Arne Friedrich : Die Medien zum Feind

Von den Trainern geschätzt, von der Öffentlichkeit belächelt: Wie Arne Friedrich lernte, mit seinem Image zu leben. S. Dobbert porträtiert unseren neuen Kolumnisten.
Arne Friedrich nach seinem Tor gegen Argentinien bei der WM 2010 © C. Simon/AFP/Getty Images

Arne Friedrich sitzt bei seinem Lieblingsitaliener in Berlin vor einem Rindersteak, einer Apfelschorle und hat Angst, zu viel zu erzählen. 328 Bundesliga- und Nationalelf-Spiele hat er bestritten. Unzählige Artikel haben Reporter über ihn geschrieben und ein öffentliches Bild von ihm gezeichnet. Doch das hat nur wenig mit ihm gemein.

Es ist einer der letzten sonnigen Herbsttage des Jahres. Zwei kleine Jungs kommen mit Stift und Zettel an den Tisch. Autogramme sind nach elf Profijahren Routine. Wenn Friedrich aber über sich reden soll, macht er das ungern. Er redet nicht viel, nicht sonderlich pointiert. Wenn er sein Gegenüber nicht kennt oder es gar ein Journalist ist, erst recht nicht.

Sein bester Freund sagt, wenn Friedrich ein Auto wäre, wäre er ein Golf. Grundsolide, bodenständig, strukturiert, äußerst verlässlich. Tatsächlich fährt er einen kleinen Fiat 500, nicht in ferrarirot, sondern in farblosbeige. Er trägt Schuhe, die kein Aufsehen erregen, eine graue Hose, keinen Schmuck, nur ein dünnes Armband. Er ist der typische Nationalspieler dieser Zeit: hat Fachabitur, ist diszipliniert, ehrgeizig. Alles nicht sonderlich auffällig. Bis auf die Sache mit den Medien.

Völler, Klinsmann, Löw: Vor allen großen Fußballturnieren der vergangenen acht Jahre hielten die Bundestrainer Friedrich für einen der besten deutschen Abwehrspieler. Die meisten deutschen Journalisten nicht – auch wegen seiner Spielweise.

Vor der WM 2010, als das Arne-Bashing am schlimmsten war, ignorierte Friedrich die Schlagzeilen über sich. "Was über mich geschrieben wird, lese ich seitdem nicht mehr", sagt er. Er selbst bezeichnet sich als "Fußballarbeiter", nicht als Filigrantechniker. Er verabschiedet sich vom Wirt mit einer Umarmung, zahlt, steigt in den Mini-Fiat und fährt zu seiner Wohnung.

Ausgerechnet in jener Zeit, als die öffentliche Kritik am gröbsten war, feierte Friedrich seinen größten Erfolg. Im Mai 2010 hatte Hertha BSC gerade das letzte Saisonspiel verloren. Im Berliner Olympiastadion hüpften die Spieler des FC Bayern mit der Meisterschale im Kreis. Hertha war mit dem Kapitän Arne Friedrich abgestiegen. "Was wird jetzt aus Ihnen, Herr Friedrich?", fragte ihn ein Reporter auf dem Weg in die Kabine. Friedrich antwortete, dass das wohl sein letztes Spiel für Berlin gewesen war. Unnötig ehrlich machte er sich damit zum Feindbild vieler Fans und Journalisten aus der Hauptstadt.

Er sei der "personifizierte Verlierer dieser Saison", ein "Noch-Nationalspieler", stand in Berliner Zeitungen nach seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg. Einige Wochen später, während des WM-Turniers, organisierte Friedrich als Stammspieler die deutsche Abwehr. Im Viertelfinale und dem vielleicht besten Spiel seiner Karriere schoss er gegen Argentinien ein Tor. Nach dem Finale war er ein Kandidat, der in die Fifa-Allstar-Mannschaft der WM gewählt werden sollte.

Einmal drauf angesprochen, würde jeder der WM-Allstar-Spieler nicht mehr aufhören, von der WM zu erzählen. Friedrich parkt sein Auto neben dem gleichen Fiat seiner Freundin, spaziert durchs Herbstlaub und redet darüber, wie schön Berlin doch sei.

In den vergangenen Jahren meldeten sich häufig Reporter beim DFB. Sie wollten ein Interview mit Friedrich führen, eine Stunde, wenigstens 45 Minuten. Friedrich verstand das nicht, willigte aber ein paar Male ein. Nach einer halben Stunde war dann immer alles gesagt.

Einmal schafften es Boulevardjournalisten, ihn zu einer Homestory zu überreden. Damals war er gerade als junger Nationalspieler nach Berlin zu Hertha gewechselt. Mit Anfang 20 dachte er, er müsse das machen. Danach ließ er niemanden mehr an sich ran. In der Phase, in der er begriff, wie das System Profifußball funktioniert, las er häufig in der Bibel. Das Interesse an der öffentlichen Bühne, von dem andere schwärmten, kam bei ihm nicht auf. Vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb eines der häufigsten Suchworte bei Google in Verbindung mit seinem Namen "schwul" ist. 

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Friedrich

Hallo Leute, also ich muss da ein wenig richtig stellen, nicht falsch verstehen, aber da ich seit 2002 bekennender Arne Fan bin, bin ich in der Materie drin. Und ihn auch schon ein wenig kennen gelernt habe
1. Friedrich fährt einen Porsche und einen Audi. Zu VFL Zeiten auch einen Golf und Touareg.
2. Friedrich ist 32 Jahre alt, nicht 31
3. Friedrich würde nie einen Journalisten / Reporter in die Nähe seiner Wohnung lassen
4. Ist er 10 Jahre mit dieser Freundin zusammen, keine 11(auch wenn man diese in den letzten Monaten kaum noch sah)
5. Redet Friedrich nie so privat, wie es hier dargestellt wird
6. Gibt Friedrich seit Wochen keine Interviews....

Friedrich

Lieber Stefanfritzi,
besten Dank, beim Alter habe ich mich verrechnet, ist nun im Text korrigiert. Ihre anderen Behauptungen habe ich jedoch anders erfahren, bin mit im kleinen Fiat durch Berlin zur Wohnung gefahren, habe mit Arne Friedrichs Freundin für die Recherche des Textes gesprochen. Arne Friedrich wird am kommenden Montag das erste Alles-Außer-Fußball-Interview geben.

Viele Grüße
Steffen Dobbert

Friedrich

Hallo,
aha sehr schön zu hören, wo doch Friedrich nie viel Interviews gab, sein Privatleben grundsätzlich abschirmt und dann fährt er mit einem Reporter / Journalist bis zu seiner Wohnung??? Das ist ja neu, was man so von ihm kennt.
Und wo er noch vor einigen Wochen von einer nur 10 jährigen Beziehung spach und jeder Fan weiß, dass sie seit 2001 zusammen sind ;-)

Darf man denn fragen wann ihnen Arne Friedrich dieses Interview gab? Denn er soll doch alle Interviews in den letzten Wochen und Tagen verweigert haben? Und seine Fans wären froh endlich mal was von ihm zu hören.

Und was ist das für ein Alles-Außer-Fußball- Interview?

Viele Grüße
Stefan Fritz

Schöner Artikel

Aber vorweg: Stefan Fritz, gehts noch? Ist doch vollkommen egal, ob er 10 oder 11 Jahre mit seiner Freundin zusammen ist; seit 2 oder 4 Monaten keine Interviews mehr gibt. Haben Sie den Drang, sich durch irgendwelche "Insider-Informationen" über Herrn Friedrich profilieren zu wollen?

Ich fand den Artikel von Herrn Dobbert erfrischend unaufgeregt und wohlwollend und freu mich auf die Alles-Außer-Fußball-Gespräche mit einem der meist unterschätzten Verteidiger Deutschlands, Arne Friedrich.

Friedrich

Nun wenn Jahrelang oder immer wieder das gleiche berichtet wird und dann auf einmal sich einiges widerspricht, darf man dies doch offen ansprechen.
Insiderwissen, wer weiß...... :-)

Der Artikel war gut, dass streitet ja niemand ab. Aber wenn man die Karriere eines Spielers verfolgt, dann weiß man eben auch einiges. Und nichts gegen Sie Herr Dobbert, aber ich verlasse mich nicht immer auf die Medien. Deswegen auch meine Fragen.

Dazu geht es auch nicht um irgendeine Freundin, das waren nur Anmerkungen, mehr nicht.
Aber da Friedrich jemand ist, der sich von den Medien versucht abzuschotten, sein Privatleben und dann auf einmal ein Reporter in seine Wohnung lässt und eben auch Monate keine Interviews geben möchte, dann darf man doch auch nachfragen, oder?

Ich freue mich auch auf das Gespräch, denn Friedrich ist einer der besten Verteidiger und er ist mit seiner ganzen Art, seinen Einstellungen, Charakter und seines Könnens ein verdammt wichtiger Spieler und für jeden Verein eine Berreicherung.
Ich und so viele andere, wünschen, dass er weitermacht und für seinen EM Traum kämpfen wird. Denn die EM zu spielen, hat er, nach allem was im letzten Jahr war, am meisten verdient!