Joachim Löw ist nicht dafür bekannt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Oft schleicht sich ein badisches "wollenwirmalsagen", ein unentschlossenes "vielleicht auch mal" oder ein überflüssiges "natürlich" in seine Ausführungen. Nach dem 3:1-Erfolg gegen Belgien aber fand der Bundestrainer eine klare Formel für die vergangenen Monate. "10 Spiele, 10 Siege – was will man mehr", sagte Löw und betonte jedes einzelne Wort.

Tja, was will man mehr? "Ein tolles Spiel", würden die Düsseldorfer Fans erst einmal antworten, weil der Unterhaltungswert dieses letzten EM-Qualifikationsspiels der Gruppe A eher begrenzt war. Außer drei schönen deutschen Toren – einem Özil-Knaller, einem Schürrle-Lupfer und einem Gomez-Schuss – sah das Publikum wenig Erbauliches, weshalb es lange eine vornehme Zurückhaltung an den Tag legte. "Über das Spiel gibt es heute nicht allzu viel zu sagen", sagte Löw dann auch schnell. Der Bundestrainer redete lieber über Grundsätzliches, schließlich wurde Geschichte geschrieben.

Die deutsche Nationalelf beendet diese EM-Qualifikation mit einer perfekten Bilanz. Das hat zuvor noch keine Auswahl des Landes geschafft. Man kann also von einem historischen Sieg sprechen. Löw hat diesen Rekord vor dem Spiel in der Mannschaft zum Thema gemacht. "Weil die Namen der Spieler vielleicht auch noch in einigen Jahren damit verbunden sein werden", sagte er. Der Name des Trainers auch. Das sagte er aber nicht.

Tatsächlich verblüfft die Schnelligkeit des deutschen Fußball-Fortschritts. Viel besser als der Konterfußball der WM 2010 ging es eigentlich nicht, dachte man. Dann aber lernte die Mannschaft auch gegen defensive Mannschaften das Spiel zu gestalten, Räume zu schaffen, Chancen heraus zu spielen. Weil sie vom Primat des Vorwärtsfußball abgekommen ist, gewann Löws Team seine Punktspiele mit einer beängstigenden Leichtigkeit. Wenn es so weiter geht, ist die DFB-Elf bald ein Fall für den Club of Rome: Wo sind die Grenzen des Wachstums?

Die Rheinische Post , die viele Fans aus Düsseldorf am Spieltag aus ihren Briefkasten holten, schrieb schon vorher von der besten deutschen Elf aller Zeiten. "Die aktuelle Nationalmannschaft ist besser als das Europameister-Team von 1972", stand da auf der Titelseite, auf der sich beide Mannschaften in Pärchen gegenüberstanden. Neuer gegen Maier, Mertesacker gegen Beckenbauer, Bastian Schweinsteiger wurde Uli Hoeneß zugeteilt.

Nun sind solche Vergleiche so sinnvoll wie die zwischen Angela Merkel und Otto von Bismarck. Es waren andere Zeiten, es war anderer Fußball. Doch der historische Erfolg wird mit einer gewissen Erwartungshaltung einhergehen. Die deutsche Mannschaft muss sich bei der EM im Sommer 2012 an den Zahlen der Vorbereitung messen lassen: 10, 0 und 34. Sie stehen für die Siege, Niederlagen und erzielten Tore. Viel besser geht es eben nicht.

Löw weiß das. "Mit dieser Erwartungshaltung müssen wir umgehen", sagte er nach dem Spiel. "Es war wichtig, dass wir das heute durchziehen, auch als Botschaft an die Konkurrenz", das war ein freundlicher Gruß Richtung iberischer Halbinsel. Die deutsche Elf habe sich in den vergangenen Monaten noch mehr Respekt verschafft. Fast dachte man, Joachim Löw würde sein Herz in beide Hände nehmen und sich seine rhetorische Eingangsfrage selbst beantworten. Was will man mehr? Nun, einen Titel natürlich!