ZEIT ONLINE: Frau Jakait, Sie begeben sich auf eine Rudertour von Portugal in die Karibik. Länger als vier Monate werden Sie unterwegs sein. Weshalb tun Sie sich das an?

JaniceJakait: Das ist nicht so leicht zu beantworten. Vor zehn Jahren habe ich von einer Frau gelesen, die das Gleiche probiert hat. Sie ist gescheitert und hat sehr schwere Verletzungen davon getragen. Damals habe ich gedacht: Wie kann man nur so verrückt sein? Aber das Thema hat mich nicht mehr los gelassen.

ZEIT ONLINE: Kann man sich auf eine solche Herausforderung vorbereiten?

Jakait: Man muss sich mit Schifffahrt auskennen, mit Navigation, Kommunikation und Elektronik. Ich kenne mein Boot. Ich habe nur den Rumpf gekauft und alles andere selbst aufgebaut. Ich bin in der Lage, alles zu reparieren. Zudem habe ich große Erfahrung mit Wassersport. Ich weiß, welche Bedingungen mich erwarten, welche Wetter herrschen können. Am wichtigsten ist aber die mentale und körperliche Vorbereitung.

ZEIT ONLINE: 6.500 Kilometer Rudern – wie viele Schläge sind dafür nötig?

Jakait: Die 6.500 Kilometer sind zunächst der Planwert, die Idealroute. Da dieses Boot aber Zickzack fährt und es häufig vorkommen wird, dass ich in der Nacht 50 Seemeilen zurückgetrieben werde, werden es am Ende mehr sein. Da ist die Zahl der Ruderschläge schwer zu bestimmen. Aber es werden definitiv mehr sein als eine Million.

ZEIT ONLINE: Wie teilen Sie sich ihre Tage und Nächte ein?

Jakait: Optimalerweise werde ich zwei Stunden rudern und zwei Stunden pausieren. Nachts gönne ich mir mehr Ruhe. Aber auch da muss ich alle zwei Stunden raus, um den Horizont zu prüfen. Ich muss schauen, dass mich kein Frachter überfährt.

ZEIT ONLINE: Sie werden nichts als Wasser um sich herum sehen. Wie halten Sie ihren Geist fit? Mit Fernschach?

Jakait: Leider würde mir der Wellengang die Figuren vom Brett werfen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie eine Toilette an Bord?

Jakait: Ja, einen Plastikeimer. Bei sehr hohem Wellengang muss ich mir was anderes überlegen. Das wird schon funktionieren, es schaut ja keiner zu.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie Ihren Körper auf dieses Abenteuer vorbereitet?

Jakait: Ich habe einiges an Gewicht drauf gepackt, das geht aber nur bedingt. Der Kalorienbedarf auf See ist ein großes Problem. Wenn man acht Stunden am Tag rudert, braucht man 8.000 bis 9.000. Das kann der Körper nicht mehr verstoffwechseln. Es gibt fertig gepackte Tüten für jeden Tag, die sind voll mit Eiweiß-, Schoko- und Müsliriegeln. Ich koche zwei Mal am Tag gefriergetrocknete Menüs.

ZEIT ONLINE: Erklären Sie bitte die Unterschiede zu einem normalen Rennruderboot!

Jakait: Der größte Unterschied ist das Gewicht. Vollbeladen wiegt das Boot 1.080 Kilogramm. Hinzu kommt, dass das Rudern in großen Wellen anders ist. Man sitzt anders, die Belastung ist anders. Man hat mal kein Ruder im Wasser, auch mal nur eines. Die Belastung ist sehr asymmetrisch. Deshalb lag der Schwerpunkt der Trainingsvorbereitung auch darin, die Gesamtmuskulatur aufzubauen. Ich habe nicht nur gerudert.