Vierschanzentournee : Der ewige Skispringer Martin Schmitt

Früher war Martin Schmitt der Beste der Welt. Seit Jahren springt er nur noch hinterher. Alle warten auf seinen Rücktritt – doch er will einfach nicht.
Wie immer, wie immer: Martin Schmitt © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Martin Schmitt ist alles andere als ein Favorit für die am Freitag beginnende Vierschanzentournee, trotzdem ist seine Laune prächtig. "Ich kann Magdalena Neuner verstehen", sagt der älteste Skispringer im Leistungskader des Deutschen Skiverbandes (DSV) auf die ewige Frage nach seinem Rücktritt, "ich kann aber auch Michael Schumacher verstehen." Soll das heißen, dass der Skispringer, der sich seit Jahren beharrlich weigert zurückzutreten, schon vor dem Rücktritt ein Comeback anstrebt? "Nein", sagt Martin Schmitt, "ich mache gleich durch." Es wäre ihm zuzutrauen.

Mit 33 Jahren hat Martin Schmitt alles erlebt, was es im Skispringen zu erleben gibt. Er hat Olympische Medaillen gewonnen, WM-Medaillen, Weltcupspringen, die meisten freilich in der Zeit von 1997 bis 2002. Die Vierschanzentournee hat er noch nie gewonnen, und daran wird sich auch bei seiner 16. Teilnahme nichts mehr ändern. Martin Schmitt weiß das. Auf die Frage, wer die eine Millionen Schweizer Franken kassieren könnte, die für denjenigen ausgelobt sind, der alle vier Springen gewinnt, antwortet Schmitt: "Ich jedenfalls nicht."

Schmitt geht mit den Weltcup-Platzierungen 50, 25, 29 und 36 in die Vierschanzentournee, die Springen in Kuusamo und Engelberg hat er gleich ganz ausgelassen, um im Training an Material und Form zu feilen. Und deshalb scheint alles so wie immer zu sein, als Martin Schmitt am Mittwoch auf dem Podium im Oberstdorfer Kurhaus erscheint.

Wieder trägt er seine lila Sponsorenmütze, die ihm längst auf den Kopf gewachsen scheint. Wieder grinst er schief, während er in das Mikrofon spricht, wieder strahlt er neben Selbstironie auch Larmoyanz aus, weil irgendetwas mal wieder nicht stimmt mit der Feinabstimmung oder dem Körper. "Ich hatte ein paar stabile Einzelsprünge, aber ich habe noch nicht die stabile Form, in der man alles blind abrufen kann", sagt er. Er müsse weiter an jedem einzelnen Sprung arbeiten. Das alles hat man schon so oft gehört im letzten Jahr und im Jahr davor. Und doch ist etwas anders.

Er gastiert auf dem Podium als Kunde eines neuen Skiherstellers, er hat auf seine alten Skispringer-Tage noch einmal den Hersteller gewechselt. Er springt nun auf den Brettern einer deutschen Internetfirma, welche die ehemalige DDR-Firma Germina gekauft hat, nun selber Sprungski herstellt und sie gleichzeitig als Werbefläche nutzt. Martin Schmitt fliegt in dieser Saison erstmals selbst mit dem neuen Fabrikat. Weniger, weil er noch einen Sponsoren gebraucht hat, eher weil er sich eine sportliche Verbesserung verspricht. "Die Firma ist kleiner und hat damit mehr Möglichkeiten auf die eigenen Wünsche einzugehen", sagt er. Und das dürfte der eigentliche Grund für den ewigen Skispringer Martin Schmitt sein. Der ewige Ehrgeiz.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Aussagen des inzwischen wohl

ehrgeizlos gewordenen Ex-Top-Sportlers Schmitt, der um Ausreden, warum es wieder nicht besser gelaufen ist nie verlegen ist, sagen genug über ihn aus.

"Er will in Ruhe sein Ding machen...", heisst wohl so viel wie möglich noch absahnen solange es geht, ohne sich dabei allzusehr anzustrengen.

Ein tolles Vorbild.

Überschrift

Weil er keine Aussichten auf den Sieg hat, soll er nicht mehr teilnehmen dürfen? Was ist das denn für eine Logik?

Ich kann natürlich nichts über Herrn Schmitts persönliche Motive sagen, aber von den 50 Teilnehmer haben vielleicht 5 bis 10 eine Aussicht auf den Sieg. Soll der Rest jetzt auch bitte zurücktreten, weil sie ja eh nicht gewinnen?

Und Sebastian Vettel fährt demnächst alleine in der Formel 1... wozu die Zuschauer mit dem "Nichterfolg" der Anderen belasten.

Lasst den Mann doch Skispringen. Wenn er die sportliche Qualität zur Teilnahme nicht mehr hätte, wäre er nicht mehr dabei.

zu 2 )

Das ist ihre falsche Interpretation meines Kommentares. Es geht nicht darum, was man letztlich erreicht, sondern um die eigene Einstellung zu dem ausgeübten Sport, und die lässt m.E. bei Schmitt seit langem mehr als zu wünschen übrig. Den Kommentaren von S. ist nie Selbstkritik zu entnehmen , sondern immer waren es die äusseren Umstände oder ihm unbekannte Einflüsse, die ihm eine bessere Leistung nicht mölglich machten. Eine echte professionelle Eistellung scheint ihm weitestgehend abhanden gekommen zu sein.

@Voce

Dieser Artikel und vorallem die unseeligen Kommentare von Voce sind inzwischen durch das Qualifikationsspringen in Obersdorf überholt. Schmitt bester Deutscher. Platz 13. Ha!
In der deutschen Sportöffentlichkeit, vorallem bei Journalisten, herrscht die Einstellung, dass sich Spitzensport nur lohnt, wenn man gewinnt. Plätze unter den ersten 10 werden gemeldet, nicht goutiert. Deshalb wird über viele Sportarten auch nicht mehr berichtet, Tennis z.B. Als Zuschauer kann man nur mutmaßen, dass nur erfolgreiche deutsche Sportler berichtenswert sind.
Martin Schmitt ist deshalb einer meiner Lieblingssportler, weil er seinen Sport liebt, ihn mit einer an Sturheit grenzenden Beharrlichkeit betreibt und so der öffentlichen Meinung/Erwartung, wie ja auch in Ihrem Artikel so schön beschrieben, nicht nachgibt. Chapeau, Martin Schmitt!