LeistungssteigerungDoping in Fitnessstudio und Hörsaal

Etwa jeder vierte Fitnessstudiogänger schluckt Anabolika, jeder zehnte Student nimmt Ritalin: Wann nennen wir leistungssteigernde Mittel Doping? von Christian Aichner

Bodybuilder während der 65. IFBB Men's World Amateur Bodybuilding Championships in Mumbai

Bodybuilder während der 65. IFBB Men's World Amateur Bodybuilding Championships in Mumbai  |  © I. Mukherjee/AFP/Getty Images

Das Wort Doping bezeichnete ursprünglich einen Schnaps, den Dop, der von den südafrikanischen Ureinwohnern bei Festen und Kulthandlungen getrunken wurde. Der Begriff Doping wurde in Anlehnung daran erst von den ersten weißen Einwanderern, den Buren, und später von den Engländern übernommen und bezeichnete seitdem Getränke mit stimulierender Wirkung. Im Jahre 1889 taucht der Begriff Doping dann zum ersten Mal in einem englischen Lexikon auf.

Dieser Definition zufolge handelte es sich um eine Mischung aus Opium und Narkotika, die bei Pferderennen den Tieren zur Leistungssteigerung verabreicht wurde – die moderne Bedeutung des Begriffs Doping. Spätestens mit der Erfindung synthetischer Hormone in den dreißiger Jahren hielt medikamentöses Doping Einzug in den Sport. Aber erst bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble 1968 und bei den Olympischen Spielen in Mexiko wurden offizielle Dopingproben durchgeführt.

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Die Definition ändert sich

Bei der Welt-Doping-Konferenz 1999 in Lausanne wurde die heutige Definition von Doping festgelegt, die einzelne Substanzen aufzählt, die wegen ihrer leistungssteigernden Wirkung auf einer Verbotsliste stehen. Ähnliches erklärte die Weltantidopingagentur (Wada) im Jahr 2004: "Doping ist der Gebrauch eines Hilfsmittels, das potenziell gesundheitsgefährdend ist und die sportliche Leistung des Athleten verbessert, sowie die Anwesenheit einer Substanz im Körper eines Athleten oder einer Methode, die auf der Doping-Liste aufgeführt ist."

Auch wenn sich die Definition des Begriffs immer wieder verändert hat, zwei Dinge sind gleich geblieben: "Doping ist im Sport seit jeher verboten: einerseits aus gesundheitlichen Gründen, andererseits weil es dem Ideal des Sport, der Chancengleichheit, widerspricht", sagt der Historiker und Sportpädagoge Giselher Spitzer, der das interdisziplinäre Projekt Translating Doping des Bundesministeriums für Bildung und Forschung koordiniert.

Doping oder Medikamentenmissbrauch?

Leistungssteigernde Mittel werden nicht nur von Hochleistungs-, sondern auch vermehrt von Freizeitsportlern genommen. Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge schlucken 23 Prozent der Männer, die regelmäßig in Fitnessstudios gehen, Anabolika für einen schnelleren Muskelaufbau – und ignorieren die gesundheitlichen Gefahren. Der Konsum von leistungssteigernden Mittel im Freizeitsport gilt offiziell aber nicht als Doping, sondern als Medikamentenmissbrauch.

"Der hegemoniale Sprachgebrauch der Weltantidopingagentur hat den Begriff Doping auf einen ganz, ganz kleinen Bereich von Hochleistungssportlern begrenzt", sagt Spitzer, der von 2003 bis 2005 ständiger Gast der Präventionskommission der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) war. Diese Einschränkung führe dazu, dass "Freizeitsportler meistens gar nicht das Bewusstsein haben, Doping zu betreiben, wenn sie beispielsweise Anabolika einnehmen." Das sei vor allem bei Jugendlichen ein weit verbreitetes Vorurteil. Spitzer wurde in einer Schulstunde zum Thema Doping-Prävention von einem 16-jährigen Schüler gefragt: "Ja, was meinen Sie denn jetzt? Anabolika oder Doping?"

Leserkommentare
    • kerle51
    • 23. November 2011 18:44 Uhr
    1. 23% ?

    na, es werden wohl ein wenig mehr sein. Das sieht man daran, wie der Körper eines Athleten aussieht: übertriebenes Training macht nur eine Art "Kugeln" als Muskeln, und das auch nur partiell. Wenn jemand so rundum muskelbepackt ist, schön gleichmäßig verteilt, dann kann man davon ausgehen, daß Präparate geschluckt werden.
    Ich finde übrigens, auch Kaffee gehört zu den Dopingmitteln: es läßt den Körper Reserven bereitstellen, die er auf normalem Wege nicht bereitstellen würde. Schlaf oder Entspannung wäre angemessener und gesünder. Das Gleiche gilt für Nikotin, das ebenfalls eine spezifische Wirkung hat. Man sollte aufklären anstatt verbieten, ausgenommen im Muskel - oder Motorsport.

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    Diese Bemerkungen des Kommentators über Muskelaufbau zeugen von völliger Unkenntnis. Wesentlich sind die Ernährung und Wissen über Training und Regeneration, sowie Disziplin. Doping braucht man nur im professionellen Bereich. Faustregel: Körpergröße -100 +20 ist das Gewicht, was man ohne Hilfsmittel bei wenig Körperfett erreichen kann. Also 1.70m > 90kg fettfreie Muskelmasse.

    • CBONES
    • 23. November 2011 20:15 Uhr

    "übertriebenes Training macht nur eine Art "Kugeln" als Muskeln, und das auch nur partiell."

    Erstmal hängt das mit der physiologischen Zusammensetzung der Muskelfasern im Körper zusammen, also dem Anteil von Fast-Twitch- (also "dicken") bzw. Slow-Twitch ("dünnen") -Fasern. Und man kann theoretisch sehr wohl auf natürlichem Wege ein gleichmäßig verteiltes "Muskelpaket" aufbauen (vorausgesetzt natürlich die Genetischen Veranlagungen stimmen).

    "Ich finde übrigens, auch Kaffee gehört zu den Dopingmitteln: es läßt den Körper Reserven bereitstellen, die er auf normalem Wege nicht bereitstellen würde."

    Finde ich auch. Früher wurde oft mit Kokain und Strychnin (das war Rattengift!) und Brandy gedopt. Aber wenn man es genau nimmt, so können nahezu alle Substanzen in gewisser Weise "aufbrausend" wirken. So zum Beispiel auch Zucker, Stichwort: Energy-Drinks oder Insulin-Doping (Siehe: http://www.zeit.de/2007/2... ).
    Und man sollte auch nicht vergessen: Anabolika sind ebenso körpereigene, "natürliche" Stoffe, die den Aufbau von körpereigenem Gewebe hauptsächlich durch eine verstärkte Proteinsynthese fördern. Ebenso sagt man, dass Endorphine dass Endorphine die dopaminerge Erregungsleitung manipulieren können und schmerzlindernd wirken.
    Unser Körper ist immer noch der größte Produzent von Dopingmitteln. Allein die Menge macht das Gift.

    • das_m
    • 13. Dezember 2011 18:10 Uhr

    ...er zeugt von extensivem Fachwissen!

    Ich bin vermutlich das, was Sie unter "rundum muskelbepackt" verstehen und habe nie Anabolika oder andere das Muskelwachstum steigernde Substanzen angerührt.
    Wird wohl an den 2, 3 Espressi liegen, die ich täglich trinke...

  1. Mit Medikamente versprechen sich auch Arbeitnehmer Bestleistungen im Job. Diese Medikamente sind sogenannte Neuro Enhancer. Das sind Arzneimittel die ursprünglich für die Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder Depressionen zugelassen wurden.
    Sie sollen bei Gesunden Menschen die Denk- und Konzentrationsfähigkeit steigern. Nach den vielen Skandalen im Sport ist nun auch Doping am Arbeitsplatz angekommen.

    Dieser Trend kommt von den USA. Dort hat dieses Phänomen schon ganz andere Dimensionen erreicht. Jeder zehnte Studierende erhofft sich bessere Leistung durch Gehirndoping und greift zu Tabletten. Eine Umfrage des Fachjournals „Nature“ belegt gar, dass jeder 5. US-Forscher auf die chemische Hilfe zurückgreift.

    Der Auslöser für Doping am Arbeitsplatz ist meist ein Gefühl der Überlastung. Laut einer DAK- Studie leidet die Hälfte aller Arbeitnehmer unter großem Stress. Jeder Siebte hat Angst um seinen Arbeitsplatz und jeder Neunte Arbeitnehmer empfindet einen starken Konkurrenzdruck unter den Kollegen.

    Es ist kein Zufall dass dann der Wunsch nach einer Pille wächst, mit dem sich dieser ganze Stress aushalten lässt. Es wird Ihnen ja überall vorgemacht.

    Das heutige Leben funktioniert auch auf dem Wissen, dass es für jedes Problem eine Pille gibt. Sie bekommen ein Pille für Ihre Potenz, eine Abnehmkapsel für Ihre Traumfigur und „kleine Helfer“ für Ihr Gehirn. Und nicht erst seit gestern.

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  2. Wenn Ergebnisse oder Leistungen zwischen Personen vergleichbar sein sollen, müssen Personen diese Leistungen nicht potentiell, sondern tatsächlich unter ebenso vergleichbaren Bedingungen erzielt haben. Nehmen wir an, chemische Hilfsmittel seien gestattet, muss die Einnahme bekannt sein und ein Maßstab muss verfügbar sein, um den Einfluss des chemischen Hilfsmittels zu bestimmen. Hängt von so verglichenen Leistungen zudem ein wesentlicher Teil z.B. der Zukunft einer Person ab (Diplom ...), muss nach Erbringen der Leistung auf ewig dokumentiert bleiben, unter welchen konkreten Bedingungen sie zustande kam. In etwa: Kandidat A hat durch Einnahme von "Hilfsmittel" ein um x Prozent besseres Ergebnis erzielt als Kandidat B. Weiterhin muss das Ergebnis in einer Version vorliegen, aus welcher der Einfluss des Hilfsmittels herausgerechnet wurde.

    Immer, wenn die Einnahme eines solchen Mittels verschleiert wird, handelt es sich um Doping. Auch, wenn die Einnahme grundsätzlich erlaubt war. Wenn wir davon abweichen, ist jede Bewertung einer Person auf der Basis gemessener Leistungen nichtig. Falls wir wollen, dass alle Menschen auch bei erlaubter Einnahme/Verwendung von Hilfsmitteln gleiche Chancen haben, müssen wir den Zugang zu diesen Mitteln allen Menschen erlauben. Soweit der egalitätre Standpunkt.

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    • Ranjit
    • 23. November 2011 19:41 Uhr

    Herr Steinert wirft einen wichtigen Punkt auf. Die Leistungsmessung dient ja nicht der Bewertung der vorliegenden Arbeit sondern der Schätzung des generellen Leistungsvermögens des Studenten.

    Wenn nun mit Mitteln nachgeholfen wird, so erscheinen gedopte Personen nicht nur übermäßig fähig, sondern auch nicht dopende als im Schnitt schlechter.

    Jedoch auch Abseits der Fairness und der Aussagekraft von Abschlüssen gibt es gute Gründe gegen Doping. Häufig ist der Auslöser Unsicherheit. Ziel des Studiums ist es jedoch, an diesen Herausforderungen zu wachsen und die eigene Unsicherheit zu überwinden. Wer jedoch Medikamente nutzt kapituliert. Er oder Sie suggeriert sich selbst: Ich schaffe es noch ohne. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich habe im Studium immer wieder an mir gezweifelt, aber mich auch immer wieder selbst überwunden. Dies ist, wie ich finde, eine der Hauptqualifikationen, die man aus der Uni mitnehmen sollte. Doping verbaut einem diese Wachstumschance.

  3. was sagt uns das?
    Nichts!
    Ritalin (kokainähnliche Wirkung) hat schon bei Rita (Namensgeberin) dafür gesorgt, das sie konzentrierter Tennis spielen konnte.
    Jetzt bekommen es Adhs`lerInnen (unfreiwillig) und StudentInnen nehmen es (freiwillig).
    Man weiß dass es wirkt, aber nicht genau wie -zumindest sind da die Wissenschaftler nicht einer Meinung- Es (Ritalin) sorgt wohl dafür, dass (flapsig ausgedrückt) Dopamin als Botenstoff und Glückshormon (wie Adrenalin und Noradrenalin) nicht so schnell "weiterverarbeitet" und dadurch eine "Laissez Faire" Einstellung erreicht wird.
    Man (Frau) läßt sich nicht mehr so leicht ablenken und kann gemütlich ein Ding nach dem Anderen machen, sich also besser fokussieren (konzentrieren).
    Doping (in welcher Form auch immer) dient der Leistungssteigerung.
    Wir sind der Überzeugung, dass wir das brauchen (immer besser, schneller, mehr, unbegrenztes (Wirtschafts-) Wachstum...
    Also dopen wir uns.
    Schade!

    • Ranjit
    • 23. November 2011 19:41 Uhr

    Herr Steinert wirft einen wichtigen Punkt auf. Die Leistungsmessung dient ja nicht der Bewertung der vorliegenden Arbeit sondern der Schätzung des generellen Leistungsvermögens des Studenten.

    Wenn nun mit Mitteln nachgeholfen wird, so erscheinen gedopte Personen nicht nur übermäßig fähig, sondern auch nicht dopende als im Schnitt schlechter.

    Jedoch auch Abseits der Fairness und der Aussagekraft von Abschlüssen gibt es gute Gründe gegen Doping. Häufig ist der Auslöser Unsicherheit. Ziel des Studiums ist es jedoch, an diesen Herausforderungen zu wachsen und die eigene Unsicherheit zu überwinden. Wer jedoch Medikamente nutzt kapituliert. Er oder Sie suggeriert sich selbst: Ich schaffe es noch ohne. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich habe im Studium immer wieder an mir gezweifelt, aber mich auch immer wieder selbst überwunden. Dies ist, wie ich finde, eine der Hauptqualifikationen, die man aus der Uni mitnehmen sollte. Doping verbaut einem diese Wachstumschance.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Definition: Doping"
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    • saverem
    • 24. November 2011 8:32 Uhr

    Wenn es tatsächlich um die "Schätzung des generellen Leistungsvermögens des Studenten" ginge, dann müssten Lebensumstände wie zeitraubende Nebenerwerbstätigkeiten oder Konzentrations-Recourcen-angreifende Situationen in die Bewertung der Leistung miteinfließen. Abgesehen davon wie diese überhaupt vergleichbar sein sollen - Die Lebensumstände werden eben nicht miteinberechnet, sondern es zählt das abgelieferte Werk, das zur Erlangung des akademischen Diploms reicht oder nicht.

  4. Diese Bemerkungen des Kommentators über Muskelaufbau zeugen von völliger Unkenntnis. Wesentlich sind die Ernährung und Wissen über Training und Regeneration, sowie Disziplin. Doping braucht man nur im professionellen Bereich. Faustregel: Körpergröße -100 +20 ist das Gewicht, was man ohne Hilfsmittel bei wenig Körperfett erreichen kann. Also 1.70m > 90kg fettfreie Muskelmasse.

    Antwort auf "23% ?"
    • Fluhu
    • 23. November 2011 20:11 Uhr
    • CBONES
    • 23. November 2011 20:15 Uhr

    "übertriebenes Training macht nur eine Art "Kugeln" als Muskeln, und das auch nur partiell."

    Erstmal hängt das mit der physiologischen Zusammensetzung der Muskelfasern im Körper zusammen, also dem Anteil von Fast-Twitch- (also "dicken") bzw. Slow-Twitch ("dünnen") -Fasern. Und man kann theoretisch sehr wohl auf natürlichem Wege ein gleichmäßig verteiltes "Muskelpaket" aufbauen (vorausgesetzt natürlich die Genetischen Veranlagungen stimmen).

    "Ich finde übrigens, auch Kaffee gehört zu den Dopingmitteln: es läßt den Körper Reserven bereitstellen, die er auf normalem Wege nicht bereitstellen würde."

    Finde ich auch. Früher wurde oft mit Kokain und Strychnin (das war Rattengift!) und Brandy gedopt. Aber wenn man es genau nimmt, so können nahezu alle Substanzen in gewisser Weise "aufbrausend" wirken. So zum Beispiel auch Zucker, Stichwort: Energy-Drinks oder Insulin-Doping (Siehe: http://www.zeit.de/2007/2... ).
    Und man sollte auch nicht vergessen: Anabolika sind ebenso körpereigene, "natürliche" Stoffe, die den Aufbau von körpereigenem Gewebe hauptsächlich durch eine verstärkte Proteinsynthese fördern. Ebenso sagt man, dass Endorphine dass Endorphine die dopaminerge Erregungsleitung manipulieren können und schmerzlindernd wirken.
    Unser Körper ist immer noch der größte Produzent von Dopingmitteln. Allein die Menge macht das Gift.

    Antwort auf "23% ?"

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  • Schlagworte Doping | Fitnessstudio | Medikament | Opium | Schmerzmittel | Studie
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