Hannover 96 Respekt für Markus Millers Erschöpfungsbekenntnis
Wegen mentaler Erschöpfung hat sich Hannovers Ersatztorhüter Markus Miller in eine Klinik begeben. Sein Verein und die Robert-Enke-Stiftung zollen ihm Anerkennung.
© Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Markus Miller im Trikot des Karlsruher SC im Jahr 2009
Wieder ein Torhüter? Wieder Depressionen? Als Martin Kind am Montag die Öffentlichkeit informierte, dass sein Verein auf unbestimmte Zeit auf den Ersatztorhüter Markus Miller verzichten muss, versuchte er, der schlechten Nachricht etwas Positives abzugewinnen. "Der Schritt ist ein großes Zeichen von Mut. Markus Miller hat in einem Club, der ein furchtbares Erlebnis mit einem persönlichen Schicksal durchgemacht hat, bewusst den Gang an die Öffentlichkeit gewählt und klare Fakten geschaffen", sagte der Präsident von Hannover 96. "Sein Entschluss verdient allerhöchsten Respekt."
Fast zwei Jahre nach dem Suizid des unter Depressionen leidenden Torhüters Robert Enke musste Kind erklären, dass Miller wegen mentaler Erschöpfung in stationärer Behandlung ist.
Die Praxis von Martin Braun, der in Gelsenkirchen als Psychologe, Arzt und Psychotherapeut arbeitet, ist zum Zufluchtsort für Miller geworden. Nach langem Schweigen hatte sich der 29-Jährige entschlossen, seinen Arbeitgeber und die Öffentlichkeit über seine Probleme zu informieren. "Seit meiner Profizeit als Torhüter arbeite ich mit Hochdruck daran, engagiert und immer mit vollem Einsatz meine Leistungen auszubauen, zu optimieren und auf höchstem Niveau zu halten. Seit einiger Zeit habe ich immer seltener das Gefühl, dass ich der Mannschaft wirklich helfe oder etwas Wesentliches bewirke", heißt es in einer Pressemitteilung des Clubs, in der Miller zitiert wird. Für weitere Rückfragen steht der Familienvater, der sich nach Rücksprache mit seiner Frau zu einer stationären Behandlung entschlossen hat, nicht zur Verfügung.
Wie gut es den Verantwortlichen von Hannover 96 gelingt, Miller, dessen Familie und die aktuellen Spieler vor Trubel zu bewahren, ließ sich gestern nur erahnen. Als Kind einen kleinen Kreis von Medienvertretern in einem Besprechungsraum neben dem Stadion informierte, hatten sich vor diesem bereits Kameraleute versammelt, um durch die Jalousien ein paar interessante Bilder zu erhaschen. Der Präsident bat die Medien um Zurückhaltung und sagte auch, er habe Robert Enkes Witwe über die Entwicklungen im Fall vorab informiert.
Die Enke-Stiftung würdigte Millers Umgang und teilte mit, "diesen Schritt mit aller Offenheit und Ehrlichkeit publik zu machen", verdiene "höchste Anerkennung".
In den Blick der Öffentlichkeit geriet auch Hannovers Trainer Mirko Slomka, der die angeblich ahnungslosen Spieler erst nach deren Übungseinheit am Nachmittag über den Gesundheitszustand von Miller informierte. Den auf Reisen befindlichen Nationalspielern erklärte der Coach per Handy, ihr Mitspieler stehe wegen mentaler Erschöpfung und eines beginnenden Burnouts erst einmal nicht mehr zur Verfügung.
"Wir stärken und schützen Markus Miller, weil er sich mit aller Offenheit seinen psychischen Schwierigkeiten stellt, die unverändert in unserer Gesellschaft als Tabuthema behandelt werden", sagte der Sportdirektor Jörg Schmadtke. "Oberste Priorität hat für uns alle, dass Markus Miller von seinen Ärzten erfolgreich behandelt werden kann." Von der Verpflichtung eines Ersatzmannes für den verhinderten Torwart sieht der Club vorerst ab.
Der Blick auf die wechselhaft verlaufene Karriere des Markus Miller lässt zumindest erahnen, dass auch die Unzufriedenheit sein ständiger Begleiter gewesen sein dürfte. 2007 hatte sich der Schlussmann im Trikot des Karlsruher SC das hintere Kreuzband gerissen, was ihm den Weg zu besseren Adressen des bezahlten Fußball vorerst verbaute. Mit seinem Wechsel zu Hannover 96 im Sommer 2010 sollte ein Weg der Besserung und Stabilisierung gelingen. Aber über den Status des Reservisten war Miller, der in der Jugend für den VfB Stuttgart spielte, im Kreis der potenziellen Nachfolger von Enke nie hinausgekommen.
Nach Florian Fromlowitz, der zunächst die neue Nummer eins im Tor der Niedersachsen war, hat sich gerade der 22 Jahre alte Ron-Robert Zieler durchgesetzt. Dass Miller unter seiner Rolle als Profi ohne realistische Chance auf einen Einsatz besonders zu leiden hatte, verweisen die Verantwortlichen von Hannover 96 in den Bereich von Spekulationen.
- Datum 06.09.2011 - 11:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 13
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Ich möchte den Fall nicht abwerten und jeder solcher Fälle ist bedauerlich. Aber es gibt sicherlich viele "normale" Arbeitnehmer, die täglich zur Arbeit gehen und denen es ähnlich geht.
Nur wenn sich da mal einer aus der Deckung wagt, wird ihm ein Berufswechsel nahegelegt.
Gerade deswegen ist es ja so wichtig, dass sich bekanntere Personen in der Öffentlichkeit zu solchen Problemen bekennen.
Denn nur so wird jedem ersichtlich, dass hier ein Krankheitsbild existiert, welchem der nötige Respekt entgegengebracht werden muss.
Wenn der unbekannte Otto Normalverbraucher an burnout erkrankt leidet er zwar genauso, aber er hat praktisch keine Chance die Situation für seine Nachfolger zu verbessern. Eine überregional bekannte Person hat diese Möglichkeit.
Deswegen ist es zum Vorteil von Otto Normalverbraucher die öffentliche Wahrnehmung des Problems zu unterstützen. Wenn man nun auf Miller einschlägt a la "der soll sich nicht so haben", dann färbt das auf den Durchschnittsbürger umso heftiger ab, weil der im Gegensatz zu Miller geldtechnisch abhängiger und damit verwundbarer ist.
Solche öffentlichen Wahrnehmungen sind wichtig, man erinnere sich daran, wie wichtig Freddie Mercurys Bekenntnis seiner AIDS-Krankheit war.
Gerade deswegen ist es ja so wichtig, dass sich bekanntere Personen in der Öffentlichkeit zu solchen Problemen bekennen.
Denn nur so wird jedem ersichtlich, dass hier ein Krankheitsbild existiert, welchem der nötige Respekt entgegengebracht werden muss.
Wenn der unbekannte Otto Normalverbraucher an burnout erkrankt leidet er zwar genauso, aber er hat praktisch keine Chance die Situation für seine Nachfolger zu verbessern. Eine überregional bekannte Person hat diese Möglichkeit.
Deswegen ist es zum Vorteil von Otto Normalverbraucher die öffentliche Wahrnehmung des Problems zu unterstützen. Wenn man nun auf Miller einschlägt a la "der soll sich nicht so haben", dann färbt das auf den Durchschnittsbürger umso heftiger ab, weil der im Gegensatz zu Miller geldtechnisch abhängiger und damit verwundbarer ist.
Solche öffentlichen Wahrnehmungen sind wichtig, man erinnere sich daran, wie wichtig Freddie Mercurys Bekenntnis seiner AIDS-Krankheit war.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pietätlose Äußerungen. Danke. Die Redaktion/mo
Was glauben Sie, was ein Verein wie Hannover 96 seinem Ersatztorhüter bezahlt?
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/mk
Solche Kommentare treiben viele psychisch kranke Menschen in den Tod, denn die Kranken leiden nicht nur an ihrer Krankheit, sondern auch an ihrer bornierten Umgebung. Bei mehr Verständnis für diese schlimme Krankheit, würden viele der depressiven Menschen noch leben.
Was glauben Sie, was ein Verein wie Hannover 96 seinem Ersatztorhüter bezahlt?
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/mk
Solche Kommentare treiben viele psychisch kranke Menschen in den Tod, denn die Kranken leiden nicht nur an ihrer Krankheit, sondern auch an ihrer bornierten Umgebung. Bei mehr Verständnis für diese schlimme Krankheit, würden viele der depressiven Menschen noch leben.
Was glauben Sie, was ein Verein wie Hannover 96 seinem Ersatztorhüter bezahlt?
eine million euro
eine million euro
@luckey: ihr Kommentar ist traurig!
Gibt es irgendwelche Gründe dafür, warum sie finden, dass Abs.1,2 und 3 des dt.GG nicht gleichermaßen für alle gelten?
@Tolotos:
und bei einem "normalen" Arbeitnehmer ist das genauso als Fehlverhalten der Chefetage anzusehen, wie bei einem Fußballer.
Außerdem, was bitte definieren sie als normal!? Hat das was mit Geld zu tun bei Ihnen, ala Kommentar Nr.2?
Sie wollen nicht abwerten? Sie tun es aber!
Vor allem im Profisport -dessen "Mitarbeiter" auf dem Präsentierteller stehen- ist es schon aus Vorbildfunktionsgründen unheimlich wichtig, dass solche Krankheitsfälle angesprochen und menschlich und medizinisch korrekt behandelt werden, hinzu kommt der hohe Druck im Profisport und den bisherigen Fehlverhalten bezüglich der Thematik.
Damit ALLE mit psychischen Leiden in Zukunft korrekt behandelt und eben nicht ihres Jobs verwiesen werden, ist es wichtig, dass das angesprochen wird, nicht aufgebauscht aber angesprochen und als Krankheit mit Heilungssprozess akzeptiert wird! Das Thema wird sich nur an Hand eines Ottonormalverbrauchers kaum/schlechter in der Gesellschaft verankern lassen... die Menschen interessieren sich eben leider sehr viel mehr für Prominente.
Der normale Arbeitnehmer ist der, der tägliche seine vorgegebenen Stunden an seinem Arbeitsplatz verbringt. Und natürlich hat das auch was mit Geld zu tun.
Und wenn es nicht gerade Hannover wäre und den Fall Enke gegeben hätte, würde kein Hahn danach krähen.
Der normale Arbeitnehmer ist der, der tägliche seine vorgegebenen Stunden an seinem Arbeitsplatz verbringt. Und natürlich hat das auch was mit Geld zu tun.
Und wenn es nicht gerade Hannover wäre und den Fall Enke gegeben hätte, würde kein Hahn danach krähen.
Gerade deswegen ist es ja so wichtig, dass sich bekanntere Personen in der Öffentlichkeit zu solchen Problemen bekennen.
Denn nur so wird jedem ersichtlich, dass hier ein Krankheitsbild existiert, welchem der nötige Respekt entgegengebracht werden muss.
Wenn der unbekannte Otto Normalverbraucher an burnout erkrankt leidet er zwar genauso, aber er hat praktisch keine Chance die Situation für seine Nachfolger zu verbessern. Eine überregional bekannte Person hat diese Möglichkeit.
Deswegen ist es zum Vorteil von Otto Normalverbraucher die öffentliche Wahrnehmung des Problems zu unterstützen. Wenn man nun auf Miller einschlägt a la "der soll sich nicht so haben", dann färbt das auf den Durchschnittsbürger umso heftiger ab, weil der im Gegensatz zu Miller geldtechnisch abhängiger und damit verwundbarer ist.
Solche öffentlichen Wahrnehmungen sind wichtig, man erinnere sich daran, wie wichtig Freddie Mercurys Bekenntnis seiner AIDS-Krankheit war.
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/mk
Solche Kommentare treiben viele psychisch kranke Menschen in den Tod, denn die Kranken leiden nicht nur an ihrer Krankheit, sondern auch an ihrer bornierten Umgebung. Bei mehr Verständnis für diese schlimme Krankheit, würden viele der depressiven Menschen noch leben.
das beispiel mit mercury ist quatsch. der ging mit seiner krankheit an die öffentlichkeit und war einen tag später tot. er wird seine gründe gehabt haben, so lange über seine krankheit zu schweigen.
aus der priviligierten position eines bundesligaspielers an die öffentlichkeit zu gehen, ist sicher einfacher, als für die meisten anderen. dazu kommt noch, das sein club hannover durch die ereignisse der vergangenheit zusätzlich sensibilisiert ist. wie würde so eine krankheit wohl in münchen oder im ruhrgebiet ankommen? gerade bayern hat sich bei sebastian deissler nicht durch großes verständniss hervorgetan.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren