Reinhard Rauball: "Pyrotechnik ist für mich keine Fankultur"
Der Ligachef Reinhard Rauball plädiert für null Toleranz bei Fangewalt. Zudem fordert er, dass der DFB-Präsident Theo Zwanziger möglichst vor der EM zurücktritt.
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Hamburger Fans im Dezember in Mainz
Frage: Herr Rauball, warum wollten Sie nicht DFB-Präsident werden?
Reinhard Rauball: Der Profifußball ist mein Zuhause. Ich bin zum dritten Mal Präsident bei Borussia Dortmund und zum zweiten Mal zum Ligapräsidenten gewählt worden. Der Amateurfußball setzt andere Akzente, da ist ein DFB-Präsident auf ganz andere Weise gefordert. Deshalb habe ich zu keinem Zeitpunkt über die Frage nachgedacht.

Reinhard Rauball ist Politiker, Rechtsanwalt und Fußballfunktionär. Der 64-Jährige ist Präsident des aktuellen Deutschen Meisters Borussia Dortmund und seit 2007 Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL).
Frage: Wie haben Sie die Rücktrittsankündigung von Theo Zwanziger erlebt?
Rauball: Ich war überrascht – auch darüber, dass ich das nicht früher erfahren habe. Das habe ich Theo Zwanziger auch so gesagt.
Frage: Wann haben Sie es denn erfahren?
Rauball: An jenem Freitag, als es alle erfahren haben. Er hat einen engen Kreis, dem ich angehörte, in Kenntnis gesetzt – kurz vor der Weihnachtsfeier, bei der er diesen Schritt verkündete. Man hat das zu akzeptieren. Theo Zwanziger war und ist ein guter Präsident des DFB. Er musste sich schwierigen Themen stellen, was nicht immer einfach war. Ich hatte gehofft, dass er seine Amtszeit zu Ende führt.
Frage: Das klingt so, als ob er gar nicht mehr im Amt sei.
Rauball: Er ist bis zu seiner tatsächlichen Rücktrittserklärung im Amt, im Zweifel bis 2013. Zu welchem Termin er den Rücktritt erklärt, steht noch nicht fest.
Frage: Theo Zwanziger hatte angekündigt, bis Oktober im Amt zu bleiben, obwohl sich die Spitzen des DFB auf Wolfgang Niersbach als Nachfolger geeinigt haben. Nun schließt er einen Rückzug im Februar oder März nicht mehr aus. Was denkt die Liga?
Rauball: Theo Zwanziger ist ein verantwortungsvoller Präsident. Und Wolfgang Niersbach ist ein verantwortungsvoller Generalsekretär. Ich glaube, dass der designierte und der jetzige Präsident untereinander ausloten sollten, welches der richtige Termin für die Übergabe ist. Sie sollten das in voller Verantwortung für den deutschen Fußball tun. Also möglichst vor der Europameisterschaft.
Frage: Ein Plädoyer für eine Lösung im Frühjahr?
Rauball: Es gibt sachliche Gründe dafür, es früher als im Oktober zu machen – vor allem die EM im Sommer. Ich räume ein, dass ich dieser Meinung bin und dass das Frühjahr ein guter Termin wäre. Der Respekt vor dem gewählten Präsidenten versagt es mir eigentlich, dies auszudrücken. Aber es ist schon meine Meinung.
Frage: Haben Sie ihm das schon gesagt?
Rauball: Nein, wir haben seit dem Tag seiner Erklärung nicht mehr miteinander geredet. Er war und ist sehr viel unterwegs für die Uefa und die Fifa.
Frage: Kann Herr Niersbach nicht schon pro forma Präsidentenaufgaben übernehmen?
Rauball: Nein, Theo Zwanziger ist Präsident. Er bleibt es bis zu dem Zeitpunkt, an dem er seinen Rücktritt erklärt. Bis dahin wird er das Amt sicherlich ausfüllen.
Frage: Trauen Sie ihm ein abgestimmtes Verhalten mit Herrn Niersbach zu?
Rauball: Ich halte beide für verantwortungsvolle Vertreter, die unter Hintanstellung persönlicher Interessen das Wohl des deutschen Fußballs im Auge behalten werden. Es sollte verhindert werden, dass jede Woche neue Termine und neue Argumente genannt werden. Deshalb sage ich: Die beiden sollen das jetzt untereinander abklären und dann mit den Landesverbänden abstimmen. Ich bin sicher, dass es dann eine vernünftige Lösung geben wird.
Frage: Das klingt so, als ob es auf alle Fälle nicht mehr bis Oktober dauern wird.
Rauball: Wie gesagt: Das ist meine Meinung.
Frage: Sie haben bislang eng mit Theo Zwanziger zusammengearbeitet. Hat ihn sein öffentliches Amt verändert? Wird man einsamer?
Rauball: Aus meiner Erfahrung als Ligapräsident kann ich bestätigen, dass man in einer hochverantwortungsvollen Position einsamer wird. Man verliert Freunde, weil man keine Zeit hat, sich um sie zu kümmern. Dass eine große Verantwortung die Grundhaltung eines Menschen verändert, halte ich für folgerichtig. In welchem Maße das geschieht, hängt von der Person ab. Hinzu kamen das überaus hohe zeitliche Engagement und Sachverhalte, die nicht so glücklich gelaufen sind und die regelmäßig öffentlich kommentiert und mitunter an seiner Person festgemacht wurden. Dass dies alles an einer Person nagen mag, kann sicher jeder nachvollziehen.
Frage: Wolfgang Niersbach soll Nachfolger sein. Welches sind seine wichtigsten Aufgaben?
Rauball: Diese Frage sollten Sie Wolfgang Niersbach stellen.
Frage: Bisher ist er als Generalsekretär nicht mit großen gesellschaftlichen Themen aufgefallen, wie sie Theo Zwanziger bearbeitet hat.
Rauball: Es hat in der Vergangenheit gute Präsidenten gegeben und es gibt im Ausland gute Präsidenten, die andere Schwerpunkte wählen. Jeder muss das tun, was er sich vorstellt. Dafür gibt es kein Lehrbuch, zumal im DFB vielschichtige Interessen bestehen, etwa bei den Regional- und Landesverbänden. Die muss man in Einklang bringen mit dem, was man als Präsident machen muss und möchte. Und vielleicht will man zusätzlich ein Highlight setzen.
Frage: Hat die Bundesliga Wünsche an den DFB?
Rauball: Ja, weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ansonsten werden wir Wünsche, etwa zum gemeinsamen Grundlagenvertrag, an den DFB übermitteln. Die Gespräche über die Verlängerung stehen im nächsten Jahr an.
Frage: Sollten Zuständigkeiten verändert werden? Der DFB verantwortet das von Skandalen erschütterte Schiedsrichterwesen.
Rauball: Bei der Trennung von Amateur- und Profibereich wurde entschieden: Sportgerichtsbarkeit, Sicherheit und Schiedsrichterwesen verbleiben beim DFB. Es darf nie der Verdacht aufkommen, dass handelnde Personen der Liga etwas mit Schiedsrichteransetzungen zu tun haben könnten. Es wäre aber möglich, eine Gesellschaft zu gründen, die zwischen beiden Verbänden angesiedelt ist – so wie in England. Dort ist die Liga Minderheitsgesellschafter und hat Rechte in Sachen Transparenz, aber keine Entscheidungsgewalt. Darüber kann man nachdenken und es mit den Schiedsrichtern diskutieren. Das wäre eine Möglichkeit, die ich für realistisch und umsetzbar halte. Es gibt aber auch andere Optionen.






Die Aussage: "Gewalttätige sind keine Fans" ist so alt. Ich frage mich: Besteht da ein notwendiger Widerspruch? Ich behaupte, dass ein durchaus leidenschaftlicher Anhänger eines Vereins (Fan) auch gewalttätig sein kann. (Sieht man ja öfters mal). Das ist natürlich zu verurteilen. Aber trotzdem ist dieser Fanbegriff des DFB in seiner Normativität seltsam schwammig.
Soweit ich weiss, gibt es ein Vermummungsverbot nur bei Demonstrationen, nicht in Fussballstadien. Da könnte es möglicherweise Teil der Hausordnung sein. Man möge mich hier aufklären.
Herr Rauball sagt: "Die Art und Weise, wie man das Thema Pyrotechnik in einer Arbeitsgruppe besprochen hat, war von Anfang an falsch angelegt. Die Rechtslage wurde völlig außen vor gelassen."
Das ist falsch. Der DFB hat zu dem Thema ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, allerdings wurde dessen Inhalt nie veröffentlicht. Hat sich Herr Rauball mal gefragt, warum?
Wie man hört, enthält dieses Gutachten durchaus NICHT, dass Pyro von Fans generell mit der Rechtslage nicht vereinbar ist, sondern sagt aus, dass Pyro genau unter den von den Fans vorgeschlagenen Randbedingungen legal machbar wäre. Siehe http://www.11freunde.de/b...
Hier wird also bewußt mit Halbwahrheiten gearbeitet.
Was die Kommerzalisierung angeht, scheint es für Herrn Rauball nur schwarz oder weiß zu geben, 4. Liga oder totaler Kommerz.
Das ist natürlich Unfug, und das weiß Herr Rauball auch.
Auch hier wird Politik gemacht, und Herr Rauball fährt eine ganz klare Agenda.
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