Fifa Blatter täuscht Reformen vor
Der Fifa-Präsident kündigt an, Korruption im Fußball zu bekämpfen. Doch in Wahrheit spielen er und seine Mannen auf Zeit. Ein Kommentar
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Fifa-Präsident Joseph Blatter
Es wäre ganz einfach für den Präsidenten Joseph Blatter, die Fifa zu reformieren und zu öffnen. Ein Gericht stellte vor gut drei Jahren fest, dass die Vermarktungsagentur ISL von 1989 bis 2001 Fifa-Funktionäre mit mindestens umgerechnet 115 Millionen Euro geschmiert hat. Es gibt eine Liste mit den Bestochenen, für die sich Fußballfreunde und Steuerzahler sehr interessieren. Doch Transparenz ist für Blatter offenbar nur ein strategisches Wort. Der Fifa ist es mehr als vier Millionen Euro wert, die Namen geheim zu halten – der Preis, den die Schweizer Richter für diese Korruptionsverdunkelung verlangt haben.
Nachdem die Fifa durch Blatters Wiederwahl im Juni sowie die skandalöse Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Katar im Dezember 2010 in Verruf geraten war, behauptete Blatter auf einer Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag, den Verband umbauen zu wollen. Insgesamt fünf Ausschüsse sollen "Good Governance" gewährleisten. Doch Blatter spielt auf Zeit, es kann bis 2013 dauern, bis diese Gremien ihre Arbeit präsentieren. Und er täuscht eine Reform und den Kampf gegen Korruption vor.
Denn im Fifa-Exekutivkomitee sitzen nach wie vor Leute wie Chuck Blazer aus den USA, gegen den das FBI ermittelt. Oder Julio Grondona aus Argentinien, der schon mal Todesdrohungen gegen kritische Journalisten im Mund führt. Oder Nicolás Leoz, der 83-jährige Präsident der Südamerikanischen Konföderation Conmebol. Oder Ricardo Teixeira, seit 23 Jahren Präsident des Brasilianischen Fußballverbands und Organisationsleiter der WM 2014. Gegen ihn ermitteln Staatsanwälte seit Jahren regelmäßig. Teixeira soll einmal damit geprahlt haben, dass er sich "jede Untat erlauben" dürfe.
Zwei Vertreter des deutschen Fußballs sind beteiligt. Mit der Kommission für Statuten und deren Änderungen ist DFB-Präsident Theo Zwanziger betraut. Seine Fifa-Politik ist wankelmütig, mal kündigt er Aufräumungsarbeiten an, mal beschwichtigt er, zuletzt schwieg er. Er wird von den Meinungsführern der Bundesliga zu einer Fifa-kritischen Haltung gedrängt, ist aber in der internationalen Fußballpolitik ein Neuling. Franz Beckenbauer betreut die Kommission für Regeländerungen. Er saß vor Zwanziger vier Jahre lang im Exekutivkomitee, er hatte vier Jahre lang die Chance, den Mund aufzumachen. Er hat vier Jahre lang geschwiegen. Große Wirkung ist beiden nicht zuzutrauen.
Überraschend hält Transparency International die Zusammenarbeit mit der Fifa weiter aufrecht. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass sich in Zürich doch etwas tut. Doch es ist wahrscheinlicher, dass die Organisation Gefahr läuft, vorgeführt zu werden, sich missbrauchen zu lassen. Weiß sie, mit wem sie es zu tun hat? In der Branche gibt es viele Zweifler daran.
Wer noch alles an dem Reformwerk mitreden darf, lässt Blatter offen. Wie wäre es mit Andrew Jennings, einem investigativen Journalisten der BBC? All seine jahrzehntelangen Recherchen über Korruption in der Fifa haben sich bewahrheitet, er ist der führende Experte für Sportpolitk, Jennings weiß viel mehr als er veröffentlicht hat. Dazu müsste Blatter das Hausverbot aufheben, das er dem Kritiker wegen "schlechten Benehmens" vor acht Jahren erteilt hat.
- Datum 22.10.2011 - 13:23 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 15
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man stelle sich vor, ein altersweiser Beckenbauer wuerde gut gelaunt bei einem glas rotwein mal wirklich erzaehlen, wie das damals war mit der WM vergabe nach Deutschland...
Stattdessen tritt heute um 15.00 heute Joseph Hosni Ben Ali Blatter vor die Kameras und wird uns allen verkuenden, wie seine loesungskomission funktionieren wird, T 20 wird ihm wahrscheinlich das maentelchen halten und irgendwo in england wird dem armen Jennings wieder schlecht.
Bin auf ihren Komentar nach dem grossen auftritt gespannt, Herr Fritsch.
Falls ihnen nicht auch verstaendlicherweise uebel geworden ist.
Scheint das doch eher ein Justizskandal zu sein.
Denn wenn es wirklich Verdachtsmomente gibt, muessten die Staatsanwaelte aktiv werden.
Bei diesem Laden auf Selbstreinigung zu hoffen ist naiv.
Schade um diesen schönen Sport, der von alten, selbstherrlichen und gierigen Männern verwaltet wird.
Wie kann die FIFA oder jede andere Vereinsform über dem Gesetz stehen?
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Art. 8 Rechtsgleichheit / 1 Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Art. 30 Gerichtliche Verfahren
1. Jede Person, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss,
hat Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffenes, zuständiges, unabhängiges und
unparteiisches Gericht. Ausnahmegerichte sind untersagt.
2. Jede Person, gegen die eine Zivilklage erhoben wird, hat Anspruch darauf, dass die
Sache vom Gericht des Wohnsitzes beurteilt wird. Das Gesetz kann einen anderen
Gerichtsstand vorsehen.
Art. 35 Verwirklichung der Grundrechte
1 Die Grundrechte müssen in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen.
Oberste Instanz sind immer die Gerichte und auch ein Sportverein hat das zu respektieren. Wo ist die Politik und die Bundesstaatsanwaltschaft? Ein UEFA/FIFA-Recht das über der Bundesverfassung steht?
noch ernst nimmt, ist selber schuld! Warum da von Staatsseite nix passiert? Vermutlich ist die FIFA "systemrelevant";-)
noch ernst nimmt, ist selber schuld! Warum da von Staatsseite nix passiert? Vermutlich ist die FIFA "systemrelevant";-)
Es wird Zeit ddas die FiFa von der Staatsmacht besucht wird( Razzia).
Sofortige Ermittlungen einleiten und bis zur Klärung ein komplettes Spielverbot aussprechen.Die nächsten zehn Jahre keine Aktivitäten.
Na dann hoffen Sie mal darauf, dass das nicht Schule macht in Deutschland. 10 Jahre keine Energie, mangelnde Abfallbeseitgung und politische Verbote wären nicht so zielführend.
Aber Sie würden das vermutlich hinkriegen. Nur weiss ich nicht, ob die Ersetzung der Korruption durch Diktatur wirklich ein Fortschritt wäre.
Na dann hoffen Sie mal darauf, dass das nicht Schule macht in Deutschland. 10 Jahre keine Energie, mangelnde Abfallbeseitgung und politische Verbote wären nicht so zielführend.
Aber Sie würden das vermutlich hinkriegen. Nur weiss ich nicht, ob die Ersetzung der Korruption durch Diktatur wirklich ein Fortschritt wäre.
Na dann hoffen Sie mal darauf, dass das nicht Schule macht in Deutschland. 10 Jahre keine Energie, mangelnde Abfallbeseitgung und politische Verbote wären nicht so zielführend.
Aber Sie würden das vermutlich hinkriegen. Nur weiss ich nicht, ob die Ersetzung der Korruption durch Diktatur wirklich ein Fortschritt wäre.
noch ernst nimmt, ist selber schuld! Warum da von Staatsseite nix passiert? Vermutlich ist die FIFA "systemrelevant";-)
Wenn Herr Blatter die dubiosen Machenschaften in der Fifa bekämpfen möchte, ist das so ähnlich, als wenn man den Vogel Star den Kirschenklau im Kirschbaum bekämpfen ließe.
das Fussball schon aufgrund der Spielfeldgroesse, eher sehr langweilig ist und man dem taeglichen Fussballterror kaum noch ausweichen kann, ein weiterer Grund dafuer, diese sogenannte Sportart, wo immer es geht zu meiden.
Die FIFA ist seit Jahrzehnten, ein durch und durch korrupter Laden, der zur Selbstreinigung, schlicht nicht in der Lage ist. Blatter gehoert eigentlich schon lange ins Gefaengnis.
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