Kevin Kurányi"Plötzlich hatte ich eine Kalaschnikow in der Hand"

Der Stürmer Kevin Kurányi spricht im Interview über Schießübungen bei Dynamo Moskau, Bären, Wodka, den "Russian way of life" und die Russischkenntnisse seiner Frau.

Kevin Kurányi

Kevin Kurányi

ZEIT ONLINE: Herr Kurányi, können Sie sich in der Länderspielpause etwas erholen?

Kurányi: Wir müssen nicht reisen, sondern trainieren auf unserem Gelände in Moskau. Das tut bei 44 Saisonspielen in der Liga tatsächlich gut. Dafür ist es zu Hause derzeit etwas unruhig. Unsere Tochter Vivien hat leider eine Mittelohrzündung, das hält alle in Atem.

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ZEIT ONLINE: Gute Besserung. Ist es schon so kalt in Moskau?

Kurányi: Es ist nicht viel kälter als in Deutschland. Die Kälte kommt noch. Aber mir scheint, es ist eines der vielen Vorurteile, dass es in Russland immer irre kalt sei. Das stimmt wie vieles andere nicht.

ZEIT ONLINE: Weitere Vorurteile: Es ist gefährlich in Moskau, die Leute trinken viel, außerhalb der Stadt lauern Bären, beim Fußball sind die Stadien leer.

Kurányi: Moskau ist eine faszinierende Stadt, die nicht gefährlicher ist als andere. In vielen Städten geht man im Dunkeln nicht in bestimmte Stadtviertel. Bären gibt es nur im Zoo. Und im Fußball holt Russland bis zur WM 2018 sicher weiter auf. In Zukunft werden immer mehr ausländische Spieler nach Russland kommen, da bin ich sicher. Die Leute sind grundsätzlich sportbegeistert. Die Nummer eins ist Eishockey.

ZEIT ONLINE: Zur Integration der Familie Kurányi tragen die Sprachkenntnisse ihrer Frau Viktorija bei?

Kurányi: Sie kann perfekt Russisch und die Kinder werden immer besser. Es hilft, wenn man sich mit den Leuten unterhalten kann.

ZEIT ONLINE: Und Sie?

Kurányi: Es geht. Ich kann ein paar Worte.

ZEIT ONLINE: Sie gelten bei Dynamo als Liebling der Fans. Selbst nach zehn Spielen ohne Tor werden Sie gefeiert, anders als auf Schalke, als sie ausgepfiffen wurden.

Kurányi: Vielleicht honorieren die Leute, dass ich offen auf sie zugehe und keine Probleme habe, mich zu integrieren und am Russian way of life interessiert bin. Ich habe nie gesagt, ich muss nach Russland, sondern, dass ich mich darauf freue. Wenn man offen auf die Leute zugeht und Ihnen ihre Identität lässt, dann bekommt man das zurück. Ich empfinde das als sehr ehrlich. In Russland geht viel über die emotionale Ebene. Aber die Leute haben andere Beispiele erlebt.

ZEIT ONLINE: Welche?

Kurányi: Spieler, die schnell wieder weg waren. Manchmal innerhalb von wenigen Monaten, und wenig Gutes über ihre Zeit hier erzählt haben. Die Menschen hatten den Eindruck, dass sich da mancher nicht viel Mühe gegeben hat, sie und ihr Leben zu verstehen.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie könnten 27 Wodkas trinken und jedes Mal die Gläser auf den Boden schmettern? 

Leserkommentare
  1. ... finde ich klasse die Haltung von Kuranyi.

    "Vielleicht honorieren die Leute, dass ich offen auf sie zugehe und keine Probleme habe, mich zu integrieren und am Russian way of life interessiert bin."

    8 Leserempfehlungen
  2. Da bemüht sich der Herr Kurányi, mit den Vorurteilen gegenüber Russland und Moskau aufzuräumen, und Sie kontern mit so einer Schlagzeile!
    Wie soll ich das denn verstehen, Herr Trust?

    12 Leserempfehlungen
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    Die Schlagzeile dient wie immer dazu das möglichst viele Leute (wie sie und ich) auf den Link zum Artikel klicken. Da wird halt immer die missverständlichste/spektakulärste Sache rausgepickt. so einfach ist das.

    handelt es sich dabei ja nicht um ein Vorurteil somdern um eine wahre Begebenheit. Der Titel ist zwar dann immer noch ziemlich spektakulaer, aber durchaus legitim. Weichspuelnn ist auch ein Form von Wahrheitsverzerrung und das brauchen wir genauso wenig wie das Verbreiten von Vorurteilen. Alles andere mag vielleicht oeinlich sein - aber darueber berichten und auch im Titel darauf aufmerksam machen wird man ja wohl noch duerfen.

    Die Schlagzeile dient wie immer dazu das möglichst viele Leute (wie sie und ich) auf den Link zum Artikel klicken. Da wird halt immer die missverständlichste/spektakulärste Sache rausgepickt. so einfach ist das.

    handelt es sich dabei ja nicht um ein Vorurteil somdern um eine wahre Begebenheit. Der Titel ist zwar dann immer noch ziemlich spektakulaer, aber durchaus legitim. Weichspuelnn ist auch ein Form von Wahrheitsverzerrung und das brauchen wir genauso wenig wie das Verbreiten von Vorurteilen. Alles andere mag vielleicht oeinlich sein - aber darueber berichten und auch im Titel darauf aufmerksam machen wird man ja wohl noch duerfen.

  3. ..sollten Transferspieler nicht jeden Blödsinn mitmachen.

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    ..aber erst wenn man es einmal mitgemacht hat, weiß man, ob's einem gefällt oder nicht.

    Man kann auch aus allem gleich ein Politikum machen.
    Scheint halt Tradition bei Dynamo zu sein. Reagieren Sie auf Schützenverreine, Ego-Shooter und Cowboy&Indianer-spielende Kinder ähnlich allergisch?

    Überschrift reicht nicht ;)

    ..aber erst wenn man es einmal mitgemacht hat, weiß man, ob's einem gefällt oder nicht.

    Man kann auch aus allem gleich ein Politikum machen.
    Scheint halt Tradition bei Dynamo zu sein. Reagieren Sie auf Schützenverreine, Ego-Shooter und Cowboy&Indianer-spielende Kinder ähnlich allergisch?

    Überschrift reicht nicht ;)

  4. ..aber erst wenn man es einmal mitgemacht hat, weiß man, ob's einem gefällt oder nicht.

    3 Leserempfehlungen
  5. es ist traurig, dass die ZEIT mit solch hanebuechenen ueberschriften interesse an einem interview mit einem fussballer erwecken muss. es funktioniert aber zugegebenermassen.

    interessant finde ich, dass kuranyi gerade seine eigenen vorurteile gegenueber russland abzubauen scheint. man exportiert solche selbsterkenntnisse ja gerne mit dem zeigefinger nach aussen, so wie es KK hier tut.

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  6. Man kann auch aus allem gleich ein Politikum machen.
    Scheint halt Tradition bei Dynamo zu sein. Reagieren Sie auf Schützenverreine, Ego-Shooter und Cowboy&Indianer-spielende Kinder ähnlich allergisch?

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  7. Die Schlagzeile dient wie immer dazu das möglichst viele Leute (wie sie und ich) auf den Link zum Artikel klicken. Da wird halt immer die missverständlichste/spektakulärste Sache rausgepickt. so einfach ist das.

    Antwort auf "Konterkariert"
  8. 8. na ja

    eine schlagzeile ist ein köder und keine information.
    schon ok.

    kuranyi spielt bei dynamo eher mittelprächtig, zumindest da, wo ich mal reingelinst habe.

    aber ich finde es gut, wenn jemand offen für sein gastland und die menschen ist. ein fussballer im ausland ist immer auch irgendwie botschafter seines landes.
    den job scheint kuranyi schon mal gut zu machen ...;-)

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