Handball-Trainer Heuberger"Jetzt beginnt eine neue Ära"

Martin Heuberger beerbt als Handball-Bundestrainer die Ikone Heiner Brand. Im Interview erklärt er, was er anders machen will und worum er Joachim Löw beneidet. von Christoph Dach

Neu-Bundestrainer Martin Heuberger

Neu-Bundestrainer Martin Heuberger  |  © Thomas Frey/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Heuberger, sind Sie Fußballfan?

Martin Heuberger: Ja, bin ich. Zu meiner aktiven Zeit als Handballer habe ich gern Fußball gespielt. Auch jetzt verfolge ich die Bundesliga regelmäßig. Warum fragen Sie?

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ZEIT ONLINE: Sie haben in einem Interview die Nachwuchsarbeit beim DFB gelobt. Beneiden Sie Joachim Löw, der auf jeder Position über zwei gute und im Regelfall junge Spieler verfügt?

Martin Heuberger

Martin Heuberger ist seit dem 1. Juli Handball-Bundestrainer. Bis dahin assistierte er fast sieben Jahre lang Heiner Brand. Der 47-Jährige trug zu seiner aktiven Zeit selbst 23 Mal das DHB-Trikot.

Heuberger: Ein bisschen Neid ist schon dabei. Andererseits ist es ja nicht so, dass wir beim DHB keine guten Nachwuchsspieler haben. Das Problem ist aber, dass wir in Deutschland die stärkste Handball-Liga der Welt haben, in der viele Ausländer beschäftigt sind und unseren jungen deutschen Spielern die Spielanteile wegnehmen. Dadurch haben es unsere Nachwuchsspieler schwer beim Übergang vom Nachwuchs- in den Männerbereich.

ZEIT ONLINE: Sie haben mit Junioren-Teams große Erfolge gefeiert, 2011 sogar den erneuten Gewinn der U-20-Weltmeisterschaft. Wird man in naher Zukunft einige Spieler aus diesem Team in der A-Mannschaft sehen?

Heuberger: Wir haben es in der Vergangenheit stets geschafft, Talente auszubilden. Ich bin sicher, dass aus der jetzigen U-20-Mannschaft drei, vier Spieler in absehbarer Zeit den Sprung schaffen können.

ZEIT ONLINE: Das heißt konkret: Wann?

Heuberger: Erfreulich ist, dass einige Akteure aus dem WM-Kader viel Spielzeit in der Bundesliga erhalten. Ich denke an Torhüter Nils Dresrüsse vom TBV Lemgo oder auch an Johannes Sellin, der sich bei den Füchsen Berlin gut entwickelt.

ZEIT ONLINE: Im Kader für den am Donnerstag beginnenden Supercup in Berlin stehen aber nur bekannte Gesichter. Warum?

Heuberger: Noch ist es zu früh für die ganz jungen Spieler. Sie müssen sich zuerst in der Bundesliga durchsetzen.

ZEIT ONLINE: Sie haben die Nationalmannschaft in einer Zeit übernommen, in der es nicht gerade glänzend um den deutschen Handball steht. Haben Sie zwischenzeitlich gezweifelt, ob Sie das Angebot des DHB annehmen sollen?

Heuberger: Ich habe mir das natürlich gut überlegt. Je länger ich über die Entscheidung nachgedacht habe, desto mehr Feuer hat die Aufgabe in mir entflammt. Ich kenne das Potenzial, kenne den Nachwuchs. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir künftig auch wieder um Medaillen mitspielen können.

ZEIT ONLINE: In den vergangenen Jahren hat es immer wieder zwischen den Vereinen und Ihrem Vorgänger Heiner Brand gekriselt. Was können Sie tun, damit zumindest bei den großen Themen wieder Konsens herrscht?

Heuberger: Ich bin auf die Vereine angewiesen, auf die tägliche Arbeit im Training. Andererseits profitieren auch die Vereine von einer starken Nationalmannschaft, deshalb kann es nur gemeinsam funktionieren. Ich werde nichts unversucht lassen, um meine Philosophie mit den Klubtrainern zu besprechen. Ich hoffe, dass wir künftig in die gleiche Richtung marschieren.

ZEIT ONLINE: Viel Zeit bleibt nicht, im Januar findet die EM in Serbien statt, bei der es um die beiden letzten Tickets für die Olympia-Qualifikation 2012 geht. Der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan sagt, dass eine Nicht-Teilnahme eine Katastrophe wäre.

Heuberger: Für den größten Handball-Verband der Welt wäre es natürlich nicht gut, als Katastrophe würde ich es nicht bezeichnen.

Leserkommentare
  1. Gemessen an der grossen Anzahl von Spielern in Deutschland und den hervorragenden Trainingsumstaenden muss die Ambition eigentlich sein bei jedem Turnier unter den ersten vier zu stehen. Wie kann es sein, dass Kroatien mit einer so viel geringeren Anzahl von Handballspielern so gut mithalten kann? Nun, man koennte sagen, dass ab einer bestimmten Poolgroesse von Spielern (sagen wir 50.000) die besten 20 immer ungefaehr gleich gut sind. Dann sollte aber, statistisch betrachtet, Deutschland eine groessere Anzahl von Spielern hervorbringen, die auf Weltniveau mitspielen koennen. Genau dies wird aber regelmaessig von Seiten des DHB abgestritten - angeblich gibt es kaum Alternativen. Koennte es nicht vielleicht auch an der Teamtaktik und individuellen Schulung liegen? Sehr kreativ sah mir das deutsche Spiel schon lange nicht mehr aus, auch 2007 nicht. Es muss sich aber etwas aendern; 7. Plaetze sind nicht gut genug.

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