Fußball-Bundesliga: 1899 Hoffenheim hat ein Fanproblem
Bisher musste der Retortenclub gegen die Ressentiments auswärtiger Fans kämpfen. Nun wenden sich eigene Anhänger ab. Spieler und Trainer sind frustriert.
© Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski
Bei 1899 Hoffenheim kennt man sich aus mit Imageproblemen. Vor dem wenig attraktiven Pokal-Achtelfinale gegen den FC Augsburg (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker) steht der Verein aber vor einem ungewohnt neuen Problem. Bisher musste der Club aus dem Kraichgau vor allem außerhalb seines Stammlandes um Akzeptanz ringen. Dass das zum ersten Mal im Kernland des Bundesligisten auftritt, macht die Problembewältigung um einiges schwieriger.
Nach dem 1:1 gegen Hertha BSC, einem in vielen Belangen leidenschaftslosen Auftritt und dem dritten Heimspiel in Folge, in dem es einen späten Ausgleich zu verkraften galt, folgten Schimpfkanonaden gegen die eigenen Zuschauer. Torwart Tom Starke und Präsident Peter Hofmann traten mit teilweise drastischen Vorwürfen als Wortführer auf.
Dabei hatte die Anhängerschaft zuvor schon mit den "Füßen" abgestimmt und ein erstes Signal gesendet, im Verhältnis von Zuschauer und Verein könnte etwas in eine ungute Schieflage geraten sein. Zum ersten Mal kamen "nur" rund 25.000 Besucher und damit etwa 5.000 weniger als sonst. Und diesmal pfiffen die enttäuschten Zuschauer noch früher als in den vergangenen Wochen.
Lange kümmerte man sich bei 1899 Hoffenheim vor allem darum, im Rest der Republik anerkannt zu werden, was schwer genug fiel und von allerlei Rückschlägen begleitet wurde. Etwa der Schall-Attacken-Affäre, dem kritisch betrachteten Engagement von Mäzen Dietmar Hopp und dem daraus resultierenden Image, zur Not Geld ausgeben zu können wie Dagobert Duck. Die PR-Strategen aus dem Kraichgau wollten ihren Klub sympathischer machen, wozu auch die Verpflichtung des Hamburger Motivators Holger Stanislawski gehörte. Offen wurde die Nachricht einer neuen Welle der Spar-Vernunft bei 1899 verkündet.
Doch von Charme-Offensive war nach dem Hertha-Spiel nichts mehr zu spüren. "Die Zuschauer haben kein Recht, uns zu kritisieren", sagte Starke, der noch auf dem Platz mit Gesten seinem Unmut Luft machte. "Ich habe für die Pfiffe kein Verständnis. Ich nehme die echten Fans der TSG von der Kritik aus. Das sind aber nur die 1.000 hinter mir im Fanblock. Die anderen 20.000 sind neutrale Fußball-Zuschauer, keine Fans. Da muss man 5:0 gewinnen, dann stehen sie auf und klatschen."






Da tut man alles, um den Fußballfans zu gefallen, und die danken es einem mit Verweigerung? Das ist wirklich gemein. Man holt die besten Berater, große Sympathieträger, naja...auch einen (sportbegeisterten) Investor usw usw...aber die Liebe will einfach nicht entbrennen? Tja, sowas kommt vor im Leben. Versuche ich übrigens meinen Kindern mitzugeben, dass man Zuneigung nicht erzwingen kann - man erreicht eher das Gegenteil.
Besonders lebensfremd finde ich bei den Hoffenheimer Verantwortlichen, dass sie schon nach den paar Jährchen die entsprechenden Erfolge (also allgemeine Zuneigung) erwarten. Das dauert sehr lange, wenn es überhaupt jemals klappt. Fragt mal nach bei Leverkusen.
...erstmal haben Sie sicherlich recht mit allem was Sie sagen.
Dazu kommt aber mE noch, dass man vor Jahren doch mit der Aussage man wollen ein "Projekt" auf die Beine stellen, wonach das Team aus der Jugend (die man wie sich mittlerweile herausgestellt hat auf aggressivste Weise bei anderen Vereinen "besorgt") bestehen soll. Nun erinnert sich irgendjemand überhaupt an einen Spieler aus der eigenen Jugend? Leute wie Vukcevic oder Terrazzino sind auch schon vom Erdboden verschwunden. Ich fand Hoffenheim anfangs interessant, wand mich aber seit den Transfers in Liga 2 dann ab. Die TSG ist dann doch nur so ein normaler Retortenverein wie Bayer oder Wolfsburg auch.
...erstmal haben Sie sicherlich recht mit allem was Sie sagen.
Dazu kommt aber mE noch, dass man vor Jahren doch mit der Aussage man wollen ein "Projekt" auf die Beine stellen, wonach das Team aus der Jugend (die man wie sich mittlerweile herausgestellt hat auf aggressivste Weise bei anderen Vereinen "besorgt") bestehen soll. Nun erinnert sich irgendjemand überhaupt an einen Spieler aus der eigenen Jugend? Leute wie Vukcevic oder Terrazzino sind auch schon vom Erdboden verschwunden. Ich fand Hoffenheim anfangs interessant, wand mich aber seit den Transfers in Liga 2 dann ab. Die TSG ist dann doch nur so ein normaler Retortenverein wie Bayer oder Wolfsburg auch.
Wie kann man denn für ein Wirtschaftsunternehmen "Fan" sein?
Die Spieler wechseln die Vereine wie das Hemd, und der Zuschauer soll treu bis in den Tod sein?
Danke, ZEIT, für die treffende Formulierung. In Hoffenheim konnte keine Fankultur über viele Jahre wachsen, die Tradition des Vereins liegt mehrere Klassen unter der Bundesliga. Spieler und Trainer sind Söldner, das Publikum ist zur Unterhaltung, aber nicht mit dem Herzen da.
Ehrlich gesagt, freue ich mich, daß doch ein Unterschied besteht zwischen Hoffenheim und anderen, lange gewachsenen, Bundesligavereinen.
"Ich habe für die Pfiffe kein Verständnis. Ich nehme die echten Fans der TSG von der Kritik aus. Das sind aber nur die 1.000 hinter mir im Fanblock. Die anderen 20.000 sind neutrale Fußball-Zuschauer, keine Fans. Da muss man 5:0 gewinnen, dann stehen sie auf und klatschen."
Oha, da fährt der gute Herr Starke wohl auf der gleichen Schiene, wie gewisse andere Fangruppen. Dann sollen die "unechten" Fans und neutralen Zuschauer, also nach Starkes Rechnung mehr als 20 mal soviel wie die "echten" Fans, demnächst einfach mal zu Hause bleiben. Am besten für die gesamte Saison. Starke wäre auf Grund von fehlenden Einnahmen arbeitslos und die Fernsehrechte am Fussball würde sich vielleicht 9Live schnappen. Chapeus!
Fussballer sind auch nur Menschen, wohl war. Wir reden hier aber nicht von massiven Drohungen, sondern von Pfiffen die aus jeder (!) Ecke des Stadions kommen. Starke sollte sich vielleicht mal überlegen, wodurch der Sport lebt und vor allem überlebt. Nicht allein durch die 1000 Fans hinter ihm, sondern vor allem durch die "unechten" Fans.
9live hat leider im August den Sendebetrieb eingestellt. Das dies noch nicht überall hin durchgedrungen ist, zeigt welch großen Verlust dies für die deutsche Medienlandschaft darstellt. Ebenso groß wäre der Verlust für den deutschen Fußball, wenn Hoffenheim den Spielbetrieb einstellen würde.
Obwohl ich nur 30 km zum Stadion habe würde ich niemals auf die Idee kommen ein Heinspiel zu besuchen und ich kenne viele denen es ebenso geht oder die ihre Stadionbesuche eingestellt haben.
9live hat leider im August den Sendebetrieb eingestellt. Das dies noch nicht überall hin durchgedrungen ist, zeigt welch großen Verlust dies für die deutsche Medienlandschaft darstellt. Ebenso groß wäre der Verlust für den deutschen Fußball, wenn Hoffenheim den Spielbetrieb einstellen würde.
Obwohl ich nur 30 km zum Stadion habe würde ich niemals auf die Idee kommen ein Heinspiel zu besuchen und ich kenne viele denen es ebenso geht oder die ihre Stadionbesuche eingestellt haben.
"Auch der ehemalige Trainer Ralf Rangnick hatte sich einmal über VIP-Gäste auf der Haupttribüne beschwert, die zu spät vom Büffet zur zweiten Hälfte auf ihre Sitze zurückkehrten."
Ich hab fast am Boden gelegen vor Lachen.
Als ob Fußball so spannend wäre, daß man keine Minute verpassen darf. Oder daß dort sowas wie eine "Etquette" gelten würde...
Zum Thema:
Kommentator 1 hat Recht! Man kann und sollte es nicht erzwingen. Und Gegenmeckern hat noch in den seltensten Fällen geholfen. Lieber schön vor der eigenen Türe kehren, sich bemühen, dann kommen die "Fans" auch wieder.
9live hat leider im August den Sendebetrieb eingestellt. Das dies noch nicht überall hin durchgedrungen ist, zeigt welch großen Verlust dies für die deutsche Medienlandschaft darstellt. Ebenso groß wäre der Verlust für den deutschen Fußball, wenn Hoffenheim den Spielbetrieb einstellen würde.
Obwohl ich nur 30 km zum Stadion habe würde ich niemals auf die Idee kommen ein Heinspiel zu besuchen und ich kenne viele denen es ebenso geht oder die ihre Stadionbesuche eingestellt haben.
nicht für Fußball, oder sie mögen den Verein und sein Umfeld nicht. Sonst würden Sie nicht mit solch abfälliger Kritik im Forum erscheinen. Mal abgesehen von der Tradition und der Entwicklung des Club's, finde ich haben die Leute um Herrn Hopp hier was sehr beachtliches auf die Beine gestellt. Sein Geld hätte er auch woanders ausgeben können, nur hier hat der Region, die ja nun nicht gerade zu den Topadressen im Sport gehört, den TSV Hoffenheim so mit aufgebaut, daß er doch sehr ordentlich in 1. Bundesliga mitspielt. Das sollte man erst einmal wertfrei konstatieren. Wer selber einmal Leistungssport getrieben hat, kann nachvollziehen, wenn nach der zigtem, den eigenen Ansprüchen nicht gerechten Leistung, gerne dazu neigt, jemand anders dafür verantwortlich zu machen, aus reinem Frust. Da sollten die Herrschaften mal in sich gehen. Ich wäre jedenfalls froh einen solchen Verein in der Nachbarschaft zu haben. Bei uns ist weit und breit kein Herr Hopp zu sehen. ( NRW - bergisches Land )
Tolles Argument, ich kenne z.B. einige Bremer, die noch nie bei Werder waren...
Hier wird aus einer Maus ein Elefant gemacht: Gerade wurde beim Tabellen-Sechsten die Mannschaft regelrecht auseinandergenommen und auch dort haben sich die entsprechenden Personen ähnlich geäußert.
Es ist natürlich schwierig, die mit der Debüt-Saison selbst gesetzten Erwartungen auch nur ansatzweise zu erfüllen, aber so wie die Mannschaft momentan spielt (und dazu gehören z.B. auch die vergeigten Führungen) würde es mich deutlich mehr stören, wenn die Fans nicht pfiffen! Und wenn das kein Operettenpublikum wäre, wären vermutlich noch ganz andere Dinge passiert. Darüber zu jammern ist armselig.
nicht für Fußball, oder sie mögen den Verein und sein Umfeld nicht. Sonst würden Sie nicht mit solch abfälliger Kritik im Forum erscheinen. Mal abgesehen von der Tradition und der Entwicklung des Club's, finde ich haben die Leute um Herrn Hopp hier was sehr beachtliches auf die Beine gestellt. Sein Geld hätte er auch woanders ausgeben können, nur hier hat der Region, die ja nun nicht gerade zu den Topadressen im Sport gehört, den TSV Hoffenheim so mit aufgebaut, daß er doch sehr ordentlich in 1. Bundesliga mitspielt. Das sollte man erst einmal wertfrei konstatieren. Wer selber einmal Leistungssport getrieben hat, kann nachvollziehen, wenn nach der zigtem, den eigenen Ansprüchen nicht gerechten Leistung, gerne dazu neigt, jemand anders dafür verantwortlich zu machen, aus reinem Frust. Da sollten die Herrschaften mal in sich gehen. Ich wäre jedenfalls froh einen solchen Verein in der Nachbarschaft zu haben. Bei uns ist weit und breit kein Herr Hopp zu sehen. ( NRW - bergisches Land )
Tolles Argument, ich kenne z.B. einige Bremer, die noch nie bei Werder waren...
Hier wird aus einer Maus ein Elefant gemacht: Gerade wurde beim Tabellen-Sechsten die Mannschaft regelrecht auseinandergenommen und auch dort haben sich die entsprechenden Personen ähnlich geäußert.
Es ist natürlich schwierig, die mit der Debüt-Saison selbst gesetzten Erwartungen auch nur ansatzweise zu erfüllen, aber so wie die Mannschaft momentan spielt (und dazu gehören z.B. auch die vergeigten Führungen) würde es mich deutlich mehr stören, wenn die Fans nicht pfiffen! Und wenn das kein Operettenpublikum wäre, wären vermutlich noch ganz andere Dinge passiert. Darüber zu jammern ist armselig.
schien mir Hoffenheim recht beliebt zu sein, führten Sie in der Hinrunde doch recht lange die Liga an.
Da mochte ich Hoffenheim noch, da ein ziemlich unterhaltsamer Fußball mit offenem Schlagabtausch gespielt wurde.
Was ist daraus geworden?
Ich mag immer noch Spieler wie Ibisevic, aber so lange man nicht zur "alten" Leidenschaft zurück findet und auch noch die Fans beschimpft, wird sich nichts zum positiven entwickeln.
Mir ist es Allerdings ein Rätsel wie Schalke in manch schlechten Jahren mit jeweiligen Söldnertruppen und schlechten Ergebnissen so viele Fans ins Stadion locken konnte, aber das ist wohl halt die Tradition und der Kult der Hoffenheim fehlt.
Ich sehe da eher wieder die Medien als Verursacher von Theatralik. Ist doch normal das die Leute pfeiffen wenn da im Stadion ein Grottenkick abgeliefert wird. Das gibts in jedem Stadion. Schlimm is nur das die Spieler sich dagegen auflehnen. Wenn ich als Fan Frust habe lass ich den auch im Stadion ab, damit muss jeder Spieler umgehen können, und schaun das er Leistung bringt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren