ZEIT ONLINE: Herr Geyer, Arjen Robben fehlt der niederländischen Nationalmannschaft dieser Tage wegen einer Schambeinentzündung. Für den FC Bayern soll der Stürmer am Wochenende aber schon wieder auflaufen. Bayerns Trainer Jupp Heynckes sagt, es geht "in erster Linie um die Gesundheit des Spielers". Stimmt das?

Hans Geyer: Die Vereine versuchen, einen kranken Spieler möglichst schnell wieder an die normale Leistungsfähigkeit heranzuführen – zum Beispiel durch Regenerations- und Rehabilitationsmaßnahmen, gute medizinische Betreuung, Physiotherapie und optimale Ernährung. Ich glaube, dass Trainer und Teamärzte nur selten in Kauf nehmen, dass ein Spieler trotz Verletzung spielt. Denn dann müssen sie damit rechnen, dass er im nächsten Spiel ausfällt.

ZEIT ONLINE: Profifußballer unterdrücken Schmerzen häufig durch Schmerzmittel, um spielen zu können. In welchem Umfang werden diese eingesetzt?

Geyer: Etwa 30 Prozent der Profifußballer nehmen im Wettkampf Schmerzmittel, rund 20 Prozent auch im Training. Sie nehmen diese Mittel, weil sie durch die hohen Belastungen permanent Schmerzen haben und ihre volle Leistung gar nicht mehr ohne abrufen könnten. Eine Fifa-Studie zu den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 ergab, dass die Hälfte der Spieler mindestens einmal im Turnier Schmerzmittel konsumiert hat. Jeder zehnte sogar vor jedem Spiel. Meistens handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Diclofenac.

ZEIT ONLINE: Wer verschreibt den Spielern diese Mittel?

Geyer: Ob die Spieler diese Mittel von sich aus nehmen, oder ob sie ihnen vom Teamarzt verschrieben werden, wissen wir nicht. Häufig handelt es sich aber wohl um sogenannte Gefälligkeitsrezepte. Das heißt, Ärzte verschreiben diese Schmerzmittel immer wieder, obwohl eigentlich davon abgeraten wird, sie über einen längeren Zeitraum einzunehmen.

ZEIT ONLINE: Welche Folgen kann ein solcher Schmerzmittel-Konsum haben?

Geyer: Der Spieler unterdrückt mit dem Schmerz einen natürlichen Schutzmechanismus. Schmerzen haben ja einen Sinn. Sie zeigen an, wenn ein Sportler bestimmte Bewegungen nicht mehr ausführen kann, da er seinen Körper sonst dauerhaft schädigt. Wer Schmerzen unterdrückt, riskiert also irreversible Schäden. Außerdem haben Schmerzmittel wie alle Medikamente auch Nebenwirkungen, zum Beispiel Magen- und Darmbeschwerden. Trotzdem nehmen manche Fußballer Schmerzmittel sogar prophylaktisch.