Champions LeagueEin 7:1 unter Manipulationsverdacht

Daumen hoch für ein Gegentor? Ein verräterisches Zuzwinkern? Der von Lyon dringend benötigte hohe Champions-League-Sieg in Zagreb sorgt für Spekulationen.

Szene aus dem Spiel Zagreb gegen Lyon

Szene aus dem Spiel Zagreb gegen Lyon

Sechs Tore in einer Halbzeit. Zugelassen von einem Klub, der immerhin in der Champions League spielt. Für manchen gibt es dafür nur eine plausible Erklärung: Betrug! Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe D am Mittwochabend war Dinamo Zagreb im eigenen Stadion gegen Olympique Lyon sogar 1:0 in Führung gegangen. Kurz vor der Pause nahm Zagreb den Ausgleich hin und ermöglichte in der zweiten Halbzeit dann Lyon sechs Tore. Mit entsprechenden Konsequenzen: Lyon qualifizierte sich noch fürs Achtelfinale, Ajax Amsterdam – zeitgleich mit 0:3 bei Real Madrid unterlegen – dagegen nicht.

Zagrebs Abwehr ließ in der Tat nicht nur Raum für Lyons Angreifer, sondern auch für Spekulationen, so groß waren die Lücken und so behäbig die Beine. Aber waren Zagrebs Spieler nicht vielleicht einfach müde und lustlos oder haben sie wirklich Tore verschenkt? Das Motiv wäre: Zagreb hatte sowieso keine Chance auf Platz drei mehr, einige Spieler könnten auf diese Weise noch abkassiert haben. Zagrebs Trainer Krunoslav Jurcic wurde inzwischen entlassen.

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Auf der Suche nach Indizien wurde die niederländische Tageszeitung De Telegraaf auf eine Szene aus der 64. Minute aufmerksam. Lyon hatte das 5:1 erzielt, als Zagrebs Verteidiger Domagoj Vida Lyons insgesamt vierfachen Torschützen Bafetimbi Gomis zuzwinkerte und den Daumen hob. "Ein 7:1 kommt auf diesem Niveau normalerweise nicht vor. Die Uefa muss die Sache untersuchen", forderte Ajax-Trainer Frank de Boer den europäischen Fußballverband auf.

Der Verband will erst einmal nichts unternehmen. "Wir warten die Berichte des Schiedsrichters, des Schiedsrichter-Beobachters und des Delegierten ab, um zu sehen, ob nach ihrer Meinung etwas Verdächtiges passiert sein könnte", teilte die Uefa mit. Bisher ist dem Verband allerdings nichts Verdächtiges zugeleitet worden, das auf Manipulation oder eine Absprache zwischen den Klubs hindeutet. Auch bei den Sportwetten seien bislang keine merkwürdigen Muster aufgetreten, die ein Verfahren rechtfertigen würden. Der Berliner Profiwetter Dirk Paulsen fand nach einer Prüfung ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine Manipulation.

Ein Betrug über Sportwetten lässt sich ohnehin nur schwer rekonstruieren. Auch für das eigens eingerichtete Frühwarnsystem der Uefa, das in einer Saison 29.000 Spiele mit Unterstützung der Daten von 400 Wettanbietern auswertet. Denn dieses System reagiert nur auf Kursausschläge und nicht auf eingesetzte Summen, weil die Wettanbieter diese Angaben nicht an das System weitergeben. Wenn eine Manipulationsabsprache getroffen wurde und die Beträge über kleine Summen von vielen Mittelsmännern gesetzt wurden, lässt sich ein Betrug kaum nachweisen.

Dass auch auf hoher internationaler Ebene Spiele manipuliert werden, ist längst gerichtsfest dokumentiert worden. Im Wettprozess vor dem Landgericht Bochum um Ante Sapina reichte die Liste der verschobenen Spiele bis in die WM-Qualifikation.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Selbst wewnn das Spiel bzw. das Ergebnis nicht gekauft sein sollte, was erst mal bewiesen werden müsste...
    so haben sich die Spieler und der Trainer von Dinamo Zagrab mindestens grob unsportlich Verhalten, weil Sie sich nahezu ohne Gegenwehr im eigenen Stadion "abschlachten" / vorführen ließen.

    Das ist schlicht Wettbewerbsverzerrung und schäbig !

    5 Leserempfehlungen
  2. Was man irgendwie nirgends liest, Ajax wurden ja auch zwei 100% reguläre Tore nicht anerkannt.
    Mit den Toren wäre es ein ganz anderes Spiel gewesen und Ajax hatte sogar gute Chancen auf einen Sieg, mindenstens aber ein Unentschieden.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn man sich die Zusammenfassung des Ajax-Spiels bei youtube anschaut, sollte man insbesondere auf das Verhalten des Linienrichters schauen, der für die Aberkennung beider Tore verantwortlich ist.

    Das Problem ist, dass man das nie eindeutig beweisen können wird. Und da man im Zweifel lieber für den Angeklagten plädiert, wird das auch ohne Konsequenzen bleiben.

    Aber falls es wirklich manipuliert war, öffnet man damit den Banden alle Tore um in Zukunft weiterhin so dreist zu agieren.

    Wenn man sich die Zusammenfassung des Ajax-Spiels bei youtube anschaut, sollte man insbesondere auf das Verhalten des Linienrichters schauen, der für die Aberkennung beider Tore verantwortlich ist.

    Das Problem ist, dass man das nie eindeutig beweisen können wird. Und da man im Zweifel lieber für den Angeklagten plädiert, wird das auch ohne Konsequenzen bleiben.

    Aber falls es wirklich manipuliert war, öffnet man damit den Banden alle Tore um in Zukunft weiterhin so dreist zu agieren.

    • Jativa
    • 09.12.2011 um 10:29 Uhr

    Man sollte in diesem Fall die komplette Interessenlage betrachten und nicht nur auf Wettmanipulation eingrenzen. Den größten Nutzen hat Lyon, es ging um sehr viel Geld (für das Erreichen der nächsten Runde). Da lohnt es sich auch für Lyon, einiges von der zu erwartenden Summe ins Weiterkommen zu investieren, zumal Zagreb bei einer Niederlage nur die Championsleague-Punkteprämie verliert (was sich über den indirekten Weg ausgleichen läßt als Zugabe zur nachzuweisenden Zahlung). Der Spielverlauf des Amsterdam-Spieles deutet auf ein größeres Netzwerk hin (also nicht nur Manipulation begrenzt auf Zagreb), das bei entsprechenden Kontakten seine Dienste nicht nur für Wettmanipulationen zur Verfügung stellen könnte.
    Sauber ist die Sache nicht, es kommt darauf an, wie hoch der Aufklärungsdrang ist. Aber der war ja schon in D sehr gemäßigt.

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  3. Redaktion

    Es ist ja nicht allzu überraschend, dass Madrid in Amsterdam gewinnt. Dort stand es schon zur Pause 0:2, mit diesem Sieg konnte in der zweiten Halbzeit also gerechnet werden. Und erst dann begann Lyon plötzlich mit dem wilden Toreschießen.

    Alles sehr seltsam.

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    Antwort auf
    • kinnas
    • 09.12.2011 um 11:20 Uhr

    ""Wir warten die Berichte des Schiedsrichters, des Schiedsrichter-Beobachters und des Delegierten ab, um zu sehen, ob nach ihrer Meinung etwas Verdächtiges passiert sein könnte", teilte die Uefa mit."

    Was, wenn die Schiedsrichter mitverdienen?
    Oh, stimmt, auf solche "abwegige" Ideen kommt die Uefa natürlich nicht...

    Wieviele 7-1 gabs denn schon? Und wie oft bei einer solchen Situation. Man müsste mal die Zeiten vergleichen, wann die Tore gefallen sind und wann beim 3-0 die Tore gefallen sind. Wenn es eine Möglichkeit der Verständigung gegeben hat, kann sie auch genutzt worden sein.

    Zusätzlich: Was ist, wenn überhaupt nicht über Wetten, sondern über schwarze Konten das Geld ausgetauscht wurde? Ach stimmt, so etwas gibts ja auch nicht...

    Wenn alles nur Zufall war, dann jedenfalls ein größerer als ein 6er im Lott incl. Zusatz und sonstwas für Zahl!

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  4. ... dass der Name Zdravko Mamic (Präsident Dinamo Zagreb) bereits im Zusammenhang mit dem Wettskandal um Ante Sapina gefallen ist? Hmmmmmmmmmm ...

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  5. Wenn man sich die Zusammenfassung des Ajax-Spiels bei youtube anschaut, sollte man insbesondere auf das Verhalten des Linienrichters schauen, der für die Aberkennung beider Tore verantwortlich ist.

    Das Problem ist, dass man das nie eindeutig beweisen können wird. Und da man im Zweifel lieber für den Angeklagten plädiert, wird das auch ohne Konsequenzen bleiben.

    Aber falls es wirklich manipuliert war, öffnet man damit den Banden alle Tore um in Zukunft weiterhin so dreist zu agieren.

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  6. Ajax hatte es in der eigenen Hand, Real ist nur mit einer B-Elf angetreten (das hat auch noch niemand erwähnt).
    Das ist ungefähr so, wie St. Pauli für die hohe Niederlage daheim gegen München Manipulation zu unterstellen (1:8 untergegangen, als Abstiegskandidat gegen offensichtlich hochmotivierte Münchner).
    Von der Konstellation her war es klar, dass Lyon alles geben wird und nicht mit dem Toreschießen aufhört, insbesondere als der Zwischenstand aus Amsterdam bekannt wurde - im Gegensatz zu Dortmund, da war der Zwischenstand entmutigend. Und dass Zagreb nicht 100% Motivation aufbringen konnte, mag schade sein, ist aber menschlich völlig normal. Der Kopf macht viel aus im Fußball.
    Ach ja, und dass es so selten so hohe Ergebnisse in Europäischen Wettbewerben gibt, liegt daran, dass hochüberlegene Teams gerne mal bei konfortabler Führung 1-2 Gänge runterschalten - außer sie müssen unbedingt hoch gewinnen, wie diesmal Lyon.

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