An Weihnachten kommt der Mann aus dem Fernsehen nach Hause. Philipp hat ihn vor dem Bildschirm angefeuert, immer wenn er die Schanzen hinuntergesprungen und die Loipen entlanggewetzt ist. Traurig war er, wenn es mal nicht so lief, und er ist jubelnd durch die Gegend geflitzt, wenn es – wie so oft – für vordere Plätze reichte. Wochenende für Wochenende. Jetzt darf er mit ihm ein paar besinnliche Tage verbringen, mit Eric Frenzel, seinem Vater.

Philipp kennt es nicht anders. Der Winter ist für ihn die Jahreszeit, in der Papa als deutscher Sportstar im Fernsehen auftritt. "So ist er groß geworden", erzählt Eric Frenzel. "Zu Saisonbeginn komme ich zwischen den Weltcups gar nicht heim, höchstens mal für einen Abend." Ein paar Gespräche per Skype sind dann alles, was der 22 Jahre junge Nordische Kombinierer und sein Sohn voneinander haben.

Vor fünf Jahren hätte Frenzel denjenigen für verrückt erklärt, der ihm diese Zukunft prophezeit hätte. Seine Freundin war gerade 15, als sie schwanger wurde und das Leben des jungen Paares auf den Kopf stellte. Sie war Langläuferin und auch sie wollte große Karriere machen – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr die Frauenärztin gratulierte. "Es war ein bisschen schwierig, weil alle erst mal schockiert waren, wir ja auch", sagt Frenzel, der mit seinen weichen Gesichtszügen und dem schelmischen Grinsen auch jetzt noch aussieht wie ein Teenager.

Doch was damals als kleine Überraschung begann, bringt ihm und seiner Freundin inzwischen große Freude. Aufgeregt berichtet Frenzel davon, wie sein Vierjähriger es dank des berühmten Vaters zum kleinen Experten in Sachen Wintersport gebracht hat. "Er weiß sofort, ob ich weit oder kurz gesprungen bin. Und er kann fast alle Starter mit Namen aufzählen." Ohne die "Riesenunterstützung" der Familie würde Frenzel wohl trotzdem keinen Leistungssport mehr betreiben. Wer weiß, wer dann Anfang des Jahres in Oslo Weltmeister geworden wäre.

Leistungssport und Kind – bei Männern mag das funktionieren. Aber bei Frauen?

Für Kerstin Szymkowiak ist das undenkbar, obwohl ihr Kind beim wichtigsten Rennen der Karriere live dabei war. Es fuhr bei den Olympischen Spielen 2010 mit zur Silbermedaille im kanadischen Whistler. Szymkowiak merkte "vier, fünf Wochen vor den Spielen, dass irgendetwas nicht stimmt". Dass sie schwanger startet, hatte sie damals nicht einmal ihrem Mann erzählt. Beinahe zwei Jahre ist das nun her, und es gibt Momente, in denen die 34-Jährige ihr Leben in der Wintersportwelt vermisst. "Zu Beginn der Saison hatte ich schon schwer daran zu knabbern ", erzählt sie. Wehmütig verfolgte sie, wie ihre früheren Kolleginnen sich kopfüber in die Eisrinne stürzten.

Ich denke, dass ich mich überhaupt nicht genug auf den Sport konzentrieren könnte, wenn das Kind dabei wäre.
Sportlerin Kerstin Szymkowiak

Trotzdem kann sich Szymkowiak nicht vorstellen, Kind und Karriere zu vereinbaren – nicht mehr, genauer gesagt. "Früher dachte ich, das wäre einfacher." Aber spätestens seit sie gemerkt hat, wie viel Aufmerksamkeit die kleine Noalie benötigt, hat sich das Thema für sie erledigt: "Ich denke, dass ich mich überhaupt nicht genug auf den Sport konzentrieren könnte, wenn das Kind dabei wäre." Von einem geregelten Trainingsablauf ganz zu schweigen.

Und dann ist da ja noch die Sache mit dem finanziellen Mehraufwand. Gerade in einer Sportart wie Skeleton, in der man auch mit einer Olympiamedaille keine Reichtümer anhäuft, sei es schwierig, die zusätzlichen Reise- und Verpflegungskosten für Kind und Babysitter zu stemmen, glaubt Szymkowiak. Schon in ihrer aktiven Zeit hat sie immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Verwunderung auf Starterinnen wie Shelley Rudman geschaut, die ihr Kind genauso wie ihre Schwiegereltern bei jedem Weltcup dabei hat. Kerstin Szymkowiak sagt, sie wäre da "wohl irgendwann mit den Nerven am Ende".

Dennoch gibt es ein paar Sportlerinnen, denen es ziemlich gut gelungen ist, trotz Kind nervenstark zu bleiben – sie sind allerdings die Ausnahme. In der jüngeren Vergangenheit haben sich zum Beispiel die Geherin Melanie Seeger aus Potsdam, Snowboarderin Amelie Kober, Biathletin Olga Zeitseva oder die Tennisspielerin Kim Clijsters nach einer Babypause zurückgekämpft.