Unter normalen Umständen wäre in der Taberna de Dominguez kein Platz mehr frei. Real Madrid spielt. Doch an diesem Mittwoch haben José Luis Ramos und seine Bekannten vom Madrider Fan-Club "Alvarado" die Eckkneipe im Stadtviertel Chamberí fast für sich allein. Fast niemand schaut zum Fernseher, oben in der Ecke, eingerahmt von Stierkampf-Fotos, Spanien-Flaggen und Schals von Real Madrid. Es ist nur Champions-League, Real ist bereits für die nächste Runde qualifiziert.

Vor allem aber können Madrids Fans derzeit nur noch an das Duell gegen den FC Barcelona am Samstag denken. José Luis, seine Frau Carmen, Ramón, Pedro und Luis verlieren sich in hitzige Debatten über mögliche Spielzüge und Mannschaftsaufstellungen von Real-Trainer José Mourinho, um es dem FC Barcelona diesmal endlich zu zeigen. "Das ist mehr ist als nur ein Spiel", sagt José Luis, der Fanclub-Präsident.

"El Clásico", wie die Spanier das Duell der beiden weltweit wohl besten Vereinsmannschaften nennen, sei pure Leidenschaft, eine Frage der Ehre, sagt Ramón. Und die von Madrid war zuletzt arg angekratzt. Vor zweieinhalb Jahren verlor Real mit 2:6 im eigenen Stadion. Im November 2010 demütigte Barcelona auch die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira mit einem 5:0 im Camp Nou. Real Madrid gewann im Frühjahr 2011 zwar das Pokalfinale gegen die Katalanen, blieb im weitaus prestigeträchtigeren Champions-League-Halbfinale aber chancenlos.

Real ist in Top-Form

Doch nun sind Mourinhos Mannen erstmals seit Jahren wieder Klassiker-Favorit. Real ist in Top-Form, geht das Gipfeltreffen mit der historischen Serie von 15 Siegen in Folge an. Auch in der Champions League ist die Weste der Madrilenen weiß geblieben. Mit einem aggressiven Angriffsfußball um Cristiano Ronaldo, Benzema, Higuaín, Di María und Özil erzielte Madrid bereits 57 Tore und fing sich nur neun Gegentreffer ein. Der FC Barcelona dagegen schwächelte zuletzt, verlor gegen Getafe, ließ zuvor gegen Bilbao und Sevilla Punkte liegen. Sechs Zähler beträgt der Rückstand bereits, bei einer Clásico-Niederlage wären es Neun. Gibt es am Samstag eine Wachablösung in Spanien, Europa, in der Welt?

Für Barça-Star Cesc Fabregas ist Real Madrid "im Moment die beste Mannschaft der Welt". Und selbst sein Trainer Pep Guardiola gibt zu, dass eine Niederlage im Bernabéu-Stadtion am Samstag sehr gefährlich sei: "Neun Punkte gegen Madrid aufzuholen, wäre sehr schwierig". "Ich denke, sie sind besser als letztes Jahr. Sie spielen als Team besser zusammen und haben sich verbessert. Sie befinden sich in einer ausgezeichneten Verfassung", sagte Barcelonas Torwart Victor Valdes Anfang der Woche.