Zwanziger-Nachfolge Der DFB fürchtet den Gottschalk-Effekt

Wie bei "Wetten, dass..?": Immer mehr Präsidentschaftskandidaten sagen dem DFB ab. Nun läuft alles auf Generalsekretär Wolfgang Niersbach hinaus.

Favorit auf den Chefposten: DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach

Favorit auf den Chefposten: DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach

Es könnte am Mittwochmorgen beim größten Sportverband der Welt so enden wie am Samstagabend bei der größten Unterhaltungsshow Europas. Der letzte respektable Kandidat wird vom bisherigen Alleinherrscher gefragt, ob er die reizvolle Aufgabe denn nicht übernehmen wolle. Der bittet noch einmal um Bedenkzeit und sagt dann ab.

Wie bei "Wetten, dass...?" gesehen könnte es auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) geschehen, falls der bisherige Generalsekretär Wolfgang Niersbach doch nicht zum Präsidenten aufsteigen will. Zurück bliebe dann Zwanziger, der nach der massiven Kritik an seiner Amtsführung holterdipolter seinen Rücktritt ankündigte und damit umgehend – wenn auch von ihm ungeplant – einen Machtkampf auslöste.

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Nach Informationen des Tagesspiegels hat sich das Feld am Montag auf nur noch einen Favoriten reduziert: den ehemaligen Sportjournalisten Niersbach. Aus dem Lager der Amateure, gegen das kein DFB-Präsident gekürt werden kann, zieht sich der süddeutsche Verbandschef Rainer Koch auf die Rolle des Königsmachers zurück. Koch liegt im DFB vor allem eine wichtige Stimme des Amateurlagers am Herzen – die er ohne Zwanziger, mit dem er sich überworfen hatte, wieder wäre. Auch aus den Reihen der Profiverbände winkte – aus ähnlichen Motiven – der stärkste Kandidat ab: Ligapräsident Reinhard Rauball. Der 64-Jährige, der nicht nur als Präsident von Borussia Dortmund stets eine souveräne Figur abgibt, will weiterhin die Profiklubs vertreten.

Favorit für den Chefposten ist nun Niersbach, der zwar als hauptamtlicher Generalsekretär durchaus auf Skepsis in Amateurverbänden stößt, sein Amt aber geschickt ausfüllt. Der 61-Jährige hat prominente Fürsprecher in der Öffentlichkeit (etwa seinen Förderer Franz Beckenbauer), gute Kontakte zur Nationalmannschaft (bei der er einst als Pressechef arbeitete) sowie enge Verbindungen zum Ligaverband (etwa zu DFL-Generalsekretär Christian Seifert). Er wollte sich am Montag nicht äußern. Niersbach soll sich am Mittwoch erklären, wenn die Regionalverbände mit dem DFB-Präsidium die Zukunft nach Zwanziger besprechen. Die könnte schon bald beginnen.

Zwanzigers Plan, einen externen Kandidaten als Nachfolger zu installieren, um selbst noch bis zum Oktober als Chef zu regieren und danach als Königsmacher weiter reinregieren zu können, hat bislang wenig Chancen. Er käme nur zum Tragen, sollte auch Niersbach absagen. Dann hätte Zwanzigers Kandidat, der ehemalige Präsident des VfB Stuttgart Erwin Staudt, unversehens noch Chancen.

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