ManipulationsvorwürfeRoger Federer und Rafael Nadal auf Bestellung

Um die Tennisrivalen Federer und Nadal immer wieder im Finale aufeinandertreffen zu lassen, haben die Veranstalter offenbar bei der Auslosung betrogen. von 

Roger Federer (rechts) und Rafael Nadal

Roger Federer (rechts) und Rafael Nadal  |  © M. Medina/AFP/Getty Images

Der elegante Schweizer Roger Federer gegen Rafael Nadal, den Kraftprotz aus Spanien. Das war in den vergangenen Jahren das Traumfinale des Tennis. In Wimbledon lieferten sie sich 2008 eine Fünf-Satz-Schlacht, die einige Experten als bestes Tennis-Match der Geschichte bezeichnen. Im folgenden Jahr weinte Federer während der Siegerehrung in Melbourne. Die Final-Matches boten wahnsinnige Ballwechsel zwischen grundverschiedenen Persönlichkeiten und viel Drama. Sie galten bisher als Beweis für das Können von Federer und Nadal. Doch daran gibt es nun Zweifel.

Statistische Auswertungen belegen: Federer und Nadal bekamen bei Grand-Slam-Turnieren jahrelang immer wieder dieselben Gegner zugelost, immer ausgerechnet diejenigen, gegen die ihre Bilanz besser ist.

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Zwischen 2008 und 2011 waren die Halbfinal-Auslosungen in Melbourne, London und New York gar in allen Fällen identisch: Federer sollte auf Novak Djokovic treffen, Nadal gegen Andy Murray spielen.

Die Publikumsmagneten Federer und Nadal konnten so regelmäßig die Finals erreichen, ohne vorher gegen ihre Angstgegner antreten zu müssen. Federer verlor bei mittelgroßen Turnieren häufig gegen Andy Murray. Nadal hingegen fegte Murray oft vom Platz. Umgekehrt verhielt es sich mit Djokovic. Der Serbe ist ein Angstgegner von Nadal, zu einem Duell der beiden kam es bei den wichtigsten Tennisturnieren jedoch im Halbfinale nur extrem selten.

Die Berechnungen der Sport- und Rechtswissenschaftlerin Katarina Pijetlovic von der Technischen Universität Tallinn in Estland zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Halbfinals legal ermittelt wurden, beträgt 131.072 zu 1. Sie sagt: "Die Frage ist nicht, ob manipuliert wurde, sondern wie und wer dahinter steckt."

Deutsche Statistik-Experten halten die Berechnung für seriös. Rainer Dyckerhoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie der Universität Köln, sagt: "Die Ergebnisse der Auslosungen sind sehr untypisch. Ein Zufall ist sehr unwahrscheinlich."

Beim Turnier in New York hatten Federer und Nadal zusätzlich noch viel zu leichte Gegner zum Turnierauftakt. Experten des amerikanischen Fernsehsenders ESPN haben bereits belegt, dass in New York Top-Spieler jahrelang schlechter platzierte Gegner zugelost bekommen haben, als es statistisch wahrscheinlich ist.

Gründe für eine Vorzugsbehandlung von Federer und Nadal gäbe es genug. "Für Veranstalter und Sponsoren sind die Grand Slams die lukrativsten Turniere überhaupt", sagt Katarina Pijetlovic. Der Sporthersteller Nike etwa zahlt sowohl Federer als auch Nadal dafür, dass sie die neuesten T-Shirts und Schuhe der Marke tragen.

Leserkommentare
    • kinnas
    • 08. November 2011 11:32 Uhr
    1. Warum?

    "Der Wimbledon-Sprecher Johnny Perkins teilt per E-Mail mit, dass er die Vorwürfe "ehrlich gesagt für Nonsens hält"."

    "nennt die statistischen Auswertungen "Behauptungen", die "falsch und möglicherweise rechtlich anfechtbar" seien."

    Diese beiden Menschen haben offenbar den Job nicht auf Grund ihres IQ erhalten.

    Sonst würden sie nicht solchen Müll von sich geben. Genauso wie die Presse leider Gottes einfach solchen Schwachsinn wiedergibt.

    Interessant sind die Ergebnisse allemal. Vielleicht sollte man sich mal wieder hinsetzen und einen Würfelvergleich hinzuziehen um die Warhscheinlichkeiten für jedermann "übersetzbar" zu machen. (zB die WK ist ähnlich hoch, wie mit 7 Würfeln nur 6en zu würfeln). Wenn also jemand hingeht, und ihen sagt: Ich würfel jetzt mit 7 Würfeln (natürlich für sie nich sichtbar) und er dann sagt: Ach, was ein Glück ich hab 7 6en gewürfeln, würden sie ihm dann glauben?

    Ebenso muss man obiges also beantworten: Glauben kann man das nicht. Trotzdem ist es natürlich möglich, daß nicht betrogen wurde.

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    • Dirac
    • 08. November 2011 12:17 Uhr

    Und wohl auch noch nie von einer Setzliste gehört?

    Jeder Veranstalter eines sportlichen Großereignisses hat ein elementares Interesse daran, dass die Möglichkeit eines vorzeitigen Ausscheidens der Favoriten möglichst gering sind. Ein Finale mit unbekannten Aussenseitern ist für den Veranstalter eines Großturniers ein absoluter Super-GAU.

    Vor Jahrzehnten ist soetwas einmal im Fußball-Europapokal passiert, als im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Düsseldorf Dynamo Tiflis und Carl-Zeiss Jena aufeinander trafen: praktisch niemand wollte das Finale sehen; ins damalige Düsseldorfer Rheinstadion veriirten sich lediglich knapp 5000 Zuschauer.

    http://de.wikipedia.org/w...

    • Zack34
    • 08. November 2011 11:36 Uhr
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    denn wenn es tatsaechlich so sein sollte, koennte man jederzeit andere Spieler ins System mit einbauen. Es ginge ggf. ja nicht darum imm er nur Federer und Nadal gewinnen zu lassen, sondern das Paar zu koordinieren, das fuer den Zuschauer die groesste Attraktivitaet darstellt. Es waere schon der Hammer und Betrug am Zuschauer und natuerlich den anderen Spielern, wenn das nachgewiesen werden koennte. Das wird allerdings schwierig bis unmoeglich. Aber abstellen ließe es sich problemlos, wenn man akribisch sicherstellt, dass die Auslosung absolut transparent, ueberwacht und in der Oeffentlichkeit durchfuehrt. Wahrscheinlich waere schon, dass sich dei Zufallspaarungen dann "zufaellig" aendern und diese ungewoehnlichen Haeufungen schlagartig aufhoeren. Darauf sollte man hinarbeiten.

  1. Viel Lärm um fast gar nichts. Federer und Nadal waren über viele jahre die Nummer 1 und die Nummer 2 in der Welt, konnten also bei jedem Turnier frühestens im Finale aufeinander treffen. Da Murray und Djokovic meist dahinter auf 3 oder 4 waren, waren Halbfinals mit den beiden Spielern sehr wahrscheinlich. Meist landete die Nummer 3 in der unteren Hälfte und die Nummer 4 in der oberen Hälfte. Also auch da kein Grund sich zu beklagen. Ähnlich wurden auch die Spieler bis zur Nummer 32 entsprechend der Weltrangliste auf die Setzpositionen verteilt. Ob da bei manchen Turnieren abgewichen wurde, um ein ausgeglicheneres oder "günstigeres" Tableau zu erreichen könnte mitunter schon passiert sein. Gerade in Wimbledon hat man eine etwas abweichende Setzliste, da hier bevorzugt die vergangenen Erfolge auf Gras berücksichtigt werden.
    Die ungesetzten Spieler, die sich jenseits der Position 32 in der Weltrangliste befinden, werden dann wohl zugelost. Ob dieser Prozess transparent ist, ist relativ egal, da sie nur in den seltensten Fällen wirklich eine Bedrohung für Nadal oder Federer darstellten.
    Wenn das alles ist, was beim Tennis manipuliert würde, dann wäre dies wirklich auch im Vergleich zu anderen Sportarten - zu vernachlässigen.

  2. Die Manipulationsvorwürfe machen schlichtweg keinen Sinn.
    Zumindest der Vorwurf bezüglich der Halbfinals ist einfach nicht korrekt.
    Bei jedem Tennisturnier gibt es eine Setzliste, die sich- mit Ausnahme von Wimbledon (hier fließt neben der Weltrangliste der Erfolg bei Rasenturnieren mit ein)-, komplett an der derzeitigen Weltrangliste orientiert. Heißt, dass die Nummer 1 der Welt im Halbfinale immer auf die Nummer 4 der Welt treffen wird (und die Nummer 2 immer auf die Nummer 3)- vorausgesetzt diese 4 Spieler sind noch im Turnier.
    Bleiben die "kleineren" Gegner in den ersten Runden für Federer und Nadal. Und ob das wirklich einen Artikel wert ist- naja.

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    das stimmt übrigens nicht. die nummer 1 trifft ganz sicher nicht immer auf die nummer 4, sondern manchmal auf die nummer 3 und es war wirklich so dass bei allen grand slam turnieren in diesem jahr fed-djo und nad-mur für das semifinale herauskam, bei den us open war djokovic als 1 und federer als 3 gesetzt. in paris war es auch schon anders gesetzt, bei den us open und wimbledon aber meiner erinnerung nach nicht.

  3. denn wenn es tatsaechlich so sein sollte, koennte man jederzeit andere Spieler ins System mit einbauen. Es ginge ggf. ja nicht darum imm er nur Federer und Nadal gewinnen zu lassen, sondern das Paar zu koordinieren, das fuer den Zuschauer die groesste Attraktivitaet darstellt. Es waere schon der Hammer und Betrug am Zuschauer und natuerlich den anderen Spielern, wenn das nachgewiesen werden koennte. Das wird allerdings schwierig bis unmoeglich. Aber abstellen ließe es sich problemlos, wenn man akribisch sicherstellt, dass die Auslosung absolut transparent, ueberwacht und in der Oeffentlichkeit durchfuehrt. Wahrscheinlich waere schon, dass sich dei Zufallspaarungen dann "zufaellig" aendern und diese ungewoehnlichen Haeufungen schlagartig aufhoeren. Darauf sollte man hinarbeiten.

    Antwort auf "Sagen wir mal so..."
    • Dirac
    • 08. November 2011 12:17 Uhr

    Und wohl auch noch nie von einer Setzliste gehört?

    Antwort auf "Warum?"
  4. Wird der an drei gesetzte Spieler immer in die untere und der an vier gesetzte Spieler immer in obere Hälfte gesetzt oder wird das 50/50 gelost? Mir ist auch aufgefallen, dass die Begegnungen 1/4 und 2/3 sehr viel häufiger waren als 1/3 und 2/4. Bisher war ich aber der Meinung, dass hier eine feste Setzliste zu Grunde liegt und zwar für alle 32 gesetze Spieler bei einem GS.
    Interessant wäre auch zu wissen wie der Wert 131.072 zu 1 errechnet wird.

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    Mir ist auch aufgefallen, dass die Halbfinals eigentlich immer auf Nadal vs Murray und Federer vs Djokovic rauslaufen - selbst zu den Zeitpunkten, als sich die Weltrangliste verändert hat. Ein festes Reglement scheint es also diesbezüglich nicht zu geben, oder aber es wird getrickst

  5. ... einfach genau hinschaut. Dass so etwas möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Wo viel Geld im Spiel ist, steigt die Versuchung, noch mehr Geld haben zu wollen. Aber vor aller Augen an der Auslosung "schrauben", das hätte ich nicht gedacht. Gewünscht hätte ich mir vom Artikel eine genauere Erläuterung der statistischen Zusammenhänge mit Beispielen.

    Wenn man sich das anschaut, so wie es der "Spiegel" vor einigen Wochen getan hat, ist völlig klar, dass die Auslosungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zufällig zustande kamen.

    Die beteiligten Spieler können so etwas schlecht übersehen haben. Ist das Wichtigste, dass die Geldmaschine läuft?

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