Gerhard Mayer-Vorfelder auf der Beerdigung von Leo Kirch im Juli 2011 © Hannes Magerstädt/Getty Images News

ZEIT ONLINE: Vor zehn Jahren haben Sie die Ausbildung im deutschen Fußball reformiert. Wie kam das?

Gerhard Mayer-Vorfelder: Nach der desaströsen EM 2000 wurde eine Nachwuchsreform im deutschen Fußball notwendig. Bis dahin wurden Ideen des erfahrenen Jugendtrainers Dietrich Weise vereinzelt umgesetzt. Doch man musste sie vereinheitlichen und auf das ganze Land übertragen. Das haben wir getan.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Reform aus heutiger Sicht?

Mayer-Vorfelder: Man sieht schon seit Jahren, welche Früchte sie trägt. Die deutsche Mannschaft ist voller junger Talente. Früher galt die Ajax-Schule als Vorbild, später Frankreich. Heute schauen viele auf Deutschland. Es schmücken sich viele mit dieser Reform, doch damals gab es auch Widerstand in der Liga. Dort fürchtete man, vom DFB gegängelt zu werden. Der Sieg hat viele Väter, nur die Niederlage ist eine Waise.

Fußball - Gerhard Mayer-Vorfelder im Gespräch

ZEIT ONLINE: Zu den Initiatoren zählt man auch Berti Vogts, auch er selbst.

Mayer-Vorfelder: Berti Vogts behauptet immer, dass er Pläne in der Schublade hatte und hat. Ich hab aber noch keinen gesehen.

ZEIT ONLINE: Und die anderen Bundestrainer?

Mayer-Vorfelder: Die Leistung der aktuellen Nationalelf ist auch ein Verdienst von Jürgen Klinsmann. Er hat viel angestoßen, wofür er kritisiert wurde – und was heute Standard ist, etwa Trainerteams. Franz Beckenbauer hat großen Charme, aber wenig Sinn für Konzepte. Rudi Völler war in dieser Frage nicht besonders initiativ. 

ZEIT ONLINE:Joachim Löw kennen Sie aus Stuttgart, Sie waren Präsident, er Trainer. Haben Sie sein Talent damals verkannt?

Mayer-Vorfelder: Joachim Löw war schon immer eine gute Fachkraft. Doch am Ende seiner Stuttgarter Zeit ließ er den Spielern zu viel durchgehen, deswegen habe ich seinen Vertrag nicht verlängert. Ich riet ihm, bei seiner nächsten Station den Spielern weniger durchgehen zu lassen. Heute macht er das ausgezeichnet. Als er aus der Türkei zurückkam, sagte er mir: "Ich war ja am Anfang sauer, aber Sie hatten Recht."

ZEIT ONLINE: Der DFB-Sportdirektor Matthias Sammer wurde während Ihrer Amtszeit als Profi mit dem VfB Meister. Wie schätzen Sie seinen Beitrag zum Aufschwung des deutschen Fußballs ein?

Mayer-Vorfelder: Matthias Sammer schätze ich sehr, allen voran den Spieler, auch wenn er nie ein einfacher Mensch war. Ich halte ihn eher für einen Trainer als einen Sportdirektor.