Jenson Button beim Training in Indien © Clive Mason/Getty Images

Der Formel-1-Tross hat schon fast die ganze Welt gesehen. Den Großteil des Jahres reist er umher, zwischen Australien und Monaco, zwischen Ungarn und China. Der Trip nach Indien ist aber auch für die professionellen Globetrotter ein Trip ins Ungewisse. "Ich kenne nur die Bilder von vollen Zügen", sagte Sebastian Vettel vor dem Rennen am Wochenende. "Man hört auch von den großen sozialen Gegensätzen. Für uns Europäer ist das sicher ungewohnt", sagte Michael Schumacher.

Zu verdanken haben die Fahrer diese Art von Horizonterweiterung ihrem Chef Bernie Ecclestone. Der 81-Jährige Brite ist die Formel 1. Mehr als sein halbes Leben hat Ecclestone in diesem Rennzirkus verbracht. Ohne ihn wäre nichts, wie es ist. 1972 kaufte er für 100.000 britische Pfund den Brabham-Rennstall. Mittlerweile verdient er Milliarden. Bernie Ecclestone hält die Vermarktung der prestigeträchtigsten Rennserie der Welt in seiner Hand. Und er hat aus der Formel 1 eine Gelddruckmaschine gemacht. Vor allem für sich selbst.

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Ecclestone hat über die Jahre ein einmaliges System aufgebaut. Ein System, das die Rennställe immer wieder wütend werden lässt. Obwohl ohne sie kein Auto an die Startlinie rollen würde, erhalten die Teams aus den erwirtschafteten Formel-1-Gewinnen lediglich die Hälfte. Die andere Hälfte fließt an ein Unternehmen namens Delta Topco und dessen Tochterfirmen. Sie kümmern sich um die Organisation und die Vermarktung der Formel 1. Dessen Eigentümer: Der Finanzinvestor CVC Capital, Banken und Bernie Ecclestone samt dessen Familie.

Wie viel Geld dabei verteilt wird, darüber konnte lange nur gemutmaßt werden. Seit einigen Jahren aber veröffentlicht der Formel-1-Experte und ehemalige Ecclestone-Mitarbeiter Christian Sylt jährlich seine Studie "Formular Money". Sylts Zahlen beruhen zwar auf Schätzungen und Hochrechnungen, sind laut Formel-1-Insidern aber nicht unrealistisch. Der Spiegel zitierte im Juni aus diesem Bericht . Demnach hat die Finanz-Holding Delta Topco mit ihren Töchtern im vergangenen Jahr 1,493 Milliarden Dollar eingenommen.

Nach Sylts Berechnungen müssen etwa 325 Millionen Dollar an Kosten für Organisation, Transport und das Bereitstellen des TV-Signals abgezogen werden. Es bleibt ein Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 1,168 Milliarden Dollar, was einer Umsatzrendite von 78 Prozent entspricht. Im selben Jahr, 2010, erwirtschafteten die Dax-Unternehmen eine durchschnittliche Umsatzrendite von 6,9 Prozent.

Auf der Einnahmenseite können die Formel-1-Vermarkter TV-Gelder, Sponsoreneinnahmen und die Millionen verbuchen, die ihnen die Rennstreckenverwalter überweisen. Anders als ein Fußballverein, der sich ein Stadion für Heimspiele mieten muss, zahlen die großen Strecken Millionen von Dollar dafür, dass auf ihnen gefahren werden darf. Die Betreiber des Budd International Circuit vor den Toren Neu-Delhis sollen sich dieses Privileg jährlich 40 Millionen Dollar kosten lassen.

Traditionsreiche Strecken wie der Nürburgring in der Eifel stehen deshalb vor dem Aus. Politiker sprechen vom "fragwürdigen Umgang mit Steuergeldern", wenn Bernie Ecclestone, wie kolportiert, etwa 23 Millionen Euro an "Fahrerfeldgebühr" für das Formel-1-Rennen verlangt. Ein Betrag, der durch Einnahmen kaum wieder ausgeglichen werden kann. Traditionelle Strecken wie Imola in Italien oder das französische Magny-Cours mussten sich bereits aus dem internationalen Rennkalender verabschieden.

Ecclestone kümmert das nicht. Er ist in einer Luxusposition. Immer mehr Länder wollen irgendwie dabei sein, überbieten sich gegenseitig, sehen die Formel 1 als Prestigeobjekt. So expandiert die Formel 1 weiter, vor allem nach Osten. In den vergangenen Jahren rückten die asiatischen Nationen Malaysia, China, Singapur und Südkorea in den Rennkalender auf. Aus dem Nahen Osten stießen Bahrain, die Türkei und Abu Dhabi dazu. Länder, die fast alle sehr viel Geld haben und die auch bereit sind, es auszugeben, um sich mit dem Hochtechnologie-Image der Formel 1 zu schmücken.