Joe Frazier im Jahr 1973 © Keystone/Getty Images

Wortkarg mit ernster Miene schlendert Joe Frazier in den Trainingsraum seines Lehrmeisters Yank Durham in einem alten Lagerhaus gegenüber des Nordbahnhofs in Philadelphia. Zu rhythmischer Musik boxt sich der Weltmeister im Schwergewicht warm. Dann verprügelt er zwei bedauernswerte Sparringspartner. Noch ein bisschen Schattenboxen, Bauchmuskelübungen und das Tagespensum ist erledigt. Rund hundert Zuschauer haben für einen Dollar Eintritt etwas geboten bekommen.

Frazier schwitzt noch, lümmelt in seiner Umkleidekabine auf einem schwarzen Ledersofa und teilt den Journalisten strotzend vor Selbstbewusstsein mit: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Clown fällt." Vier Tage vor dem "Fight of the Century" gegen Muhammad Ali im New Yorker Madison Square Garden ist das meine erste Begegnung mit Joe Frazier.

Der "Clown" fällt danach tatsächlich. Am 8. März 1971 in der 15. Runde. Es ist der berühmteste linke Haken der Boxgeschichte, der Joe Frazier damals, vor 40 Jahren, zur Legende machte.

Der Olympiasieger von 1964 und Weltmeister von 1970 bis 1973 wurde 67 Jahre alt. In der Nacht zum Dienstag ist Frazier in seiner Heimatstadt Philadelphia an Leberkrebs gestorben.

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Frazier verkörperte den längst verklärten amerikanischen Traum vom armen schwarzen Jungen aus dem Süden, der sich zum Champion hochboxt. Das jüngste von dreizehn Kindern einer armen Farmer-Familie aus South Carolina packte seine Sachen und verließ mit 15 Jahren die rassistische Kleinstadt Beaufort in Richtung Norden. In Philadelphia findet der kräftige Junge in einem Gym der Polizei Gefallen am Boxen und in einem Schlachthof einen Job.

Yank Durham, ein Hobbytrainer für Amateure, wird sein Entdecker und für Frazier zur Vaterfigur. Rinderhälften am Arbeitsplatz dienen den Fäusten des jungen Schlachters als Sandsack. Frazier war in gewisser Hinsicht ein realer "Rocky".

Im Finale der Olympischen Spiele in Tokyo besiegte Frazier den Regensburger Hans Huber mit einem 3:2-Urteil nach Punkten. Seine Goldmedaille verdankte er allerdings dem Pech des massigen Buster Mathis. Der war sein Bezwinger in der amerikanischen Endausscheidung gewesen, hatte sich dann aber verletzt. Frazier bekam Mathis' Tokyo-Ticket. Als Profi gewann der nur 1,85 Meter große Draufgänger, dessen Nonstop-Kampfstil an Rocky Marciano erinnerte, 32 von 37 Profikämpfen. Jeweils gegen Ali und George Foreman verlor er zwei Mal. Ein Mal endete sein Kampf unentschieden.