Arne Friedrich im März 2011 während des Spiels Deutschland gegen Australien © P. Stollarz/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, wie viele Sprachen sprechen Sie?

Arne Friedrich: Zweieinhalb: Englisch, Deutsch und ein wenig Italienisch. Ich stand einmal kurz vor einem Wechsel nach Rom, da hatte ich in Berlin eine Sprachschule gesucht und mit Privatunterricht begonnen. Nachdem ich mich gegen den Wechsel entschieden hatte, endete leider auch mein Unterricht. Aber als ich mich im Frühjahr wegen des Bandscheibenvorfalls nicht bewegen konnte, habe ich wieder angefangen.

ZEIT ONLINE: Um zu üben, gehen Sie nun nur noch italienisch essen?

Friedrich: Heute war ich zum Frühstück beim türkischen Bäcker.

ZEIT ONLINE: Mit wem sprechen Sie italienisch?

Friedrich: Ich kenne viele Italiener, mit denen ich sprechen könnte, wenn ich es denn könnte. Zum Beispiel mit dem Wirt meines Lieblingsitalieners . Italienisch ist eine unglaublich schöne Sprache, aber bis jetzt bin ich nur bis lezione quattro gekommen.

ZEIT ONLINE: Im Englischunterricht hatten Sie in der Schule immer eine Vier oder Fünf?

Friedrich: Ganz so schlimm war's nicht. Ich hatte immer durchschnittliche Noten. Das Paradoxe ist ja: Weil ich in der Schulzeit Sprachen lernen musste, hatte ich keinen Bock drauf. Heutzutage möchte ich gerne Sprachen lernen, gehe aber leider nicht mehr zur Schule. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, dass ich als Schulkind so wenig auf meine Eltern gehört habe. In der Schule hatte ich Französisch, kann aber heute keine einzige Vokabel mehr.

ZEIT ONLINE: Gibt es auch eine Fußballersprache?

Friedrich: Wenn, dann besteht sie aus kurzen englischen und deutschen Schlagwörtern. In der Bundesliga stehen viele Nationalitäten auf dem Platz. Da braucht man keine komplexe Sprache, um sich zu verständigen. In Wolfsburg habe ich mit dem Dänen Simon Kjaer in der Abwehr zusammen gespielt. Mit ihm und dem Torwart habe ich mich meist auf Englisch verständigt.

ZEIT ONLINE: Was passiert, wenn ein südamerikanischer Spieler eingewechselt wird, der weder deutsch noch englisch spricht?

Friedrich: Links, rechts, Hintermann, frei, Leo – die wichtigsten Schlagworte sollten die Spieler auf Deutsch können. Viel geht aber auch über Blickkontakt.

ZEIT ONLINE: Welches Wort fällt am häufigsten auf dem Fußballplatz?

Friedrich: "Leo" ist sehr gebräuchlich. "Scheiße" ist mit Sicherheit auch dabei, wie andere Kraftausdrücke, wenn man flucht.

ZEIT ONLINE: Was heißt Leo?

Friedrich: Leo heißt "lass". Wenn der Eckball in den Strafraum fliegt, der Torwart, zwei Abwehrspieler und ich ihn erreichen könnten, rufe ich "Leo", damit die anderen wissen, dass ich ihn nehme.

ZEIT ONLINE: Das schlimmste Schimpfwort, welches Sie mal auf dem Platz gehört haben?

Friedrich: Das möchte ich nicht sagen.

ZEIT ONLINE: Keine Scheu.

Friedrich: "Ich ficke Deine Mutter!" Aber ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat und ob es um mich ging.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist Sprache für einen Fußballer?

Friedrich: Der Torwart von Wolfsburg, Diego Benaglio, hat sechs Sprachen gesprochen. Das macht es nicht nur auf dem Feld viel einfacher. Gerade das Zwischenmenschliche, die Integration neuer Spieler, gelingt viel besser. Ich habe mich gern um neue Spieler gekümmert. Wenn ich dabei so viele Sprachen wie Benaglio gekonnt hätte, wäre es viel leichter gewesen.

ZEIT ONLINE: Wie ist das mit den Kabinenansprachen?