Deutschland – BelgienLöws Beitrag für die Geschichtsbücher

Er würde sich eher ein Ballack-Tattoo stechen lassen, als es zuzugeben, aber: Nach dem Sieg gegen Belgien soll Löws Team den EM-Titel holen. von 

Joachim Löw während des Spiels in Düsseldorf

Joachim Löw während des Spiels in Düsseldorf  |  © J. Eisele/AFP/Getty Images

Joachim Löw ist nicht dafür bekannt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Oft schleicht sich ein badisches "wollenwirmalsagen", ein unentschlossenes "vielleicht auch mal" oder ein überflüssiges "natürlich" in seine Ausführungen. Nach dem 3:1-Erfolg gegen Belgien aber fand der Bundestrainer eine klare Formel für die vergangenen Monate. "10 Spiele, 10 Siege – was will man mehr", sagte Löw und betonte jedes einzelne Wort.

Tja, was will man mehr? "Ein tolles Spiel", würden die Düsseldorfer Fans erst einmal antworten, weil der Unterhaltungswert dieses letzten EM-Qualifikationsspiels der Gruppe A eher begrenzt war. Außer drei schönen deutschen Toren – einem Özil-Knaller, einem Schürrle-Lupfer und einem Gomez-Schuss – sah das Publikum wenig Erbauliches, weshalb es lange eine vornehme Zurückhaltung an den Tag legte. "Über das Spiel gibt es heute nicht allzu viel zu sagen", sagte Löw dann auch schnell. Der Bundestrainer redete lieber über Grundsätzliches, schließlich wurde Geschichte geschrieben.

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Die deutsche Nationalelf beendet diese EM-Qualifikation mit einer perfekten Bilanz. Das hat zuvor noch keine Auswahl des Landes geschafft. Man kann also von einem historischen Sieg sprechen. Löw hat diesen Rekord vor dem Spiel in der Mannschaft zum Thema gemacht. "Weil die Namen der Spieler vielleicht auch noch in einigen Jahren damit verbunden sein werden", sagte er. Der Name des Trainers auch. Das sagte er aber nicht.

Tatsächlich verblüfft die Schnelligkeit des deutschen Fußball-Fortschritts. Viel besser als der Konterfußball der WM 2010 ging es eigentlich nicht, dachte man. Dann aber lernte die Mannschaft auch gegen defensive Mannschaften das Spiel zu gestalten, Räume zu schaffen, Chancen heraus zu spielen. Weil sie vom Primat des Vorwärtsfußball abgekommen ist, gewann Löws Team seine Punktspiele mit einer beängstigenden Leichtigkeit. Wenn es so weiter geht, ist die DFB-Elf bald ein Fall für den Club of Rome: Wo sind die Grenzen des Wachstums?

Die Rheinische Post , die viele Fans aus Düsseldorf am Spieltag aus ihren Briefkasten holten, schrieb schon vorher von der besten deutschen Elf aller Zeiten. "Die aktuelle Nationalmannschaft ist besser als das Europameister-Team von 1972", stand da auf der Titelseite, auf der sich beide Mannschaften in Pärchen gegenüberstanden. Neuer gegen Maier, Mertesacker gegen Beckenbauer, Bastian Schweinsteiger wurde Uli Hoeneß zugeteilt.

Nun sind solche Vergleiche so sinnvoll wie die zwischen Angela Merkel und Otto von Bismarck. Es waren andere Zeiten, es war anderer Fußball. Doch der historische Erfolg wird mit einer gewissen Erwartungshaltung einhergehen. Die deutsche Mannschaft muss sich bei der EM im Sommer 2012 an den Zahlen der Vorbereitung messen lassen: 10, 0 und 34. Sie stehen für die Siege, Niederlagen und erzielten Tore. Viel besser geht es eben nicht.

Löw weiß das. "Mit dieser Erwartungshaltung müssen wir umgehen", sagte er nach dem Spiel. "Es war wichtig, dass wir das heute durchziehen, auch als Botschaft an die Konkurrenz", das war ein freundlicher Gruß Richtung iberischer Halbinsel. Die deutsche Elf habe sich in den vergangenen Monaten noch mehr Respekt verschafft. Fast dachte man, Joachim Löw würde sein Herz in beide Hände nehmen und sich seine rhetorische Eingangsfrage selbst beantworten. Was will man mehr? Nun, einen Titel natürlich! 

Leserkommentare
  1. ... aber vorher hatten sie ebenso wie Deutschland und Spanien alle ihre Spiele gewonnen. Gegen Schweden ging es für Holland um nichts, für Schweden dagegen um Platz zwei, also um alles. Daher sollte man dieses eine Spiel nicht überbewerten. Genausowenig wie die regelmäßig eher bescheidenen Auftritte der deutschen Mannschaft bei Freundschaftsspielen.

    In der Aufzählung der weiteren Favoriten vermisse ich Italien. In einem K.O.-Spiel sind die immer schwer zu schlagen, ebenso wie Frankreich und (mit Abstrichen) England.

    Das ändert jedoch nichts daran, dass Deutschland mit Spanien und den Niederlanden zu den großen Favoriten zählen wird. Zum ersten Mal seit langer Zeit und völlig zurecht.

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    "Gegen Schweden ging es für Holland um nichts, für Schweden dagegen um Platz zwei, also um alles. Daher sollte man dieses eine Spiel nicht überbewerten."

    Gegen Belgien ging es für Deutschland um nichts, für Belgien dagegen um Platz zwei, also um alles. Daher sollte man dieses Spiel auch nicht unterbewerten.

    Es wird letztendlich nie möglich sein, objektiv über Spiele zu urteilen, jedes Fazit wird irgendwie gefärbt sein.

  2. Also wenn man so zurückblickt hat Deutschland eigentlich immer eher dann einen Titel geholt, wenn sie in der Vorrunde erbämlich schlecht gespielt hatten und, wie 1980 z. B., nur noch mit Glück in die Endrunde kamen.
    Insofern hat Löw durchaus recht, wenn er sich jetzt nicht in die Titelträume drängen und zu Hochmut hinreißen läßt. Denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und bei den schönsten Träumen wird man immer dann aus dem Schlaf gerissen, wenn der schönste Moment kurz bevor steht.

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  3. Ansosten kann man auch gerne zu Hause bleiben. Dass die deutsche Elf siegeshungrig ist, hat man an der bitteren Enttäuschung über das 0:1 gegen Spanien in Südafrika gesehen.

    Löw macht es aber richtig. Er versucht den enormen Erwartungsdruck von der Mannschaft zu nehmen.

    2 Leserempfehlungen
    • roxxin
    • 12. Oktober 2011 12:15 Uhr

    Außer den ersten drei Toren nicht viel zu sehen? Publikum hielt sich vornehm zurück? Hallo? Das Spiel gestern war eins der unterhaltsameren und spannenderen WM Quali Spiele, wenn nicht sogar das beste bzgl. Unterhaltung.
    Belgien stand mit dem Rücken an der Wand und hat von der ersten Sekunde 150% gegeben, starkes Pressing gemacht und die ersten 30 Minuten wirklich gut gespielt! Es gab fast 30 Minuten einen offenen Schlagabtausch, in dem sich beide Mannschaften gegenseitig im Schach gehalten haben. Ich habe selten so viele schnell aufeinanderfolgende ausgefochtene Zweikämpfe im Mittelfeld gesehen. Das war eine reine Freude zu sehen wie sich die beiden Mannschaften beharken und was dabei an technischen Tricks und Spielzügen gezeigt wurde. Und das ging 30 Minuten lang so, weil keine Mannschaft zu Beginn ein Tor erzielen konnte.
    Man konnte zugleich sehen das die Abwehr sicherer stand als bei den Türken, obwohl die viel harmloser waren. Khedira als defensivere Mittelfeldvariante hat sich da gut ausgezahlt.
    Das sich bei nem Stand von 3:0 die Belgier so ab der 60. Minute aufgegeben haben und der Ball dann nur noch von den deutschen über den Rasen geschoben wurde ist wohl verständlich, und selbst da gabs mehr zu sehen als bei Bayern, als die bei Manchester City auf Zeit gespielt haben.
    Peinlich für die Zeit, eure Artikel im Sportteil sind häufig einfach qualitativ schlecht. Dieser Artikel war wohl schon vor dem Spiel fertig. Schaut euch die Spiele wenigstens an!

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    Keine einzige Torchance für Belgien außer dem geschenkten Tor in den ganzen 90 Minuten gegen ein deutsche Mannschaft die mit 70% spielt...so ein tolles Spiel war es nun wirklich nicht.

  4. Zweiter ist auch nicht schlecht...

  5. "Gegen Schweden ging es für Holland um nichts, für Schweden dagegen um Platz zwei, also um alles. Daher sollte man dieses eine Spiel nicht überbewerten."

    Gegen Belgien ging es für Deutschland um nichts, für Belgien dagegen um Platz zwei, also um alles. Daher sollte man dieses Spiel auch nicht unterbewerten.

    Es wird letztendlich nie möglich sein, objektiv über Spiele zu urteilen, jedes Fazit wird irgendwie gefärbt sein.

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    ... aber der Autor nimmt diese eine Niederlage zum Anlass, die Niederlande von der Liste der Favoriten zu streichen. Darauf bezog sich meine Kritik.

    • mozzo
    • 12. Oktober 2011 13:01 Uhr

    Wo ist Italien bitte? Der Weltmeister von 2006 hat die Qualifikation mit 26 Punkten souverän abgeschlossen (zuletzt ein 3:0 gegen Nord-Irland).

    Das Team wurde seit der Blamage von 2010 massiv verjüngt und umstrukturiert. Sie spielen klasse Fußball und gehören deshalb meiner Meinung nach zum absoluten Favoritenkreis - noch vor England und vor allem Frankreich und Portugal!

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    Sie wissen schon, über Italien und Fussball, redet man in D ungern....zu viele schlechte Erinnerungen :-)

  6. ...und ich glaube auch nicht, dass wir in den nächsten Monaten großkotzige Titelansprüche der Spieler oder des Trainers hören werden. Es läuft momentan einfach, aber bislang ist das m.E. noch niemandem in der N11 zu Kopf gestiegen.

    Allerdings: mit der Bilanz ist man nunmal großer Favorit auf den Titel...neben Spanien. Alles andere als der Titel wäre eine Enttäuschung. Das muss man so deutlich sagen. Sollen sie ruhig bescheiden und konzentriert an die EM herangehen, aber wer über 10 Spiele in Folge gewinnt, der kann unmöglich mit einem Aus im Halbfinale glücklich werden.

    Eine Leserempfehlung

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