ZEIT ONLINE: Die zehn Mitglieder der schwarz-gelben Regierung haben in dieser Woche die Öffentlichkeit vom Sportausschuss ausgeschlossen. Um in Ruhe daddeln zu können?

Klaus Riegert: Ich kenne die Stichworte: Wir spielen am iPad, halten Nickerchen , schwänzen Sitzungen. Ich finde die Vorwürfe kindisch, ein paar einzelne Berichte haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Also haben wir mehrheitlich beschlossen, gemäß der Geschäftsordnung wieder nichtöffentlich zu tagen.

ZEIT ONLINE: Es macht ein schlechtes Bild, wenn die Vertreter unserer politischen Elite während der Arbeit an ihren elektronischen Geräten rumspielen.

Riegert: Ein iPad kann auch ein wichtiges Informationsmedium sein, das wissen Sie als Journalist doch auch. Zudem haben die Mitglieder das, was im Ausschuss vorgetragen wird, meist schon zehn Mal gehört. Manche Menschen können zuhören und eine Mail verschicken. Irgendwann wird man berichten, dass einer in der Nase popelt. Kritik an Politik sollte sich auf die Sache beschränken.

ZEIT ONLINE: Einige Sportpolitiker kennen sich mit der Sache nicht gut aus. Als ein Korruptionsexperte im September berichtete, dass der Fifa-Präsident Interpol zwanzig Millionen Dollar gespendet hat, ging ein Raunen durch den Saal. Dabei stand das längst in der Presse. In der Sitzung über die Nada-Politik vier Wochen später bestritt ein anderer die Zuständigkeit des rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten – womit er falsch lag.

Riegert: Der Wissensstand unserer Mitglieder ist in der Tat unterschiedlich. Es gibt auch Kollegen, denen man eine Einarbeitungszeit gewähren muss, und wir haben ein Berichterstattersystem. Bedenken Sie auch, dass einige von uns in zwei bis drei Ausschüssen sitzen.

ZEIT ONLINE: Jetzt schließen Sie die Türen. Mit der dünnhäutigen Begründung, dass Sie unliebsame Berichte nicht mehr hinnehmen möchten.

Riegert: Es hat Vorteile, wenn man nichtöffentlich debattiert: Manche Fensterreden fallen aus, manche Experten reden offener in einem vertraulichen Gespräch. Für Opposition und Regierung fallen Hemmungen weg, zusammenzuarbeiten. Die Erfahrung lehrt auch, dass es schneller ohne Öffentlichkeit geht. Zeit, die uns für Pressearbeit zur Verfügung steht.

ZEIT ONLINE: Politiker erleiden zurzeit eine Glaubwürdigkeitskrise. Die Leute verlangen nach Transparenz, die Piraten zum Beispiel profitieren davon. Da ist es ein schlechtes Signal, die Presse auszusperren.

Riegert: Es ist ein Trugschluss, dass man Transparenz durch Öffentlichkeit alleine herstellen könnte. Auf der Bühne erlebt man viele Schaukämpfe. Gemäß der Geschäftsordnung tagen alle Ausschüsse des Parlaments mit Ausnahme des Europaausschusses in Abwesenheit der Presse. Im Übrigen werden wir geeignete Themen auch in Zukunft öffentlich debattieren. Dazu wird rechtzeitig – wie bisher – eine bis zwei Wochen vorher eingeladen.