Amateurfußballerin"Gegen das Tussi-Team gewinnen wir besonders gerne"

Ich will einen Mann als Trainer, sagt Mirka Jersch vom TSV Klein-Linden. Im Interview spricht die Abwehrspielerin über die Probleme des Frauenfußballs im Amateurbereich. von 

ZEIT ONLINE : Frau Jersch, Sie spielen Amateurfußball für den TSV Klein-Linden. Welcher Ton herrscht in der Bezirksliga der Frauen auf dem Platz?

Jersch : Kein anderer als bei den Männern. Der Schiri wird gelegentlich bepöbelt. Wenn eine Gegnerin ein paar Pfunde mehr hat, fällt schon mal: "Na, Moppelchen!"

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Mirka Jersch
Mirka Jersch

Mirka Jersch, 25, studiert in Gießen und spielt beim TSV Klein-Linden in der Gruppenliga Bezirk Gießen/Marburg. Momentan belegt die Mannschaft einen guten 10. Platz.

ZEIT ONLINE : Prosecco oder Schoppen in der Kabine?

Jersch : Wir trinken Bier nach dem Spiel, manchmal nach dem Training. Erst später am Abend greifen wir zu Cocktails.

ZEIT ONLINE : Wie viele Zuschauer zählen Sie bei Ligaspielen?

Jersch : Dreißig, wenn's hochkommt. Manchmal ist es einstellig.

ZEIT ONLINE : Wozu sind Sie bereit, wenn es um den Sieg geht?

Jersch : Manchmal kommt es vor, dass ich vom Spielfeld gehe und gar nicht weiß, wie es ausgegangen ist. Ich spiele um des Spiels willen. Darin bin ich wohl aber die Ausnahme.

ZEIT ONLINE : Seit wann spielen Sie Fußball?

Jersch : Ich bin Quereinsteigerin, habe erst mit sechzehn angefangen. Davor habe ich Ballett getanzt. Ich weiß, ich bin keine gute Fußballerin, aber ich kann zerstören, meine Gegnerinnen nerven. Ich liebe Teamsport.

ZEIT ONLINE : Früher waren viele Eltern dagegen, wenn ihre Töchter Fußball spielen wollen.

Jersch : Mein Vater ist froh, dass ich Fußball spiele. Er mag den Sport.

ZEIT ONLINE : Der Widerstand der Eltern lag auch darin begründet, dass sie fürchteten, die Tochter würde homosexuell werden.

Jersch : In meiner letzten Mannschaft waren acht von zwanzig Spielerinnen lesbisch, in meiner jetzigen sind es zwei. In manchen Mannschaften ist die Quote deutlich höher, sie variiert von Verein zu Verein.

ZEIT ONLINE : Ist die Atmosphäre immer tolerant?

Jersch : Ja. Ich kenne zwar Spielerinnen, die erlebten einen Kulturschock, als sie in eine neue Mannschaft kamen, in denen es viele lesbische Pärchen gab. Aber ab der dritten Trainingswoche war das normal.

ZEIT ONLINE : Wie läuft das mit Pärchen in einer Mannschaft?

Leserkommentare
  1. ... gehört wohl alles dazu und gibts in jedem Sport.

    Aber wieso es einen Vorwurf bedarf, wenn jemand seine Viren oder Bakterien ins Tempo schnoddert, versteh wer will. Mir ist es da lieber, der/die Erkältete behält den Kram in seinen Socken, als dass das Trikot zum Taschentuch umfunktioniert wird, oder der Schnodder mit dem Arm weggewischt wird und ich beim nächsten Zweikampf der Kram selber im Gesicht habe.

    Manchmal ist das vor allem im Fußball zu findende "hartgesotten-Getue" von Sportlern einfach ein wenig lächerlich..

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    da läft man an den Spielfeldrand und schnaubt das auf den Rasen. Man muss nur aufpassen, dass man keinen anderen trifft.

  2. Endlich mal ein Interview zum Thema Frauen und Fußball, das nicht von Quote, Benachteiligung und dem Schrei nach mehr Aufmerksamkeit beherrscht wird.

    Respekt für Ihren gelungenen Pragmatismus Frau Jersch und Herr Fritsch.

  3. da läft man an den Spielfeldrand und schnaubt das auf den Rasen. Man muss nur aufpassen, dass man keinen anderen trifft.

  4. ist eklig und gibt es in dieser Art in keiner anderen Sportart.

    Man stelle sich das einmal beim Hallensport vor.

  5. 5. na ja

    guten interviewpartner gewählt.
    schön unaufgeregt und ehrlich.

    ansonsten nichts neues.
    allerdings, warum auch ...;-)

  6. Ein sich prima lesendes informatives interview.
    Gerne mehr davon :-)

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  • Schlagworte Frauenfußball | Trainer | Ballett | Eltern | Pädagogik
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