GerichtsprozessIst Doping Betrug am Arbeitgeber?

Als erster deutscher Sportler könnte Radprofi Schumacher auch von einem ordentlichen Gericht verurteilt werden. Er soll durch Doping seinen Rennstall betrogen haben. von Mathias Klappenbach

Stefan Schumacher im Outfit des Team Gerolsteiner im Jahr 2008

Stefan Schumacher im Outfit des Team Gerolsteiner im Jahr 2008  |  © Joel Saget/AFP/Getty Images

Es wäre das erste Mal und somit ein Präzedenzfall. Noch nie ist ein deutscher Sportler nach einer sportrechtlichen Sanktion zusätzlich von einem ordentlichen Gericht verurteilt worden. Der Radprofi Stefan Schumacher könnte nun der Erste sein. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart wird es einen Prozess gegen Schumacher geben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-Jährigen, der Doping bestreitet, Betrug an seinem früheren Team Gerolsteiner vor. Ein Gesetz gegen Sportbetrug gibt es in Deutschland nicht.

Bei Schumacher war vor drei Jahren das Blutdopingmittel Cera nachgewiesen worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er damit von seinem Arbeitgeber Gerolsteiner das Gehalt für die Monate Juli bis September 2010 unrechtmäßig kassiert, es geht um 150.000 Euro. Weil er zuvor erklärt hatte, nicht zu dopen, habe er das Geld "betrügerisch erworben", so die Behörde. Eine Verurteilung sei wahrscheinlicher als ein Freispruch, sagte Gerichtssprecher Matthias Merz. "Dem Ausgang des Verfahrens sehe ich gelassen entgegen", teilte Schumacher auf seiner Homepage mit. "Ich werde selbstverständlich Rede und Antwort stehen und dazu beitragen, die Dinge aufzuklären."

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Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem Prozessbeginn noch in diesem Jahr, Schumachers Anwalt Michael Lehner hält den Zeitpunkt für unrealistisch. Er hofft auf einen Freispruch nach dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten.

Darauf hat vor drei Jahren auch Jan Ullrich gehofft, gegen den ein Betrugsverfahren erst gegen die Zahlung einer sechsstelligen Summe eingestellt wurde. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er gedopt, von Ullrich gab es aber nie eine positive Dopingprobe.

Stefan Schumacher kehrte nach seiner Dopingsperre im September 2010 beim drittklassigen Team Miche Guerciotti zurück. Sein Ziel ist ein Start bei der Tour de France.

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Leserkommentare
  1. Natürlich liegt Betrug vor. Auf der anderen Seite wissen aber die Rennställe genau, dass die Athleten dopen oder dass die Weltspitze nicht zu erreichen ist, ohne zu dopen. Von daher ist eine solche Klage reichlich verlogen.

    • cwkl
    • 20. Oktober 2011 13:54 Uhr

    Ist es Doping, wenn sich jemand an die Grenzwerte 'heranspritzt'? Die moralische Antwort eines Athleten lautet wohl "nein, is es nicht". Ist es Betrug, wenn alle im Peloton, Läuferfeld, etc. die gleichen Blutwerte aufweisen oder jetzt erst recht echte Chancengleichheit? Hier lautet die Anwort: "Es ist immer die individuelle Leistung des Sportlers entscheidend." Komisch nur, dass so viele flinke Radprofis Asthmatiker sind, also eigentlich unter akuter Luftnot leiden, die ihrerseits auf den Pyrenäen- und Alpengipfeln eh schon recht dünn ist.

    • TDU
    • 21. Oktober 2011 9:05 Uhr
    3. Betrug

    Natürlich liegt Täuschung vor und die Vermögensverfügung, nämlich die Zahlung. Aber der Vermögensschaden,der angerichet sein muss, wo ist der. Diese Abrechung möchte ich mal sehen. Genau wie bei Jan Ullrich. Alle haben verdient auch das Fernsehen, was sich so trefflich empört. Die getrunkenen Flaschen Wasser aufgrund Schumachers und der anderen gedopten Sieger sollte man mal zählen.

    Liegt eine Straftat vor, muss ermittelt werden. Aber der aufkommende pauschale Beifall ist typisch Heuchelei. Alle verurteilen ja auch die in der Vergangenheit gezahlten Schmiergelder. Dagegen bin ich auch grundsätzlich für die Zukunft.

    Aber die Aktiengewinne und den Lohn der durch die erhaltenen Aufträge gezahlt werden konnte, würde natürlich von keinem der moralischen Kritiker zurückgezahlt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Stefan Schumacher | Arbeitgeber | Behörde | Betrug | Doping | Euro
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