EM-AuslosungUnterschätzt die Dänen nicht!

Die schweren EM-Lose ängstigen Bundestrainer Löw höchstens ein bisschen. Die letzte Turniererfahrung mit den Dänen allerdings war keine gute. von Michael Rosentritt

Bundestrainer Jogi Löw

Bundestrainer Jogi Löw  |  © Thomas Eisenhuth/dpa

Und dann genehmigte Joachim Löw sich noch zwei Gläschen Wein. Als sich die Aufgeregtheiten rund um die Auslosung der EM-Gruppen in Kiew gelegt hatte und das gemeinsame Essen mit den Trainerkollegen aller an der Europameisterschaft im kommenden Sommer teilnehmenden Mannschaften verdaut war, zog sich die kleine deutsche Delegation um den Bundestrainer zurück. Man redete über dies und das und natürlich darüber, dass es für die deutsche Mannschaft schon in der Gruppenphase happig kommt. Die Gegner heißen Portugal, Niederlande und Dänemark. Löw spitzte den Mund und sagte: „Ich freue mich auf interessante Duelle.“

Die Mannschaft von Joachim Löw ist durch die Auslosung nicht weniger Favorit als zuvor. Was beispielsweise soll etwa Paulo Bento sagen? In der EM-Qualifikation musste die Mannschaft von Portugals Trainer schon Dänemark den Vortritt lassen. Und als Zugabe noch die Nummer zwei und Nummer drei der Welt. Bento dürfte unruhiger schlafen.

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Es ist doch so: Seit jeher möchte man deutschen Teams bei einem Turnier möglichst lange aus dem Weg gehen, erst recht dem jetzigen, das auch noch richtig gut Fußball spielen kann und vor wenigen Wochen erst die Niederländer zerlegte. Dennoch gelten die Holländer aufgrund ihrer Spielstärke gemeinsam mit den Spaniern und den Deutschen als Turnierfavoriten. „Jeder Gegner ist gut und kann viel leisten“, sagte Löw höflich. „Das alles Entscheidende ist doch: Welche Mannschaft bringt die beste Form mit ins Turnier, wer hat die wenigsten Probleme und Verletzungen?“

"Die Dänen haben keine Angst"

Die deutsche Auswahl trifft bei der EM in Polen und der Ukraine zunächst am 9. Juni, dem Tag nach der EM-Eröffnung, in Lwiw (Lemberg) auf Portugal. Vier Tage später geht es in Charkow gegen die Niederlande. Das letzte Gruppenspiel findet am 17. Juni erneut in Lwiw gegen Dänemark statt. Im besten Fall sollte die deutsche Mannschaft vor dem Spiel gegen die Dänen mindestens als Gruppenzweiter feststehen. Die Dänen werden schließlich immer ein bisschen unterschätzt. „Niemand rechnet so richtig mit ihnen, aber sie leben von einem guten Kollektiv und einer guten Organisation“, sagte Löw. „Sie sind von ihrem Charakter her sehr toughe Spieler und sie haben keine Angst, egal gegen wen sie spielen.“

Der Bundestrainer hatte die Dänen bereits zweimal als Testspielgegner ausgesucht. Direkt nach der WM in Südafrika gab es im August 2010 in Kopenhagen ein 2:2. Gomez und Helmes hatten die deutsche Mannschaft in Führung gebracht, in der Schlussviertelstunde egalisierten die Dänen den deutschen Vorsprung. Zuvor verlor Löws Mannschaft das Testspiel im März 2007 in Duisburg 0:1. Die bisher letzte Turniererfahrung mit den Dänen ist auch keine gute. Bei der EM 1992 war das Team von Berti Vogts zwar als Favorit ins Endspiel von Göteborg gegangen, dort aber den Dänen unterlegen.

Die deutsche Mannschaft wird bis zur Nominierung des EM-Kaders im Mai nur noch ein Länderspiel bestreiten: am 29. Februar 2012 gegen Frankreich in Bremen. Die konkrete Vorbereitung auf das EM-Turnier beginnt dann nach Ablauf der Bundesligasaison am 11. Mai mit einem siebentägigen Regenerationstrainingslager an der Costa Smeralda auf Sardinien. Direkt im Anschluss wird das deutsche Team bis voraussichtlich zum 30. Mai in Tourettes in Südfrankreich ein klassisches Trainigslager abhalten. Dort wird es zu einem der zwei geplanten Testspiele kommen. Der letzte Test wird dann in Leipzig stattfinden, vermutlich am 1. Juni. Beide Gegner werden in den kommenden Tagen bestimmt, sie sollen von ihrer Spielweise den Dänen und Portugiesen ähnlich sein. Am 4. Juni wird die deutsche Mannschaft ihr EM-Stammquartier in der Nähe von Danzig beziehen.

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Leserkommentare
  1. Wie immer wird schon mal gezittert!
    Löw strotzt wieder einmal vor Selbstvertrauen?
    Wenn es nicht klappt lag es bestimmt nicht am
    Trainer oder den Spielern.

  2. ...gute

    soll ich mal nachzählen wieviele von damals noch spielen? Finde es toll, dass zum Abschluss der spannenden EMs nun endlich mal eine spannende Gruppe bei rumgekommen ist. Demnächst gibt es ja dann leider aus Proporzgründen 24er-EMs, bedeutet dann wohl eher lauter Gruppen wie die A bei dieser EM

  3. Da ist doch eine ganz normale Gruppe für Deutschland ausgelost werden.
    Nicht gegen Spanien, Frankreich ,Italien,
    Diese ewigen zum Angstgegner hochstilisierten Nationen, das nervt doch langsam.

  4. Im besten Fall steht die deutsche Mannschaft als Gruppenerster fest und nicht "mindestens Gruppenzweiter". Was ist denn das für eine Logik?

    • paul12
    • 05. Dezember 2011 14:39 Uhr

    Eine Mannschaft, die EM Meister werden möchte, sollte sich in der Lage fühlen jeden zu besiegen.

    Und ich finde nebenbei nicht nur kleine Länder sollten dieses "pech" haben.

    MFG

  5. Holland, Portugal und Dänemark hatten Lospech.
    Wo ist das Selbstbewusstsein der Qualifikation hin?

  6. Ach, wie geil ist das denn?

    Die deutsche Mannschaft weilt während des Trainingslagers in Tourettes?

    Da freu ich mich ja jetzt schon auf jede Menge lustige Wortspiele.

    Ich fang mal ganz uninspiriert an:

    Wenn es ganz besonders schlecht in der Vorbereitung auf die EM laufen sollte, wird man in den Annalen der Nationalmannschaft später einmal nicht vom "Geist von Tourettes" sprechen, sondern vom "Tourettes-Syndrom".

  7. 1988, bei der EM in Deutschland, traf man in der Gruppenphase ebenfalls auf Dänemark. Und damals gewann die DFB-Elf mit 2:0.

    Also warum dieser künstliche Bammel???
    Wir Deutsche werden diese Gruppe schaffen.

    PS: Die Dänen werden meiner Meinung nach auch weiterkommen.

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  • Schlagworte Joachim Löw | Bundestrainer | Dänemark | Europameisterschaft | Portugal | Testspiel
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