FangewaltStrafen wie im alten Rom

Nach den Ausschreitungen in Dortmund droht Dynamo Dresden im kommenden Jahr der Pokalausschluss. Dabei haben drakonische Strafen noch nie genützt. von Christian Aichner

Polizisten im Mai beim Spiel Bochum gegen Mönchengladbach

Polizisten im Mai beim Spiel Bochum gegen Mönchengladbach  |  © Marius Becker/picture alliance/dpa

Randale sind nichts Neues. Es gibt sie, seit es sportliche Massenveranstaltungen gibt. So berichtet der römische Geschichtsschreiber Tacitus von blutigen Fankrawallen im Jahr 59 n. Chr. "Es kam zu Sticheleien, dann zu Steinwürfen und zum Gebrauch der blanken Waffe. Wenige Stunden später glich das Amphitheater von Pompeij einem Schlachtfeld. Auch Tote waren zu beklagen", schreibt er anlässlich einer jener typisch römischen Festlichkeiten, bei denen Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen die Masse in Aufruhr brachten.

Damals stießen die Bewohner mit Heimvorteil auf die Gäste aus Nuceria. Schon vorher soll eine tiefe Feindschaft zwischen den Städten geherrscht haben. Die bei der ersten überlieferten Massenkeilerei im Imperium Romanum Unterlegenen, die Nucerianer, wussten sich daraufhin nicht anders zu helfen, als die Zentralmacht im fernen Rom um Hilfe zu bitten.

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Der Kaiser schritt ein – und wie. Auf zehn Jahre wurden sämtliche Spiele in Pompeij verboten. Der Veranstalter und mit ihm zahlreiche Krawallmacher wurden verbannt. Die Collegien, so etwas wie antike Vereine, wurden gar verboten.

Vielleicht haben sich die Hardliner des deutschen Sports ja vom Strafmaß der Alten Römer inspirieren lassen. Deutschlands oberster Sportfunktionär, der DOSB-Präsident Thomas Bach, hatte bereits am Dienstag eine harte Linie gegen randalierende Fans gefordert: "Es darf keine Tabus mehr geben." Am Mittwoch, noch bevor sich die Spitzen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen-Fußball Liga (DFL) zum Krisengipfel trafen, forderte der DFB-Kontrollausschuss den Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem Pokalwettbewerb für die Spielzeit 2012/13.

Die Gewalt in und um deutsche Fußballstadien hat in den vergangenen Wochen einen Höhepunkt erreicht. Es gab schwere Ausschreitungen bei den DFB-Pokal-Spielen in Dortmund und Frankfurt. Am vergangenen Samstag überfielen zwölf vermummte Anhänger des VfB Stuttgart bei einer Raststätte einen Bus mit Fans von Borussia Dortmund. In der Nacht zum Sonntag prügelten sich an einer Tankstelle in nordrhein-westfälischen Werne BVB-Anhänger und Bremen-Fans.

Auch in den unteren Ligen gab es zuletzt Zwischenfälle. Daniel Bauer, Spieler des Regionalligisten FC Magdeburg, war vergangenen Donnerstag von mehreren mit blauweißen Sturmkappen vermummten Anhängern in seiner Wohnung bedroht worden. In Krefeld wurden beim Spiel des KFC Uerdingen in der NRW-Liga sechs Polizisten verletzt.

"Wir beobachten zwei Entwicklungen", sagt Jörg Radek. stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Einerseits richtet sich die Gewalt immer öfter direkt gegen die Polizei, obwohl wir traditionell eigentlich zwischen den verfeindeten Fangruppierungen standen." Da sei der Fußball ein Sinnbild für die Gesellschaft. "Auf der anderen Seite betrifft die Gewalt immer öfter den Amateur- und Jugendbereich", sagt er. "Das ist eine bedenkliche Entwicklung, weil sich Amateurvereine ohne Hilfe von den Verbänden kaum gegen Krawallmacher schützen können."

Leserkommentare
  1. Warum nicht einfach sämtliche Auswärtsfahrten von solchen Vereinen unterbinden? Vor allem bei sogenannten Hochrisikospielen. Da geht es schon lange nicht mehr um gute Stimmung. Spart der Polizei und den Vereinen viel Arbeit.

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    Wäre das nicht schön? Keine Chaoten am Wochende in den Zügen, keine nervenden Fußballübertragungen im TV. Ich glaube, ein Ende des Fußball-Wahnsinns würde uns allen gut tun. Wir brauchen den Fußball nämlich nicht.

  2. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, dass es sich hier nicht um eine Strafe, sondern um der Schutz von Menschen und der Ausführung von Pokalspielen gehen kann ???

  3. Wie erwiesen hilft die Streichelpolitik für
    Straftäter auch nicht,kostet aber dem Steuerzahler
    ein Vermögen!
    Dann lieber harte Strafen , mit Abarbeitsvotum
    für verursachte Schäden!

  4. Was sind denn Ihre Vorschläge Herr Aichner?

    • dalatin
    • 03. November 2011 12:13 Uhr

    Erst einmal: ich bin Wessi, z.Z. in Dresden UND Dynamo Dresden Fan. Wie es dazu kam, kann man genau an dieser Schweinerei des DFB und Kommentatoren wie Poschmann im ZDF sehen. Die Art und Weise wie Dynamo von vielen Seiten öffentlich verunglimpft und regelrecht geächtet wird ist einfach unglaublich. Sicher hat der Verein mehr Chaoten in seinen Reihen zu verzeichnen als der Bundesdurchschnitt, aber was jetzt passiert entbehrt jeder Vernunft. Was war denn bei Frankfurt-Lautern los???? Identische Zahlen an Verletzten, Festnahmen und Pyros, dazu sogar ein Schwerverletzter, aber da sagt keiner was. Sind ja Westvereine, die dürfen das. Aber die Drecks-Dynamos, denen kann man mal schön eins draufgeben. Ehrlich, wenn die ne Pokal-Sperre aussprechen und gegen Lautern/Frankfurt nicht mal ermitteln krieg ich auch Lust Krawall zu machen. Vollkommen kontraproduktiv und m.E. auch genau so erwünscht.
    Ich bin Dynamo-Fan! Jetzt erst recht!

    P.S. Ich war in Dortmund, mein erstes Auswärtsspiel, und hab die Idioten live erlebt. War nicht schön. Wir mussten auch selbst mal dazwischen um Dortmunder zu schützen. Aber insgesamt wars ein sehr lustiger Abend, Wahnsinns Stimmung im Stadion und die Nacht endete in ner feucht-fröhlichen Kneipentour mit BVB-Fans, wie es eigentlich sein sollte ... und sicher auch von der deutlichen Mehrheit der angereisten Dresdner angestrebt wurde.
    DÜÜNAAAAAAAAAMOOOO

    Eine Leserempfehlung
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    ... ich habe nur die Berichterstattung im Fernsehen gesehen, ging ja den ganzen Abend. Erst die Empörung über Dresden, dann die Bilder von den anderen Spielen des Abends: huch, da ist ja ebenfalls Feuerwerk auf den Tribünen zu sehen - aber kein Wort dazu vom Moderator. Man kann gar nicht soviel fressen, wie man da kotzen möchte.

  5. Oder wie es bereits im alten Rom hieß "alea iacta est". Dresden wird höchstwahrscheinlich nicht am DFB-Pokal im nächsten Jahr teilnehmen können. Ein Rückzug des DFB halte ich zu diesem Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Nicht umsonst ist der DFB rund um Theo Zwanziger und die DFL so rigoros nach vorne geprescht. Nun liegt die Vermutung nahe, dass der DFB ein Exempel an Dynamo Dresden statuieren will. Sicherlich sind Strafen bei gewalttätigen Fanauseinandersetzungen wichtig und richt, aber ist es auch angemessen, einen gesamten Verein und dessen friedliche Fans derart zu bestrafen? Leider zeichnet sich seit einigen Jahren ein Fanbild im europäischen Fußball ab, welches zunehmend durch Gewalt geprägt ist. Am Ende kann wird es nicht viel bringen, wenn lediglich die Auswüchse eines wachsenden Geschwüres behandelt werden. Um den "Patienten" Fankultur zu heilen, bedarf es umfangreiche Fanarbeit und Fanbetreuung.

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    Die korrekte Übersetzung für "Die Würfel sind gefallen" lautet "Aleae iactae sunt". "Alea iacta est" ist der Singular: "Der Würfel ist gefallen". So hieß es im alten Rom.

    Ich danke für die kleine Aufklärung in Sachen Latein ;)

  6. Wäre das nicht schön? Keine Chaoten am Wochende in den Zügen, keine nervenden Fußballübertragungen im TV. Ich glaube, ein Ende des Fußball-Wahnsinns würde uns allen gut tun. Wir brauchen den Fußball nämlich nicht.

    Antwort auf "Mein Vorschlag"
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    Ich hoffe Ihr Kommentar ist nicht ernst gemeint. Statt in den Zügen dürfen Sie dann beschäftigungslose Menschen in Massen auf Plätzen, Bahnen, etc. beim sinnlosen rumgammeln bewundern.
    Ein Mensch braucht Beschäftigung, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. Fußball ist eben so eine.

    Zum Artikel: Ich weiß nicht, wie man zu der Überzeugung kommt, dass harte Strafen nichts bringen, aber der Täterschutz, wie er hier in Deutschland betrieben wird, fördert das Ganze nur. Wir öffnen Missetätern Tor und Angel und laden sie quasi ein. Eigentlich müsste man sich schon im Gedanken an eine Straftat in die Hose machen vor Angst.

    Ich bezweifle, dass Sie darüber zu entscheiden haben, welche Sportarten gebraucht werden und welche nicht. Und ganz ohne Fußball kommen Sie wohl doch nicht aus oder warum haben sie gerade einen Artikel über das Thema gelesen?

    • Grunzer
    • 03. November 2011 12:17 Uhr

    Alle als gewaltbereit bekannten Fans einem Irisscan unterziehen und auf Kosten der Stadionbetreiber und Teams an allen Stadioneingängen Irisscanner einbauen.

    Wer dann am Spieltag ins Stadion will, wird eben bis einige Stunden nach Spielende in Gewahrsam genommen, natürlich auch auf Kosten des Teams.

    Hooliganismus ist eine Krankheut, eine Seuche die den Fußball für normale Fans, für Väter mit ihren Kindern bei einigen Spielen unmöglich macht.

    Da müssen die Vereine ganz klar Farbe bekennen, wer ist ihen wichtiger, die normalen Fans, oder die Ultras/Hooligans (ja die werfe ich in einen Topf!!!) ???

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