Katja Kraus © Martin Rose/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE : Frau Kraus, Sie waren acht Jahre lang im Vorstand des HSV, seit einem halben Jahr nicht mehr. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Katja Kraus : Es gab unterschiedliche Phasen. Die Auseinandersetzung mit meiner Aufgabe und dem vorhandenen Gestaltungsspielraum hatte mich schon seit längerer Zeit umtrieben. Als der Abschied konkret wurde, war der Prozess dennoch schmerzlich. Inzwischen genieße ich die Freiheit und die Abwesenheit von Druck sehr. Diese Situation gibt mir Gelegenheit, innezuhalten und noch mal ganz genau hinzuschauen, was mir gerade entspricht. Dazu ließ die Dynamik des Alltags wenig Raum, noch dazu in einem so rasanten Umfeld wie der Fußballbranche. Es ist sicher eine Kunst, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören. Das Dilemma ist: Am richtigen Zeitpunkt gibt es oft keinen Grund dazu.

ZEIT ONLINE : Was hat sich konkret verändert, lachen jetzt weniger Leute über Ihre Witze?

Kraus : Jetzt wird mir gerade bewusst, dass schon lange niemand mehr gelacht hat. Menschen reagieren auf Positionen und Status. Insbesondere als Repräsentant eines solchen Gutes wie Fußball, das beinahe jeden interessiert, öffnen sich alle Türen. Ich habe das immer als Reaktion auf die Funktion verstanden und mich nicht persönlich gemeint gefühlt. Umgekehrt habe ich versucht, in der Begegnung mit Menschen beides nicht voneinander zu trennen. Vielleicht hat sich auch deshalb nicht wirklich etwas verändert.

ZEIT ONLINE : Prüfen Sie manchmal, ob das Telefon kaputt ist, weil es nicht ununterbrochen klingelt?

Kraus : Das ging tatsächlich leichter als ich dachte. Ständig erreichbar zu sein, war eine Anforderung meiner Aufgabe, vielleicht auch einfach mein Anspruch. Ich lasse jetzt das Telefon ganze Tage lang zu Hause.

ZEIT ONLINE : Kommunikation ist ein Mittel, Macht abzusichern.

Kraus : Es ist eines der Mittel. Allerdings bin ich überzeugt davon, dass sich Macht auf Dauer nicht konstruieren lässt. Es gibt viele Instrumente, Macht zu gewinnen. Sie künstlich zu erhalten, ist sehr schwer – insbesondere in sehr öffentlichen Umfeldern und durch die stetig zunehmenden Kommunikationsplattformen.

ZEIT ONLINE : Gibt es eine weibliche Form der Machtausübung?