Seit 1978 bin ich Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), ich war Gründungsdirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage: Der Sport steckt in einer großen Krise.

Korruption hat sich im Sport wie eine Epidemie verbreitet und gefährdet seine Integrität und die seiner Wettkämpfe. Zwar halten Funktionäre immer wieder fromme Sonntagsreden über die Werte des Sports, doch seit Jahren weigern sie sich, seine Probleme zu bekämpfen. Mit dem Resultat, dass ihre Glaubwürdigkeit und die des Sports leiden.

Eine spezielle Form der Korruption im Sport ist Doping, eine Korruption des Wettbewerbs. Ein gedopter Athlet ist kein echter Athlet. Seine Leistung kann nicht mit der Leistung eines Athleten verglichen werden, der sich an die Regeln hält. Jahre, Jahrzehnte verseuchte Doping den Radsport, ohne dass jemand dagegen ernsthaft vorging.

Erst der Festina-Skandal im Jahr 1998 verdeutlichte den Verantwortlichen, dass sie handeln mussten. Ein Jahr später wurde die Wada gegründet, es war das erste Mal, dass Sport und Politik gleichberechtigt an einem Tisch saßen. Leider ist der Kampf gegen Doping heute weniger sexy als vor zehn Jahren. In den Gremien sitzen nicht mehr prominente Minister, stattdessen Bürokraten, die weniger Macht haben. Dennoch ist das Experiment Wada ein, wenn auch kleiner, Erfolg.

Größere Versäumnisse erlaubt sich der Sport im Kampf gegen schwerere Delikte, etwa Bestechung, Geldwäsche oder Betrug. Das IOC lässt zu, dass die Mehrheit seiner Verbände diese Probleme ignorieren. Anfang des Jahres fand ein Treffen zum Thema statt. Das hielt ich für einen guten ersten Schritt. Leider beschränkte sich die Debatte auf Sportwetten und Spielmanipulation. Wetten halte ich nicht für das wichtigste Thema.

Das IOC sollte mit gutem Beispiel vorangehen und einen globalen Plan entwerfen, Korruption in allen Spielarten zu erschweren. Dazu muss es festlegen, welche Aufgaben der Sport selbst übernimmt und welche man Regierungen und Staatsanwälten überlässt. Denn dem Sport stehen viele Instrumente nicht zur Verfügung, etwa kann er keine Telefonate abhören, Verdächtige observieren, Banken und Geldflüsse überwachen oder Eide abnehmen. Genau dies wäre aber notwendig, um der Probleme Herr zu werden.

Vor ernsten Herausforderungen steht der Fußballweltverband. Bei allem Respekt, die Fifa bleibt weit hinter ihrem geäußerten Anspruch zurück, ihre Probleme zu lösen, ihre politischen Vorgänge transparent zu machen und ihr Handeln so auszurichten, dass die Öffentlichkeit Vertrauen in die Führung des Fußballs zurückgewinnt.