GolfTiger Woods ist zurück

Nach mehr als zwei Jahren hat Tiger Woods wieder ein Turnier gewonnen. Findet der gefallene Golfgott nach therapierter Sexsucht zurück zu alter Stärke? von Bernd Müllender

Ich wusste, ich kann es noch: Tiger Woods nach seinem Turniersieg

Ich wusste, ich kann es noch: Tiger Woods nach seinem Turniersieg  |  © Scott Halleran/Getty Images

Als der entscheidende Putt fiel, verdrehte Eldrick Tiger Woods seinen muskulösen Körper in eine skurril-schiefe Siegerpose und stand da mit weit aufgerissenem Mund. Heraus kam ein gebrülltes "Yeeeeah". Später gab er wieder den gewohnt coolen Analytiker: "Ich wusste, ich kann es noch. Ich war sehr nervös. Jetzt fühlt es sich großartig an." Die Presse spitzte die Bleistifte.

Bis Ende 2009 war es über ein Jahrzehnt lang nur eine Meldung wert, wenn Woods mal ein Golfturnier ausnahmsweise nicht gewann. Jetzt, Anfang Dezember 2011, hat der gefallene Golfstar ein mäßig wichtiges Turnier in Thousand Oaks, Kalifornien gewonnen und gleich reicht das für große Schlagzeilen. Auch bei der Konkurrenz verbreitete die Nachricht vom ersten Sieg nach 749 Tagen Erfolgsabstinenz nicht gerade Schrecken aber doch einigen Respekt. Der knapp unterlegene Landsmann Zach Johnson meinte: "Wenn Woods gesund ist, bleibt er die Spitze. Er weiß in jeder Situation eine Lösung." Und aus Europa meldete der englische Weltranglistenführende Luke Donald: "Tiger bleibt der beste Spieler, gegen den ich je angetreten bin. Er hat eine professionelle Haltung und Mentalität wie sonst keiner."

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Lange war Tiger Woods der Überflieger der Szene, gewann 92 Turniere und war vor allem mit den 14 Major-Titeln im noch zarten Schlägerschwinger-Alter von 33 auf dem Weg zum besten Golfer aller Zeiten. Mit einem halben Jahr soll er schon Schwünge seines Vaters nachgemacht haben, mit kaum anderthalb wackelte er, Fotos belegen das, in Windeln mit dem Putter in der Hand über die Grüns. Er wurde bald der bestverdienende Sportler aller Zeiten, sein Vermögen wird auf über eine Milliarde US-Dollar geschätzt.

Wenn Woods mitspielte, errechneten Mathematiker, brauchten alle anderen Turnier-Teilnehmer im Schnitt fast einen halben Schlag mehr pro Runde. Seine Aura hemmte ganz offensichtlich die gesamte Szene. Man nannte ihn Ausnahmeathlet und Golfgott. Dann kam die Nacht auf den 25. November 2009.

Tiger Woods war gleich neben seiner Villa bei Orlando/Florida mit dem Wagen gegen einen Hydranten gefahren. Fremdverschulden, Alkohol, Drogen? Nein: Die Fahrt stellte sich heraus als Flucht vor der Gattin Elin Nordegren. Die soll nach einem krachenden Ehestreit mit einem Golfschläger noch eine Fensterscheibe des Wagens zertrümmert haben. Manche glaubten nachher zu wissen, es sei Tigers Lieblingsschläger, ein Eisen 2, gewesen. Die Nacht weitete sich zu Tigergate aus.

Diverse Liebschaften kamen ans Licht, wöchentlich. Tigers Affären im Dutzend wurden schließlich zu den wohl teuersten Bettgeschichten der Bettengeschichte: Die Scheidung im August 2010 und der Verlust an Sponsoren kosteten Tiger Woods binnen eines Jahres mehr als hundert Millionen Dollar. Der Imageschaden im bigotten US-Amerika war gewaltig.

Woods begab sich in eine Klinik, um sich wegen seiner "Sexsucht" behandeln zu lassen, und die Welt diskutierte, ob es so etwas wirklich gibt, oder ob das nur eine billige Rechtfertigung für sein ausuferndes Liebesleben ist. "Nicht zu fassen", lästerte die Süddeutsche Zeitung , über "die amerikanische Heuchelei": "Eine Klinik, die schon vorher Pine Woods hieß, nimmt 40.000 Dollar für die Domestizierung und Therapie einer Suchtkrankheit, von der vorher noch niemand etwas gehört hatte."

Leserkommentare
  1. ... wenn man schon Wutz heißt...

  2. ...oder haben Sie noch Sex ?

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  • Schlagworte Martin Kaymer | Abu Dhabi | Europa | Florida | Kalifornien
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