"Smokin' Joe", so der Markenname Fraziers, hatte nach seinem Olympiaerfolg das alleinige Erbe des wegen Wehrdienstverweigerung verbannten Ali angetreten. Doch der Schatten Alis verdunkelte seine Herrschaft in der Boxwelt. Frazier war Weltmeister geworden, ohne den Weltbesten jener Epoche besiegt zu haben. Das Championat war unvollkommen. Keiner spürte das Schattendasein empfindlicher als Frazier selbst. Der Weltmeister ohne Glanz reichte gar eine Petition bei Präsident Richard Nixon ein, Ali doch bitte wieder in den Ring zu lassen.

Der Oberste Gerichtshof ermöglichte nach dreieinhalb Jahren Alis Comeback und Fraziers historischen Triumph im Duell zweier unbesiegter Champions im bis dahin gigantischsten Spektakel der Boxgeschichte. Der brutale linke Haken Fraziers schmetterte Ali in der 15. Runde zu Boden. Der Schlag reichte zwar nicht zum K.o., manifestierte aber den Punktsieg Fraziers. Es war die Krönung und Anerkennung als einzig wahrer Champion.

Als gefeierter Boxer kam Frazier im Mai 1971 nach Frankfurt am Main. Adidas hatte ihn eingeladen. Ich habe ihn am Rhein-Main-Flughafen abgeholt und bin neben ihm im Fond einer Limousine nach Herzogenaurach gefahren. Joe schwärmte von sich als Sänger und seiner Rockband "The Knockouts", mit der er nun auf Tournee gehen werde.

An Clay, wie er Ali nur nannte, verschwendete Frazier kaum ein Wort. Es schien, als wollte der Boxchampion nun die Beatles herausfordern. Ich bin ihm nur noch zu drei weiteren Kämpfe gefolgt, zweimal wegen Ali, einmal seinetwegen nach London zum Kampf gegen Joe Bugner.

Viereinhalb Jahre nach dem "Fight of the Champions" folgte der zweite Showdown um die Weltmeisterschaft: Frazier hatte seinen Titel schmachvoll an Foreman und die Revanche gegen Ali nach Punkten verloren. Ali wiederum hatte Foreman in Kinshasa entthront.

Der "Thrilla in Manila" wurde zu einer epischen Schlacht im Angesicht des Todes. Sein Trainer Eddie Futch ließ am schwülheißen Vormittag des 1. Oktober 1975 Frazier zur 15. und letzten Runde nicht mehr antreten. "Nein, Eddie, das kannst du mir nicht antun", protestierte ein entsetzlich gezeichneter Boxer.

"Setz dich mein Sohn. Du kannst nichts mehr sehen. Es ist vorbei", entschied Futch und sagte später: "Der nächste Schlag hätte tödlich sein können." Derweil murmelte ein völlig ausgezehrter Ali: "Es war wie das, was dem Sterben am nächsten kommt."

Frazier hasste Ali, er verhöhnte ihn als "Gorilla", weil der ihn als "Uncle Tom", als "Hoffnung des weißes Mannes", verachtete. Vor zwei Jahren erst, als der Vater von fünf Kindern an Diabetis, hohem Blutdruck, Rückenproblemen nach einem Autounfall und unter finanziellen Schwierigkeiten litt, verkündete er seinen Frieden mit Ali. "Ich habe keine bösen Gefühle mehr gegen ihn", sagte er Sports Illustrated.