

    • Dakra
    • 08.10.2011 um 19:42 Uhr

    Ich weiss gar nicht, wie oft ich meinen Kameraden in der Fussballmannschaft versucht habe zu erklaeren, dass das eher schaedlich ist als etwas zu nutzen. Leider vergebens... :(. Verstehen muss man das aber nicht.

    ...dehnen ist schädlich, dehnen bringt nichts..bla, bla bla.
    Ich bin seit über 35 Jahren Aktiver Sportler und seid langer Zeit zertifizierter Trainer (der sich stätig weiterbildet) aber diese Besserwisser machen mich wütend. Dehnen muss jeder individuell für sich selber entscheiden ob vor oder nach dem Sport.
    Wer sich gut fühlt, wenn er vor dem Sport dehnt, na der soll sich dehnen! Logisch ist es besser sich ersteinmal aufzuwärmen, bevor man sich "kalt" dehnt. Aber selbst "Fachleute" reden oftmals wie die Blinden von der Farbe, sie schicken alles Dehnen in das Reich der Fabeln und sagen, dass man weder vor, während oder nach dem Sport dehnen sollte...
    Wenn ich mich vor Wettkämpfen nicht gedehnt habe (kam einzweimal vor), zog ich mir Verletzungen zu, die nicht Sportartenbedingt waren. Hingegen, wenn ich mich nach etwas Aufwärmen gedehnt hatte, blieb ich verletzungsfrei!
    Aber das bilde ich mir wahrscheinlich nur ein oder es war einfach purer Zufall, Herr "Fachmann"
    P.S. ich absolvierte in meiner aktiven Laufbahn mehrer hundert Wettkämpfe und trainiere noch mit jüngeren Wettkämpfern auf gleichem Niveau, übrigens nach Aufwärmen, Dehnen und Verletzungsfrei!

    ... wenn die sich dehnenden und im Recht wähnenden Anfänger glauben, Läufern, die sich nicht dehnen, überlegen zu sein, und dies durch möchtegernschlaue Blicke zum Ausdruck bringen ;-)

    • this.
    • 28.09.2011 um 17:19 Uhr

    ..nach der Belastung verstärkt Dehnen die Mikrotraumata und somit den Muskelkater, was widerrum eine verlängerte Regenerationsphase benötigt.

    Wer Wert auf Progression legt, versucht die Trainingsfrequenz hoch zu halten, das geht aber nur bei kurzen Regenerationsphasen.

    "Immer lustig, zu sehen, wie Amateurläufer und andere Amateursportler gleich am Anfang Dehnübungen machen und glauben, sich damit etwas Gutes zu tun. Genau das Gegenteil iser Fall!"

    Ja woher kommt das denn? Aus dem "Schulsport"!

    Wer von Kindesbeinen an über Jahre vor dem Sport Dehnübungen machen musste, der kriegt das nur schwer wieder raus. Wobei die Kinder instinktiv wissen, dass das Quatsch ist und in der Regel nur halbherzig mitmachen, wenn der Lehrer guckt.

    Als erwachsene Menschen machen sie die Dehnübungen dann aber mit Ernsthaftigkeit, man ist ja "seriös" geworden.

    Sport ist mit Abstand das größte Gesundheitsrisiko im Leben. Bewegung muss nämlich nicht Belastung oder Schweiß bedeuten, dass ist dann immer das Extrem. Bewegung bedeutet viel zu Fuss, Treppen steigen, nicht lange sitzen, auch mal stehen.

    Wer den ganzen Tag im Büro sitzt, zum Bäcker mit dem Auto fährt und in die Wohnung mit dem Lift und sich dann dreimal die Woche "auspowert", landet in der Regel im Krankenhaus und darf sich auf die künstliche Hüfte freuen. Im Alter agile Menschen haben nie "Sport" im heutigen Sinne gemacht, sondern gingen lange spazieren, trugen ihre Einkäufe zu Fuss nach Hause und nutzten das Rad, ohne sich dabei abzuhetzen.

    Beim Arzt trifft man zu 80% Sportopfer, 15% Alte und 4% haben ein Viren- oder Bakterienproblem, 1% eine chronische Erkrankung.

    • Dakra
    • 08.10.2011 um 19:42 Uhr

    Ich weiss gar nicht, wie oft ich meinen Kameraden in der Fussballmannschaft versucht habe zu erklaeren, dass das eher schaedlich ist als etwas zu nutzen. Leider vergebens... :(. Verstehen muss man das aber nicht.

    ...dehnen ist schädlich, dehnen bringt nichts..bla, bla bla.
    Ich bin seit über 35 Jahren Aktiver Sportler und seid langer Zeit zertifizierter Trainer (der sich stätig weiterbildet) aber diese Besserwisser machen mich wütend. Dehnen muss jeder individuell für sich selber entscheiden ob vor oder nach dem Sport.
    Wer sich gut fühlt, wenn er vor dem Sport dehnt, na der soll sich dehnen! Logisch ist es besser sich ersteinmal aufzuwärmen, bevor man sich "kalt" dehnt. Aber selbst "Fachleute" reden oftmals wie die Blinden von der Farbe, sie schicken alles Dehnen in das Reich der Fabeln und sagen, dass man weder vor, während oder nach dem Sport dehnen sollte...
    Wenn ich mich vor Wettkämpfen nicht gedehnt habe (kam einzweimal vor), zog ich mir Verletzungen zu, die nicht Sportartenbedingt waren. Hingegen, wenn ich mich nach etwas Aufwärmen gedehnt hatte, blieb ich verletzungsfrei!
    Aber das bilde ich mir wahrscheinlich nur ein oder es war einfach purer Zufall, Herr "Fachmann"
    P.S. ich absolvierte in meiner aktiven Laufbahn mehrer hundert Wettkämpfe und trainiere noch mit jüngeren Wettkämpfern auf gleichem Niveau, übrigens nach Aufwärmen, Dehnen und Verletzungsfrei!

  2. Nach einer umfangreichen Erwärmung sollte man meines Erachtens doch dehnen, genauso wie nach dem Training. Schließlich werden beim Dehnen nicht nur Muskeln, sondern auch Sehnen gedehnt. Jede Bewegung ist ein Zusammenspiel von beidem und die Dehnung vorher hilft das Risiko an Sportverletzungen zu minimieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • this.
    • 28.09.2011 um 17:28 Uhr

    wird da nicht wirklich etwas "gedehnt", lediglich dem ZNS Spannungszustände signalisiert sodass die Spannungstoleranz zunimmt.

    • this.
    • 28.09.2011 um 17:28 Uhr

    wird da nicht wirklich etwas "gedehnt", lediglich dem ZNS Spannungszustände signalisiert sodass die Spannungstoleranz zunimmt.

  3. "Er dürfte seine Muskeln ausreichend trainiert haben, um gegen den Muskelkater sicher zu sein:"

    Die Aussage ist definitiv nicht korrekt.

  4. ... wenn die sich dehnenden und im Recht wähnenden Anfänger glauben, Läufern, die sich nicht dehnen, überlegen zu sein, und dies durch möchtegernschlaue Blicke zum Ausdruck bringen ;-)

    Antwort auf "Niemals kalt dehnen"
    • gquell
    • 28.09.2011 um 17:00 Uhr

    Gerade das Foto zeigt ein Paradebeispiel. Oft ist es nämlich so, daß durch Kraftraining Muskeln verkürzt werden, da sie nur in einem begrenzten Bewegungsbereich trainiert werden. Wer z.B. ständig nur Viertelkniebeugen macht, mit möglichst hohem Gewicht zur Egobefriedigung, der verkürzt seine Beinmuskulatur. Daher sollte nach jedem Krafttraining umfassend gedehnt werden.
    Ich habe immer eine Form des PNF-Dehnens (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) benutzt, bei der man in die Dehnung geht, den gedehnten Muskel bewußt anspannt, dann bewußt entspannt und ein kleines Stückchen weiter dehnt.

    Ich habe immer so trainiert, daß ich einen Muskelkater hatte. Dann konnte sich der Muskel erholen, was bei mir je nach Muskelgruppe ca. eine Woche bis 10 Tage dauerte. Danach habe ich die Belastung erhöht.
    Mein übliches Training bestand aus einem Aufwärmsatz und einem Trainingssatz bis zum Versagen. Dann wurde das Gewicht noch einige Male etwas reduziert und wieder weitergemacht bis zum Versagen. Zum Beispiel hatte ich einmal Seitheben mit den Kurzhanteln gemacht. Angefangen hatte ich mit 17,5kg und bin dann bis auf 1kg runtergegangen - immer bis zum momentanen Versagen. Es sieht witzig aus, wenn man eine 1kg-Hantel nicht mehr seitlich hoch bekommt. Nach so einem Satz kann man sich noch nicht einmal mehr die Nase putzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • this.
    • 28.09.2011 um 17:26 Uhr

    Lediglich die Spannungstoleranz nimmt ab

    • this.
    • 28.09.2011 um 17:26 Uhr

    Lediglich die Spannungstoleranz nimmt ab

  5. Freier Autor

    Liebe/r hutchence83,

    Sie schrieben uns, dass man die Bildunterschrift so nicht stehen lassen könne. Verraten Sie uns den Fehler, damit wir die BU ändern können. Ist es auch einem Maximaltrainierten möglich, Muskelkater zu bekommen?

    Vielen Dank für Ihren Beitrag!
    Steffen Trumpf

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Tobi7
    • 09.10.2011 um 23:43 Uhr

    Meine intuitive Vermutung wäre, dass bei dem, der viele Muskeln hat, auch viel abgebaut wird/werden kann. Da beim Training nicht immer alle Muskelpartien gleichmäßig trainiert werden, bekommt man in den Regionen, die man mal (kurzfristig) vernachlässigt hat, beim erneuten Trainieren dieser Bereiche Muskelkater - auch wenn man insgesamt sehr muskolös ist. Und dass manche viel Trainierende Muskelkater bekommen, könnte einerseits daran liegen, dass diese vielleicht etwas unregelmäßiger die Muskelregionen trainieren, andererseits auch an individuellen physiologischen Unterschieden.
    Was sagt der Experte dazu, Herr Klose?

    • Tobi7
    • 09.10.2011 um 23:43 Uhr

    Meine intuitive Vermutung wäre, dass bei dem, der viele Muskeln hat, auch viel abgebaut wird/werden kann. Da beim Training nicht immer alle Muskelpartien gleichmäßig trainiert werden, bekommt man in den Regionen, die man mal (kurzfristig) vernachlässigt hat, beim erneuten Trainieren dieser Bereiche Muskelkater - auch wenn man insgesamt sehr muskolös ist. Und dass manche viel Trainierende Muskelkater bekommen, könnte einerseits daran liegen, dass diese vielleicht etwas unregelmäßiger die Muskelregionen trainieren, andererseits auch an individuellen physiologischen Unterschieden.
    Was sagt der Experte dazu, Herr Klose?

    • this.
    • 28.09.2011 um 17:19 Uhr

    ..nach der Belastung verstärkt Dehnen die Mikrotraumata und somit den Muskelkater, was widerrum eine verlängerte Regenerationsphase benötigt.

    Wer Wert auf Progression legt, versucht die Trainingsfrequenz hoch zu halten, das geht aber nur bei kurzen Regenerationsphasen.

    Antwort auf "Niemals kalt dehnen"
    • this.
    • 28.09.2011 um 17:26 Uhr

    Lediglich die Spannungstoleranz nimmt ab

    Antwort auf "Dehnen nicht vergessen"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service