Arab GamesDie mutigen Basketballerinnen aus Somalia

Frauen in Somalia dürfen keinen Sport machen, es gilt der al-Shabaab als unislamisch. Doch das Basketballteam fuhr zu den Arab Games nach Katar – trotz Todesdrohungen. von 

Die somalischen Basketballfrauen trainieren in Mogadischu

Die somalischen Basketballfrauen trainieren in Mogadischu  |  © IPS

Das Spielfeld liegt in den Ruinen von Mogadischu. Die Frauen wickeln sich Tücher um den Kopf, tragen weit geschnittene Sporthosen, manche lange Ärmel. Nach dem Training werden sie wieder in der Anonymität von Burka und Schleier verschwinden. Doch zwei Stunden am Tag, fünf Mal die Woche wird geworfen, gedribbelt und gepasst. Hinter hohen Mauern, im sicheren Innenhof der Polizeiakademie – denn die Sportlerinnen werden mit dem Tod bedroht.

Vor fünf Jahren hat die damals in Somalia herrschende "Union islamischer Gerichte" (UIC) ein Sportverbot für Frauen verhängt. "Unislamisch" seien Frauen, die Sport treiben. Die UIC wurde inzwischen von der islamistischen al-Shabaab als herrschende Macht abgelöst – die Lage der Menschen in dem zerfallenen Land hat das nicht verbessert.

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Somalia ist vom Bürgerkrieg gezeichnet . Radiosender dürfen keine Musik mehr spielen, in manchen Gebieten droht Frauen die Todesstrafe, wenn sie in der Öffentlichkeit arbeiten – auf dem Markt Gemüse verkaufen zum Beispiel – oder fremden Männern die Hand geben. Al-Shabaab kontrolliert große Teile Somalias, die Islamisten wollen ein Land ohne westliche, weltliche, nicht-islamische Einflüsse.

Dazu gehört Sport im Allgemeinen, Basketball im Speziellen. Vor allem für Frauen. Entweder sie hörten auf zu spielen, oder sie würden dafür mit dem Leben bezahlen, drohten militante Islamisten den Spielerinnen. Natürlich machten solche Sätze Angst, erzählte Aisha Mohamed, die Vize-Kapitänin der Mannschaft einer Nachrichtenagentur kurz nach den Drohungen Ende Oktober. "Aber mich bringt niemand um außer Allah", sagte die 21-Jährige.

Für die Spielerinnen geht es neben den Spaß am Sport vor allem um Freiheit. "Man ist doppelt schuldig. Zuerst, weil man eine Frau ist, und dann weil man Sport treibt", sagt Mohamed. Trotzdem vertritt sie mit ihrem Team in diesen Tagen ihr Land bei den Arab-Games in Katar , einer Art Olympische Spiele für arabische Länder.

Sportlich ist die Mannschaft von Aisha Mohamed nur bedingt konkurrenzfähig. Zwar gewann sie sensationell mit 67:57 gegen den Gastgeber Katar. Es gab aber auch zwei heftige Niederlagen: Ein 24:90 zum Auftakt gegen Ägypten und ein 38:87 gegen den Libanon. Doch in Wahrheit geht es nicht um Ergebnisse. Man habe gezeigt, dass auch Frauen aus Somalia Basketball spielen können, sagte Manal Cali, eine der Spielerinnen. "Das war ein überwältigendes Gefühl."

Duran Ahmed Farah, der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees in Somalia sagt: "Wir sind stolz auf das Team." Farah bringt die Frauen zu Wettkämpfen, im November hat er die Spielstätten für die Olympischen Spiele 2012 in London besichtigt, auch die Teilnahme an den Arab Games hat er eingefädelt. Diese Auftritte auf dem Feld seien eine Möglichkeit, der Welt ein anderes Bild von Somalia zu präsentieren – jenseits von Bürgerkrieg und Hungersnot.

Basketball gilt nach Fußball als die beliebteste Sportart in Somalia. Auch bei Frauen. In der Vergangenheit verfolgten die Islamisten vor allem Fußballer. Viele Menschen haben deshalb begonnen, Basketball zu spielen. Es gibt eine somalische Basketball-Liga der Männer, das Land ist Mitglied in der International Basketball Federation (FIBA). Weil dieser Sport stärker in den Alltag rückt, richten sich die Drohungen der Islamisten nun auch gegen Basketball-Spielerinnen und -Spieler. Einige Männer verlassen das Land, sie hoffen im Ausland auf den Durchbruch – wie Salah Abdo und Faisal Aden, die in den USA erfolgreich Basketball spielen.

Das Nationalteam Somalias könnte ihr Talent brauchen: 1982 fanden in Mogadischu die Afrika-Meisterschaften im Basketball statt, die Männer wurden damals Dritte. Seither gibt es kaum mehr Erfolge zu vermelden. Auch das National-Team der Frauen besteht bereits seit mehreren Jahrzehnten – doch noch nie hat es bei einem Wettkampf den ersten Platz geholt.

Duran Ahmed Farah vom Olympischen Komitee sieht deshalb eher einen symbolischen, denn einen sportlichen Sieg bei den Arab Games. "Es geht darum zu zeigen, dass es uns gibt."

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Leserkommentare
  1. ... wohl geschlafen?

    Anm.: Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

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  • Schlagworte Somalia | Allah | Bürgerkrieg | Drohung | Hungersnot | Katar
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