Als die Gesandten der englischen Premier League die Pubbesitzerin Karen Murphy vor Gericht zerrten , hatten sie wohl nicht geglaubt, dass die Angelegenheit vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) enden würde. Dass sie am Ende als Verlierer aus dem Gerichtssaal gehen würden schon gar nicht.

Murphy war das Fußball-Abo des britischen Pay-TV-Anbieters BSkyB zu teuer, sie unterhielt ihre Gäste lieber mit dem günstigeren Abo eines griechischen Kanals. BSkyB aber pochte auf Exklusivität, schließlich hatte der Sender viel Geld dafür bezahlt, die Premier-League-Spiele exklusiv in Großbritannien zeigen zu dürfen. Der EuGH aber kippte am Dienstag das System der nationalen Vermarktung der Fernsehrechte. Fußballfans können die Spiele schauen, auf welchem Kanal auch immer.

Fortan war die Aufregung groß. Viele jubelten: "Fußballschauen wird billiger" . Beobachter sprachen von einer Fußball-Revolution, vom Ende der Dominanz der mit Fernsehgeldern überschütteten englischen und spanischen Vereine oder gar einer Erdung des milliardenschweren Fußballbusiness. Die Aktie des deutschen Bundesliga-Bezahlsenders Sky brach zeitweise um bis zu zwölf Prozent ein. Vereinsvertreter sorgten sich um künftige TV-Einnahmen. Doch das ist Unsinn.

Eigentlich ist das Urteil zu begrüßen, mehr Wettbewerb tut gut. Bis zur nächsten Rechterunde kann der Fußballfan Geld sparen, wenn er es auf sich nimmt, einen ausländischen Decoder zu bezahlen und seine Satellitenschüssel korrekt auszurichten. Zweifellos würde dem Fußball eine Katharsis gut tun, weil es auch die exorbitanten Preise für Fernsehrechte waren, die das Geschäft um den Sport in den vergangenen Jahren in Gehalts- und Ablöseexzesse trieb. Entwicklungen, die den Fußball gefährden, weshalb sich die Uefa gezwungen sah, seit dieser Spielzeit erstmals Finanzregeln für Fußballvereine einzuführen.

Doch wahrscheinlich wird sich gar nichts ändern. Die Premier League, auch die Bundesliga, werden alles tun, um ihr Produkt ab der nächsten Rechterunde nicht zu verramschen. Eine Vergabe an mehrere miteinander konkurrierende europäische Sender, die das Produkt dann, wie derzeit, teilweise zu Dumpingpreisen anbieten, werden sie verhindern. Ein mögliches Szenario: Die TV-Rechte für die großen Ligen werden künftig nicht mehr national, sondern im Paket europaweit ausgeschrieben.

In dieser Preisklasse könnte es zu einem Bieterwettstreit kommen, bei dem nur die ganz großen TV-Konzerne wie Rubert Murdochs Sky oder Disneys ESPN mitbieten. Ein internationales Monopol würde entstehen. Weniger Wettbewerb, statt mehr. Weil die Premier League trotz aller Vermarktungsrekorde im Ausland das meiste Geld noch immer im heimischen TV-Markt verdient, wird sie die Rechte etwa zu den Preisen vergeben, die in England gezahlt werden.

Das würde bedeuten, dass sich das europäische Preisniveau nicht an den günstigen Preisen Griechenlands orientiert, sondern in Griechenland künftig Preise wie in England gezahlt werden müssen. Das Ergebnis: Nur noch wenige Griechen, Malteser, Portugiesen werden sich die Premier League, vielleicht auch die Bundesliga, leisten können. Fußball wird in den kleineren Ländern zum Luxusartikel.