Der alte Mann, der dem deutschen Fußball wieder auf die Beine geholfen hat, hat einen schlechten Ruf. Wer den Namen Gerhard Mayer-Vorfelder hört, denkt an politische Affären und nationalistische Aussagen. Mit den Sprüchen des Rechtsaußen bestückten die Ausstellungsmacher von Tatort Stadion , einer Initiative gegen Rassismus im Fußball, ganze Stellwände. Als Kultusminister Baden-Württembergs empfahl der CDU-Politiker seinen Lehrern, den Kindern alle drei Strophen des Deutschlandliedes beizubringen.

Fußball - Gerhard Mayer-Vorfelder im Gespräch

Als der ehemalige DFB-Präsident vor fünf Jahren die große Bühne verließ, empfanden das viele als Erleichterung. Doch am Aufschwung des deutschen Fußballs, der den Fans beim 3:0 gegen Holland erneut vor Augen geführt wurde, kommen Mayer-Vorfelder große Verdienste zu. In seiner nur dreijährigen alleinigen Amtszeit traf er eine wegweisende Entscheidung.

Nach der EM 2000 mit Erich Ribbeck stand es schlecht um die Nationalmannschaft. Eine überalterte Mannschaft war unter einem uninspirierten Trainer in der Vorrunde sieg- und lustlos ausgeschieden. Der deutsche Fußball hatte sich jahrelang auf Erfolgen ausgeruht, hatte seine Hausaufgaben, die Jugendarbeit, vielerorts vernachlässigt. Es war die Zeit, in der Uli Hoeneß prophezeite, der FC Bayern werde der Nationalmannschaft bald den Rang ablaufen. "Nach der desaströsen EM", sagt Mayer-Vorfelder und pustet Zigarettenrauch in sein Stuttgarter Büro beim Württembergischen Fußballverband, "wurde eine Nachwuchsreform notwendig".

Mayer-Vorfelder war von 1975 bis 2000 Präsident, manche sagen Patriarch, des VfB Stuttgart. Der Verein schulte vorbildlich seinen Nachwuchs. Nachdem er im April 2001 zum DFB-Präsidenten gewählt wurde, machte er sich daran, ein bundesweites Programm umzusetzen. Inhaltliche Unterstützung erhielt er von den Jugendtrainern Dietrich Weise, Jörg Daniels und Bernd Pfaff, politische aus der Bundesliga von Reiner Calmund und Wilfried Straub.

Mayer-Vorfelders Plan fußte auf drei Säulen: Erstens wurde deutschlandweit ein enges Netz an Stützpunkten zur Talentförderung eingerichtet, zweitens die A-Jugend-Bundesliga gegründet. Drittens wurde Profivereinen erst empfohlen, später zur Auflage gemacht, Nachwuchsleistungszentren zu unterhalten, die regelmäßig zertifiziert werden.

Heute zählt die deutsche Elf wieder zu den Besten der Welt. Spieler wie Mario Götze, Thomas Müller, Marco Reus, Julian Draxler oder Holger Badstuber überzeugen im jungen Alter mit anspruchvollster Technik. In der Nationalelf werden ihnen andere, heute weitgehend unbekannte Talente, bald Konkurrenz machen. Wenn der gebürtige Mannheimer Mayer-Vorfelder über diese erfreuliche Entwicklung ins Plaudern gerät, verfällt er vergnügt ins Schwäbische – bevor er sich, überrascht von sich selbst, wieder zum Hochdeutschen aufrichtet.