Doping-Urteil : Jan Ullrich will wieder salonfähig werden

Ex-Radprofi Ullrich will zurück zu alter Beliebtheit. Ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes lässt aber auf sich warten. Sein Geständnis auch.
Jan Ullrich im August 2011 bei einem Radrennen in den Alpen © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Die Vergangenheit wirkt auf die Zukunft, egal, wie die Gegenwart aussieht. Dennoch bieten sich manchmal Chancen, neu anzufangen. Ganz von vorn kann das der ehemalige deutsche Sportheld Jan Ullrich nicht, aber fast fünf Jahre nach seinem Rücktritt wartete der Gewinner der Tour de France von 1997 am Mittwoch vergebens auf ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, der vor allem über Ullrichs Optionen im Radsport für die Zukunft entscheiden sollte.

Der Cas hatte darüber zu befinden, ob Einsprüche des Radsport-Weltverbands UCI und der Schweizer Antidoping-Agentur gegen die Einstellung von Ullrichs Doping-Verfahren durch den Schweizer Radsport-Verband rechtmäßig sind.

Allerdings erklärte sich der Cas nur teilweise für zuständig und verschob eine endgültige Entscheidung auf Mitte Januar. "Ich bin sehr enttäuscht, dass ich weitere sechs Wochen warten muss", sagte Ullrich.

Es ist eher von symbolischer Bedeutung, ob Ullrich lebenslang als aktiver Profi und Rennstallbesitzer gesperrt ist, da er kein Engagement im Profigeschäft anstrebt. Dafür wäre ein Freispruch die Voraussetzung. Viel bedeutender als ein Urteil ist aber, dass die Öffentlichkeit nach wie vor nach dem großen Doping-Geständnis des Jan Ullrich giert – aber wohl noch warten muss.

"In den nächsten sechs Wochen werden wir nichts zu den Plänen von Jan verkünden," sagte Ullrichs Berater Falk Nier. Trotzdem ist ein Geständnis – in welcher Form auch immer – gar nicht so unwahrscheinlich. Weil es dazu beitragen könnte, dass der frühere Liebling der Nation wieder so etwas wie salonfähig wird. Die Aufnahme des Delinquenten in die Gesellschaft ist erst dann möglich, wenn er glaubhaft bereut.

Jan Ullrich wird in der kommenden Woche 38 Jahre alt, hinter ihm liegt eine schwierige Zeit mit privaten Veränderungen und einem Burn-out-Syndrom. Zuletzt hat er den Spaß am Radsport wiedergefunden, er startete etwa bei einem Jedermann-Rennen in den USA. Dort also, wo auch andere wie der vorerst gescheiterte Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg Abstand und nach einer Neuausrichtung suchen.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Versteh ich, Ulrich bemerkt eben auch, ....

... dass die Beliebtheit die Wahrhaftigkeit aus der Liste der anzustrebenden Tugenden verdrängt hat.

Vielleicht kann er auch in der neuen national-konservativen Partei, die zu Guttenberg vermutlich gründen wird, herauskommen.

Guttenberg Vorsitzender, Ulrich Minister für Sport und Vergnügen, Gert-Uwe Postel Gesundheitsminister, Jürgen Harksen Finanzminister, und für Pinocchio findet sich auch noch ein Job.

Der Drang zur Öffentlichkeit

"Es ist eher von symbolischer Bedeutung, ob Ullrich lebenslang als aktiver Profi und Rennstallbesitzer gesperrt ist,
da er kein Engagement im Profigeschäft anstrebt..."

Das gilt gleichermaßen für die Teilnahme an Jedermannrennen in Deutschland.
Nach seinem diesjährigen "Comeback" bei diversen Alpenmarathons liebäugelt(e) Ullrich mit der Teilnahme an den HEW Cyclassics (in seiner alten Wahlheimat Hamburg).
Die Veranstalter sind (vom Verband) angehalten Sportler mit fragwürdiger Dopingvergangenheit nicht starten zu lassen.
Anders sieht die Sachlage natürlich bei geschlossenen (Charity-)Veranstaltungen aus.

Es bleibt aber festzuhalten, daß Ullrich mangels Courage und schlechten Beraterumfeld in der Vergangenheit
aus Angst vor Schadenersatzprozessen infolge Betrugs noch keinen reinen Wein eingeschenkt hat. Aus seiner Sicht lag die Chance wohl darin, das Ganze mit Hilfe der Verjährungsfristen zu umgehen.

Von mir aus kann er wöchentlich in diversen Talkshows auftreten und Bücher scheiben. Seine Reputation wird er so aber nicht zurück bekommen.

Die Presse giert

die Öffentlichkeit giert nicht. Alles ist lange her und unbewiesen. Lassen Sie doch endlich Herrn Ulrich und auch uns in Ruhe. Aber dann fehlt ja die "große Story".

Denken Sie sich doch einfach mal was ganz Neues aus. Vielleicht Drogenmissbrauch im Medien- und Pressebereich. Das wäre doch wirklich mal etwas interessantes.