Verbot von SporttrikotsNur ein nackter Bundesadler ist ein guter Bundesadler

Das Innenministerium greift durch: Deutschlands Handballer und Schwimmer brauchen neue Sportbekleidung. Nur für die Fußballer gibt es eine Adler-Ausnahme. von 

Wappen
Das Bundeswappen der Bundesrepublik Deutschland

Das Bundeswappen der Bundesrepublik Deutschland  |  © Karl-Tobias Schwab (Entwurf)

Es wäre vermessen, zu behaupten, die Deutschen hätten den Adler erfunden. Zuallererst war es die Evolution, die den Großvogel irgendwo zwischen fliegenden Sauriern und noch leicht gebückt laufenden Neandertalern platzierte. Dabei ist festzuhalten, dass der Adler der Evolution besonders gut gelungen ist. So schön und stark ist er, dass er als Symbol der Unsterblichkeit, des Mutes, des Weitblickes, der Kraft gilt. Der König der Lüfte, der Bote der Götter.

Weil sie sterblich, feige, schwach und häufig auch kurzsichtig sind, klebten sich die Menschen den Adler auf Schild und Brust. Auch wir Deutschen. Die alten Römer trugen ihren Aquila auf ihren Standarten durch Germanien. Seitdem gehört er dazu. Mal zeigte er Zunge, mal eine Krone. Er blickte nach rechts, manchmal auch nach links. Bei den Nazis schaute der Adler besonders grimmig drein. Der Jetzige dagegen ist ein Konsensadler, sachlich, ohne Kanten, der Philipp Lahm unter den Greifvögeln.

Anzeige

Wie wichtig die Sache mit dem Adler immer noch ist, bekommen jetzt die deutschen Sportverbände zu spüren. Sie sollen sich der schändlichen Nutzung des Bundeswappens strafbar gemacht haben. Das sich zuständig fühlende Bundesinnenministerium hatte schon vor einiger Zeit eine "Vereinbarung über die Verwendung der Bundessymbole im Sport" verfügt. In der steht geschrieben, dass der Bundesadler "von Verbandsemblemen deutlich zu trennen" sei. Es gehe um "den Schutz des Hoheitszeichens", sagt ein Vogelfreund aus dem Ministerium auf Nachfrage.

Danach wird schon kein Hahn krähen, dachten sich einige Sportverbände und vermengten auf ihren Sporthemden und Trainingsanzügen weiterhin das mythische Federtier und einen schnöden Verbandsschriftzug. Die Handballer, die Schwimmer, die Volleyballer, die Fußballer sowieso. Einige werden sich nun neue Arbeitskleidung anschaffen müssen.

Der Deutsche Handball-Bund bekam vor kurzem Nachricht, gewiss per Telefon und Mail, vielleicht auch per Brieftaube. Nur nackt dürfe der Adler verwendet werden, ohne die bisherige doppelte Umkreisung mit der Inschrift "Deutscher Handball-Bund", so das Ministerium. Sollten sich die Handballer nicht fügen, werden sie für vogelfrei erklärt: Geld für die Jugend und Trainerausbildung werde zurückgehalten oder gar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Bei denen piept es wohl, sagte sich der Handball-Präsident Ulrich Strombach und verweigert sich. Auch das Outfit des Deutschen Schwimmverbandes steht vor dem Aus, wo man die Vogelfrage aber gelassener sieht, man wollte sich sowieso bald neu einkleiden.

Eine Ausnahme machen die Innenministerialbeamten für des Deutschen liebste, vielleicht am ehesten adlerhafte Sportart. Der Deutsche Fußball-Bund darf sein Emblem behalten. Des Bestandschutzes wegen. Er benutze nicht den 1950 eingeführten Bundesadler im goldenen Schild, sondern ein älteres Getier, heißt es. Deswegen gelte die Regel nicht. Aha. Der Evolution zum Trotz: Der frühe Vogel fängt eben den Wurm.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • TomFynn
    • 19. Oktober 2011 17:06 Uhr

    ist ein Pleitegeier.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gesucht und nicht gefunden. Haben die nichts besseres zu tun, als den Adler als Hoheitszeichen zu verteidigen? So manchmal...

  1. gesucht und nicht gefunden. Haben die nichts besseres zu tun, als den Adler als Hoheitszeichen zu verteidigen? So manchmal...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Timo K
    • 19. Oktober 2011 20:35 Uhr

    Hindukusch verteidigt wird.

    Es geht eben nicht um den Bundesadler, sondern es geht darum, dass man seit Jahren den Fußball vor allen anderen Sportarten bevorzugt - die Fernsehanteile, Erlaubnisse für den DFB usw usf. sprechen in dieser Hinsicht Bände.

    Man möchte eben "deutsche" Sportarten...

    • Taranis
    • 19. Oktober 2011 17:36 Uhr

    Also müssen nun alle Sportverbände nur die huntergrundfarbe ändern auf irgendetwas NICHT Gold oder bekommt Fußball hier als einziger mentale Staatsförderung?

  2. weswegen stellt das innenministerium nicht ein einheitliches symbol für alle dieses land repräsentierenden nationalmannschaften zur verfügung? einziges unterscheidungsmerkmal wäre dann der schriftzug des jeweiligen verbands.

    das wäre lösungsorientiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • moturua
    • 20. Oktober 2011 12:12 Uhr

    weil diese lösung viel zu einfach und zu simpel für unsere beamten wäre!!!!! :-)

    • flyyy
    • 19. Oktober 2011 19:46 Uhr
  3. hat andere sorgen - deswegen macht so eine geschichte ja sinn..

    • thegrey
    • 19. Oktober 2011 20:26 Uhr

    Da geht einem doch der Hut hoch bei soviel urgäpfgrumpfbrummel. Politiker/Beamte sind doch das allerhinterletzte, was es in der menschlichen Evolution gibt. Danach kommen dann aber gleich Verbands-/Vereinsfunktionäre und als solcher würde ich mir ein schönes Cartoon-Adler-Tierchen auf mein Trikot kleben. Einen Adler, der dieses Deutschland so was von veräppeln würde, dass mir der Bundessportminister einen güldenen Adler spendieren würde.

    • Timo K
    • 19. Oktober 2011 20:35 Uhr
    Antwort auf "Inhalt!! "

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Innenministerium | Bundesinnenministerium | Evolution | Ministerium | Neandertaler | Sportverband
Service