Zigarettenbürschle werden im Fränkischen Halbstarke genannt. Jugendliche, die auf dicke Hose machen, sich oberwichtig nehmen. In Nürnberg sammeln sich viele bei den Ultras, einem typischen Zufluchtsort für Zigarettenbürschle. Nach dem Abpfiff im Franken-Derby sahen zweihundert von ihnen ihre Zeit gekommen.

Mit FCN-Schals vermummt stürmten sie den Innenraum und rannten auf die Gästeblöcke am anderen Stadionende zu, wo sie die gut 4.000 Fürther mit Schneebällen in Angst und Schrecken versetzen wollten. Die feiernden Fürther Spieler flüchteten. Mehr als echte Gefahr verbreiteten sie Kummer und Sorge bei den Gastgebern. Den "Clubberern" waren ihre Fans unangenehm. Die Vereinsführung klagte und entschuldigte sich, die Journalisten schämten sich, beide Trainer sprachen fast nur über die bedenklichen Auswüchse im deutschen Fußball, weniger über das Sportliche.

Noch schmerzhafter für die Nürnberger war, dass der Lauf der Zigarettenbürschle als eine der stärkeren Offensivszenen der Nürnberger an diesem Abend durchgeht. Dass hier ein Bundesligist auf einen Zweitligisten traf, konnte man die 90 Minuten zuvor nicht ausmachen. Der 1:0-Sieg der Spielvereinigung Greuther Fürth war ein angemessenes Ergebnis.

Technisch hinterließen die Fürther den besseren Eindruck als der FCN, dessen Spiel ohne Ball mangelhaft und viel zu leicht zu verteidigen war. Die eigentlichen Leistungsträger Timothy Chandler und Jens Hegeler fremdelten auf fremden Positionen. Daniel Didavi trat als Spielmacher nicht in Erscheinung. Der "Mertesacker Nürnbergs", Philipp Wollscheid, der den Verein bald für viel Geld nach Leverkusen verlassen wird, stakste von einem Fehlpass in den anderen. Allein die Rückpass- und Schwalbenwertung gewannen die Roten.

Nur der Linksaußen Alexander Esswein, der Nürnberger mit den spannendsten Anlagen, brachte dauerhafte Gefahr. Meist musste er von einem Fürther gefoult werden, was auch zum Ausschluss Bernd Nehrigs in der 66. Minute führte. Allerdings vergab auch Esswein kurz vor Schluss freistehend die Chance zum Ausgleich, als er sich falsch entschied und eine Flanke aus spitzem Winkel direkt aufs Tor schoss, statt den Ball zu kontrollieren. Dennoch wird sich Nürnbergs Trainer Dieter Hecking fragen, warum er Esswein erst nach der Pause brachte.

Fürth hingegen verteidigte die ganze Spielzeit sehr sicher sein Zentrum, unterband das Aufbauspiel der Gastgeber und war in der ersten Halbzeit zudem die gefährlichere Mannschaft. Der gewandte Stephan Schröck entwischte seinen Gegenspielern immer wieder. Edgar Prib konnte nach einer Ecke früh das entscheidende Tor köpfen. Vor einer Woche hatte Prib in Frankfurt das leere Tor nicht getroffen und sich mit hunderttausenden YouTube-Klicks um den Titel für das Nicht-Tor des Jahres beworben.