Jens Pfeifer und seinem Kameramann Tobias Tempel gelingt es dabei, nah am Geschehen zu sein und trotzdem Distanz zu wahren. Man merkt dem Film an, dass Pfeifer als gebürtiger Hagener und langjähriger Basketballer sehr viel für Stadt und Sportart übrig hat. Das Team spielt die Saison zu allem Überfluss mangels Alternative in einer alten umfunktionierten Industriehalle, in der Staub und Kälte ein Profitraining manchmal fast unmöglich machen. Während Pfeifer liebevoll dokumentiert, wie die basketballverrückten Hagener die Halle in Eigenregie umbauen, bedeutet das Provisorium bei Innentemperaturen von 12 Grad Celsius für die Spieler einfach nur den alltäglichen Wahnsinn am Tabellenende.

Bei aller Liebe zu den Details der Basketball-Ästhetik und der ganz eigenen Hagener Folklore verliert Pfeifer ab und zu die Mannschaft dann doch aus dem Auge. Man würde gerne noch mehr erfahren über Freyers Verzweiflung, die spielerischen Gründe der sportlichen Misere oder den offen ausgetragenen Streit zwischen Aufbauspieler Chase Griffin und dem während der Saison verpflichteten Routinier Michael Hakim Jordan, der erst Hoffnung und dann Chaos ins Team bringt.

Von diesen kleinen Schwächen abgesehen erzählt "Phoenix in der Asche" aber sehr viel über einen Alltag im deutschen Basketball, der zwischen Tragik und Komik schwankt. Wenn Jordan während einer der vielen Busfahrten ein Bauernomelette bestellt und dabei mit der deutschen Sprache und der Bedienung in der Raststätte ringt, wird klar, wie fremd sich die amerikanischen Profis in Deutschland fühlen. Gleichzeitig sollen die mäßig bezahlten Einzelkämpfer, die meist nur eine Saison für einen Klub spielen, eine verschworene Gemeinschaft bilden. Selbst wenn sie so spielen, als wären sie "die Fußabtreter der Liga", wie es Jordan seinen Mitspielern ins Gesicht brüllt.

Am Ende gelingt Hagen der Klassenerhalt, die webmoebel Baskets Paderborn und die Giants Düsseldorf müssen absteigen. Ingo Freyer sagt, er habe in der einen Saison so viel gelernt wie eigentlich in drei oder fünf Jahren. Dem Zuschauer reichen dafür schon fast die achtundachtzig Minuten, die Phoenix in der Asche dauert.

Erschienen im Tagesspiegel