Uli Hoeneß"Diese Medienberieselung macht die Leute krank"

Im Interview präsentiert der Bayern-Präsident Uli Hoeneß seine Lösung der Schuldenkrise und wundert sich, warum Borussia Dortmund Mannschaft des Jahres wurde. von Christian Kunz

Der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß

Der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Frage: Herr Hoeness, haben Sie Vorsätze oder Ziele für 2012?

Uli Hoeneß: Vorsätze habe ich immer, fünf oder zehn Kilo abzunehmen, aber das ist an Silvester immer so. Manchmal klappt's, dann nicht. Die beste Therapie für mich wäre stressfrei zu sein. Wenn die Mannschaft gut spielt, habe ich gute Chancen.

Anzeige

Frage: Die Mannschaft hat Ihnen zuletzt sehr viel Freude gemacht, so kann es doch weitergehen, oder?

Hoeneß: Es hat selten ein Jahr gegeben, wo wir so rundum zufrieden sein konnten, es ist ja alles unvorstellbar, wenn man das Gesamtbild anschaut. Es geht ja nicht nur um die Herbstmeisterschaft und Champions League, sondern auch um die wirtschaftliche Situation, es ist Ruhe im Verein, kein Krach, kein Streit, es gibt keine großen Konflikte. Wenn Sie mal die Welt anschauen, Syrien, in Ägypten geht es wieder los, in den Parteien jeder gegen jeden, die Grünen gegen die Roten, aber auch die FDP in sich, CDU/CSU Gott sei Dank nicht im Moment, ist mein Geheimrezept für alles Erfolgreiche: sich einig sein, alle Konflikte intern lösen. Anders geht es nicht.

Frage: Das ist der große Unterschied zum Vorjahr?

Hoeneß: Wir haben keine Reibungsverluste innerhalb des Clubs, wir können draußen angreifen. Wir haben hier drin oft genug Sitzungen gehabt, die waren boring, würde der Engländer sagen. Die kosten zu viel Kraft.

Frage: Das war beim Ex-Trainer Louis van Gaal auch ein bisschen so, oder?

Hoeneß: Ich will jetzt das Thema van Gaal beenden. Es war einfach nie das, was wir uns vorgestellt haben. Fachlich brauchen wir nicht diskutieren, das war okay. Aber du darfst heutzutage keine Reibungsverluste haben. Es gehört nicht nur fachliche Kompetenz dazu, sondern auch menschliche.

Frage: Wenn alles so rund läuft in diesem Jahr, kann es ja nur in dem einem oder anderen Titel enden.

Hoeneß: Ja, aber man darf nicht vergessen, draußen gibt es auch andere gute Mannschaften. Und unsere Gegner, in Deutschland sind es Dortmund, Schalke und Gladbach, die haben den Vorteil, sie haben gar keinen Europapokal mehr. Okay, Schalke spielt Europa League, aber die haben die Champions League nicht mehr. In der Champions League wollen wir weit kommen. Dort ist Real Weltklasse dieses Jahr, Barcelona sowieso, dann kommt vielleicht noch der eine oder andere Engländer. Auch die Italiener darf man nie unterschätzen.

Frage: Und dann der FC Bayern, der Ihnen in dieser Serie viel Freude gemacht hat. Zum Beispiel mit vielen Siegen in Serie...

Hoeneß: Was ich besonders genossen habe, waren diese vier, fünf Heimspiele, wo wir Fußball zelebriert haben. Wir hatten es ja oft in den letzten Jahren: 1:0 geführt, gezittert, mit Mühe und Not das zweite gemacht, und dann irgendwann vielleicht 2:1 gewonnen. Aber diesmal waren da Spiele bei, ich denke an Hertha, Freiburg, Hamburg. Da war nach einer halben, dreiviertel Stunde alles gegessen. Dann sitzt du ja ganz anders da oben, dann genießt du, dann kannst du in der Halbzeit mal einen Glühwein trinken, wenn es kalt ist, oder einen Apfelstrudel essen.

Frage: Über was redet man da oben eigentlich?

Hoeneß: Ich sage ja während des Spiels gar nichts (schmunzelt). Der Karl-Heinz (Rummenigge, d. Red.) spricht ja immer. Der muss immer aufpassen, dass er nicht zu viel spricht.

Frage: Wer ist da oben der Ruhigste? Wer der Impulsivste?

Hoeneß: Karl Hopfner ist natürlich der allerruhigste von uns allen. Aber ich bin auch ruhig – im Gegensatz zu Karl-Heinz bin ich ein Lamm! Aber weil wir beide immer so ruhig sind, schaut Karl-Heinz uns oft an und sagt: War ich jetzt wieder zu weit?

Frage: Ist es oben auf der Tribüne eigentlich schöner als auf der Bank?

Hoeneß: Auf der Bank ist es natürlich intensiver. Oben bist du noch ohnmächtiger, da bist du fast schon im Himmel. Beides hat seine Vorteile. Es ist eine neue Zeit. Da unten war es natürlich Adrenalin pur, wenn du noch den Linienrichter beschimpfen konntest und dem Schiedsrichter auf dem Weg in die Kabine sagen konntest: Was sie heute wieder pfeifen, das geht ja gar nicht!

Frage: Haben Sie einen Spieler des Jahres ausgemacht?

Hoeneß: Ich hätte schon den einen oder anderen, aber ich möchte ihn eigentlich nicht nennen, weil man damit die anderen ein wenig abwertet. Wenn ich jetzt jemanden nenne, das ist halt leider so, dann geht vielleicht jemand anderes zu ihm hin und sagt: Hat der Hoeneß was gegen dich? Du hast doch eine Super-Saison gespielt! Deswegen lass ich es.

Frage: Aber der Spieler käme schon vom FC Bayern.

Hoeneß: Was mich jetzt wieder gewundert hat: Dortmund wird deutscher Meister, fliegt in der Champions League in hohem Bogen raus – wird aber Mannschaft des Jahres. Ein Jahr vorher wurden wir deutscher Meister, Pokalsieger, waren im Champions-League-Finale, wurden aber nicht Mannschaft des Jahres. Also da wundert man sich manchmal schon. Die Relation ist manchmal schon komisch.

Leserkommentare
  1. Das sehe ich inzwischen auch so. Überall lauern Werbebotschaften. Radio höre ich schon seit Jahren nicht mehr (auch nicht im Auto) und das Fernsehen wird auch bald ganz abgeschafft. In meiner Wohnung will ich Ruhe vor diesem Wahnsinn haben. Nicht lachen, aber ich verwende für alles neutrale Verpackungen. Sollten Sie ´mal ausprobieren. Trotzdem bleibe ich Dortmund-Fan !

    2 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 29. Dezember 2011 11:01 Uhr

    Meine Fresse, der Mann lechzt wirklich nach Aufmerksamkeit. Ja, Dortmund wurde zur Mannschaft des Jahres gewählt und das ist durchaus berechtigt. Dortmund hat in der Saison 2010/2011 begeisternden Fußball gespielt und nicht immer ist bei so einer Wahl das nackte Ergebnis entscheidend (dafür gibt es Tabellen), sondern auch das Wie. Und beim Wie hat Bayern in der Saison 2010/2011 eher bescheiden abgeschnitten. Begeistert haben sie mich jedenfalls nicht.

    Ach, ich bin übrigens weder Dortmund noch Bayern Fan.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Saison 2010/11 des FC Bayern, sondern um die Saison 2009/10. Und da wäre es mehr als berechtigt gewesen, den FCB zur Mannschaft des Jahres gewählt zu haben, bei 2 nationalen Titeln und der Champions-League-Finalteilnahme.
    Um das anzuerkennen, muss man auch kein Bayern-Fan sein.

    ... ist es in meinen Augen ein Symptom der erwähnten "Medienberieselung", dass der BVB zur Mannschaft des Jahres gekürt wurde, den die Leistungen des BVB in der Liga werden nun mal auch von den blamablen und hinten heraus auch unverschämten Darbietungen auf internationaler Bühne überschattet, und auch in der Liga war nicht immer alles Gold. Im Falle des BVB haben die Medien die Objektivität über Bord geworfen.

    Allerdings gab es auch nicht viele Mannschaften, die man hätte nominieren können. Die Nationalmannschaft hat zwar ein noch begeisterndes Jahr hinter sich, aber in diesem Jahr ging es nur um die Qualifikation für die EM und Achtungserfolge gegen große Mitkonkurrenten. Die Nationalmannschaft, die in erster Linie an ihren Turnierleistungen gemessen wird, auszuzeichnen, wäre eine von einem ähnlichen Hype getragene Entscheidung gewesen.

    Und es hätte noch schlimmer kommen können. Was wenn die Frauen eine zufriedenstellende Heim-WM gespielt hätten? Dann wären sie ohne Frage ausgezeichnet worden, schlichtweg weil die Medien das Spiel des DFB weitestgehend mitgespielt haben und die WM der Frauen wie das Sommermärchen 2006 erscheinen lassen mussten.

    So gesehen ist der der BVB der Gewinner eines Jahres, in dem sich nicht allzu viele Mannschaften (mit der ausreichenden "Strahlkraft") aufgedrängt haben. Aber es ist schon ein wenig enttäuschend, dass der Hype um den BVB von den blamablen Leistungen in Europa nicht berührt wird.

    P.S.: Ich bin auch kein Fan irgendeines Klubs.

    • Psy03
    • 29. Dezember 2011 11:30 Uhr

    in JEDER Werbepause auf JEDEM Sender Hoeneß und Schuhbeck Mc Donalds Werbung. Aber IHN macht die Medienberieslung krank...
    Hoeneß - Du Bazi!

    10 Leserempfehlungen
  2. Saison 2010/11 des FC Bayern, sondern um die Saison 2009/10. Und da wäre es mehr als berechtigt gewesen, den FCB zur Mannschaft des Jahres gewählt zu haben, bei 2 nationalen Titeln und der Champions-League-Finalteilnahme.
    Um das anzuerkennen, muss man auch kein Bayern-Fan sein.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Typischer Hoeneß"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass es eine erfolgreiche Saison für Bayern war. Aber es ist ja nicht so, dass ein anderes Bundesliga-Team gewählt wurde, sondern die Nationalmannschaft. Und dass diese in jenem Jahr mehr begeistert hat, dürfte ja wohl klar sein.
    Ich hatte zum Beispiel auch schon wieder vergessen, dass Bayern im CL-Finale war.

    • kinnas
    • 29. Dezember 2011 11:51 Uhr

    Zum Glück fließt da mehr ein, als das Ergebnis, zB mit welchen Mitteln und welcher Mannschaft man das Ergebnis erreicht.

    Es ist sicherlich eine größere Leistung, eine sehr junge unerfahrene Mannschaft zur Meisterschaft zu führen, als eine Mannschaft, welche die vorgeblich besten Spieler der Bundesliga vereint.

    Trotzdem hat der FCB über Jahre hinweg sehr gute Arbeit geleistet, das streitet glaube ich auch fast niemand ab.

    4 Leserempfehlungen
  3. dass es eine erfolgreiche Saison für Bayern war. Aber es ist ja nicht so, dass ein anderes Bundesliga-Team gewählt wurde, sondern die Nationalmannschaft. Und dass diese in jenem Jahr mehr begeistert hat, dürfte ja wohl klar sein.
    Ich hatte zum Beispiel auch schon wieder vergessen, dass Bayern im CL-Finale war.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich weiß es auch nur noch, weil sie in besagtem Finale gegen meine Mannschaft verloren haben ;)

    Wo spielt der BVB denn Ihrer Meinung nach?
    Um den BVB - also ein anderes Bundesliga Team - geht es hier doch.

  4. in 3 Jahren auch eine Meistermannschaft aus 18 und 19 jährigen aufgebaut haben, dann werden die Bayern mal wieder Mannschaft des Jahres .... Mit einer > 100 Mio Truppe erfolge zu erzielen ist nichts besonderes.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nicht verstanden, dass die Millionen nicht von "einer reichen Tante geerbt", sondern erwirtschaftet und reinvestiert wurden.

    Die einen können es, die anderen versuchen es ;).

    • Creo
    • 04. Januar 2012 18:42 Uhr

    Falls Sie sich auf den BVB beziehen, so sei gesagt, die haben nicht mit einer im Schnitt 18,5 Jahre alten Mannschaft die Meisterschaft geholt! Da waren auch noch andere dabei!
    Und eins ist sicher der BVB wurde stark gehypt..

    Ma n paar Jahre oben bleiben, dann mit den Großen brüllen würde dem BVB und seinen Fans gut stehen!

    Gruß aus dem Süden

  5. nicht verstanden, dass die Millionen nicht von "einer reichen Tante geerbt", sondern erwirtschaftet und reinvestiert wurden.

    Die einen können es, die anderen versuchen es ;).

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wenn die Bayern"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service